LONDON (IT BOLTWISE) – In Österreich startet eine neue MVP-Wahl für Investor Relations, bei der die Branche selbst über die Most Valuable Player abstimmt. Christian Drastil setzt dabei auf ein Peer-to-Peer-Voting nach dem Vorbild des CEO/CFO Awards. Gewichtet werden nicht primär PR-Sichtbarkeit, sondern Innenwirkung im Unternehmen – etwa beim Onboarding, in der Ausbildung und bei der Zusammenarbeit im Alltag. Die Ergebnisse sollen in einer umfangreichen Sondernummer zur CIRA-Jahrestagung veröffentlicht werden.

Die Frage, wer in Investor Relations wirklich „most valuable“ ist, bekommt in Österreich ein neues Stimmgewicht: Nicht ein einzelner Gastgeber oder ein Redaktionsteam bestimmt die Sieger, sondern die Community der IR-Verantwortlichen selbst. Christian Drastil, Host des Private Investor Relations Podcast, will damit erstmals eine Szene-Wahl anstoßen, bei der die Branche per Voting entscheidet, welche Kolleginnen und Kollegen als MVP gelten. Hinter der Idee steckt auch ein Stück Branchenrealität: IR ist in vielen Unternehmen weniger ein einzelnes „Sichtbarkeitsprojekt“ als eine kontinuierliche Schnittstellenarbeit zwischen Kapitalmarkt, internen Fachbereichen und der täglichen Umsetzung. Genau deshalb soll die Bewertung stärker darauf zielen, was im Hintergrund passiert, statt nur darauf, wie gut Investor Relations nach außen wirkt.
Als Blaupause dient Drastils Hinweis auf den CEO/CFO Award, der bereits seit den Nullerjahren existiert und heuer im Oktober erneut von Deloitte sowie einem weiteren Partner aus dem Umfeld des Kapitalmarkts vergeben werden soll. Das Kernprinzip bleibt dabei gleich: CEOs wählen andere CEOs, CFOs wählen andere CFOs. Damit entsteht eine peer-normierte Bewertung innerhalb der „Bubble“ der jeweiligen Berufsgruppe, also dort, wo man die Anforderungen und den tatsächlichen Aufwand am besten einschätzen kann. Überträgt man dieses Modell auf Investor Relations, ergibt sich logisch ein zweistufiger Effekt: Zum einen wird die Auswahl durch Personen getroffen, die die IR-Rolle kennen; zum anderen rückt automatisch der Arbeitsalltag in den Fokus, weil IR-Erfolg häufig nicht an einer einzelnen Präsentation, sondern an stabilen Abläufen, Kommunikation und Zuverlässigkeit hängt.
Für die MVP-Wahl ist das Verfahren bewusst klar gehalten. Jedes Unternehmen kann per Mail mitvoten, zählt wird allerdings nur eine einzige Antwort pro Unternehmen – und zwar die erste, die eingeht. Damit reduziert sich der Verwaltungsaufwand für die Auswertung und zugleich sinkt die Wahrscheinlichkeit strategischer Mehrfachstimmen. Pro Teilnahme können bis zu fünf Personen genannt werden, wobei es zwei Bewertungsmodi gibt: Bei der gereihten Nennung erhält die Nummer 1 fünf Punkte, während die Nummer 5 nur noch einen Punkt bekommt. Bei der gleichwertigen Nennung bekommt jede genannte Person drei Punkte. Das Punkteschema soll damit sowohl eine einfache Stimmabgabe ermöglichen als auch trotzdem eine Differenzierung zwischen „Top-Erster“ und „starkes Feld“ erlauben.
Besonders deutlich positioniert Drastil die inhaltliche Richtung der Wahl: Ausgezeichnet werden soll nicht nur die klassische Außendarstellung von Investor Relations gegenüber Investoren oder Medien. In den Vordergrund rücken vielmehr Kriterien mit direktem Bezug zur Innenwirkung. Genannt werden unter anderem Fragen wie: Wer unterstützt junge Kolleginnen und Kollegen beim Onboarding? Wer gilt als guter Kollege oder gute Kollegin im Alltag? Wer engagiert sich stark in der Ausbildung? Und wer trägt dazu bei, dass Investor Relations als Funktion im Unternehmen reibungslos funktioniert? Diese Kriterien sind deshalb mehr als „Soft Skills“ – sie beschreiben messbare Praktiken im Team, etwa wenn Wissen strukturiert weitergegeben wird, Rollen klar erklärt werden und neue Rolleninhaber schneller handlungsfähig werden. Genau dort entstehen häufig die Unterschiede, die Außenstehende schwerer erkennen.
Der Begriff „MVP“ ist in Drastils Umfeld bereits etabliert, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied zur neuen IR-Wahl: Im Zertifikate-Markt nominierte Drastil die MVPs selbst, und die Auszeichnungen wurden zuletzt im Rahmen einer Sondernummer zum „20 Jahre Zertifikate Forum Austria“ erweitert vorgestellt. Diese MVPs erhalten jeweils ein eigenes Cover im Umfeld einer Sportwoche-Ausgabe, inzwischen im vierten oder fünften Jahrgang. Die IR-Wahl bricht hingegen bewusst mit diesem Muster: Die Szene entscheidet selbst. Damit folgt das Format eher einem community-getriebenen Governance-Prinzip als einer kuratierten Auswahl. Drastils Sinngedanke „Ihr kennt euch selbst am besten“ zielt genau darauf ab, dass Bewertungsmaßstäbe bei IR nicht nur von außen sichtbar sind, sondern in der professionellen Zusammenarbeit entstehen.
Sportlich angelehnt an den Ursprung des MVP-Konzepts aus dem amerikanischen Sport soll das Format auch optisch und organisatorisch an eine Teamlogik erinnern. Geplant sind elf Nennungen der punktebesten Personen, also eine Art „Kader“ statt nur eines einzelnen Preisträgers. Die besten drei werden zudem nochmals separat hervorgehoben, vergleichbar mit herausragenden Leistungsträgern in einer Saison. Verkündet werden die Ergebnisse in einer umfangreichen Sondernummer des BÖRSE-Social-Magazine mit mehr als hundert Seiten; die Veröffentlichung ist für den Tag der CIRA-Jahrestagung eingeplant, an dem auch die Auflösung der Wahl erfolgen soll. Ergänzend ist ein Sponsor für das Format vorgesehen, der zu einem späteren Zeitpunkt präsentiert werden soll. Damit bekommt die Aktion eine Mischung aus Branchen-Event und Content-Produkt, die IR-Fachleute sowohl zeitlich als auch medial abholt.
Auch visuell setzt Drastil auf Symbolik, die über „Externalität“ hinausgeht: Im Podcast-Icon sind Pokale zu sehen, die mit „Kultfigur“ beschriftet sind. Die Aussage dahinter wirkt bewusst doppelt: zum einen als innere Anerkennung innerhalb der Investor-Relations-Szene, zum anderen als Signal, dass Anerkennung nicht zwingend aus der Wahrnehmung durch Kapitalmarkt oder Medien abgeleitet wird. Praktisch könnte das die Gesprächskultur in IR-Teams verändern, weil die Auszeichnung stärker an Teamhandeln gekoppelt ist als an reines Kommunikationsbranding. Der Aufruf zur Teilnahme schließt mit einer offenen Einladung zu Rückmeldungen und Fragen; zugleich ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Das unterstreicht den informellen, community-getriebenen Charakter – und macht klar, dass es hier nicht um formale Wettbewerbstitel geht, sondern um Anerkennung durch Fachkollegen.
Für die Marktteilnehmer ist das Format vor allem deshalb interessant, weil es eine Art „Qualitätsmetriken“ in die Community einführt: Onboarding, Ausbildung, Kollegialität und funktionierendes Zusammenspiel werden zu Kriterien, die man im eigenen Arbeitsalltag wiedererkennen kann. Wenn solche Kriterien tatsächlich in der Wahl dominieren, entsteht langfristig ein Referenzrahmen, an dem sich Teams orientieren können – ähnlich wie in anderen Branchen, in denen Peer Awards Lern- und Verhaltensstandards schaffen. Gleichzeitig stellt das Peer-Voting aber auch Anforderungen an die Teilnahme: Unternehmen müssen ihre Stimmabgabe gut vorbereiten, denn die „erste Mail zählt“ Regel verhindert Nachsteuerung. In der Summe bekommt Österreich damit ein IR-Format, das nicht nur Ergebnisse publiziert, sondern vor allem die Bewertungskultur innerhalb der Investor-Relations-Funktion schärfen will.
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