LONDON (IT BOLTWISE) – Iran will nach Angaben des Leiters der iranischen Raumfahrtbehörde eine neue Generation von Satelliten-Trägern auf den Weg bringen, darunter den Phoenix-Vehikel für bis zu eine Tonne Nutzlast in den niedrigen Erdorbit. Gleichzeitig gilt der Satellit Pars-2 als fertiggestellt, die Mission soll aber erst nach abgeschlossenen Kompatibilitäts- und Abschlussprüfungen starten. Für Pars-2 seien Gespräche mit ausländischen Startanbietern in Gang, während die Planung der Shahid Soleimani-Konstellation wegen weiterer Testabgleiche flexibel bleibt. Parallel kündigte die Raumfahrtbehörde neue Entwicklungsstränge bei Satellitendiensten, Radartechnik und einer fortgeschrittenen biologischen Kapsel an.

Die Planungen für Irans Raumfahrt wirken derzeit wie ein konzertiertes Zusammenspiel aus Trägerlogik, Missions-Timing und industrieller Breite. Während in Berichten zur „World Space Week“ die Startvorbereitung für den Satelliten Pars-2 im Vordergrund stand, wurde zugleich eine neue Trägerfamilie angekündigt: Der Phoenix-Träger soll Nutzlasten von bis zu einer Tonne in den niedrigen Erdorbit (LEO) befördern. Der entscheidende Punkt für Unternehmen und Technologiebeobachter liegt dabei weniger in einer einzelnen Mission, sondern in der beschriebenen Kette aus Kompatibilitätstests, Finalisierung des Trägers und erst danach freigegebener Startplanung. Genau dieser Ablauf zeigt, wie stark mechanische, softwareseitige und funktionale Schnittstellen zwischen Satellit und Träger in der Praxis darüber entscheiden, ob ein Einsatztermin realistisch wird.
Pars-2 gilt laut den Aussagen des stellvertretenden Ministers für Kommunikation und Leiters der iranischen Raumfahrtbehörde Hassan Salarieh als im Vorjahr fertiggestellt; nun laufen nach seinem Statement die Vorbereitungen für den Start. Eine exakte Datumsangabe ließ sich zum Zeitpunkt der Aussagen noch nicht treffen, weil Kompatibilitätsprüfungen zwischen Satellit und Träger noch nicht abgeschlossen und der Träger noch nicht finalisiert seien. Auffällig ist zudem, dass Pars-2 nach Darstellung des Behördenchefs „most likely“ mit einem ausländischen Startvehikel ausgebracht werden soll. Damit zeichnet sich eine pragmatische Strategie ab: Während Iran den eigenen Träger- und Systembau weiter vorantreibt, sichert man kritische Launch-Kapazitäten kurzfristig über internationale Anbieter ab, statt einen Termin an unvollständige technische Reifegrade zu knüpfen.
Im selben Kontext ordnete Salarieh auch die Shahid-Soleimani-Satellitenkonstellation ein. Sie besteht demnach aus 24 Satelliten, aufgeteilt in 18 Haupt- und sechs Backup-Satelliten; die Herstellung befinde sich aktuell im Gang. Er nannte außerdem, dass drei weitere Satelliten während der „Ten-Day Dawn“-Feierlichkeiten gezeigt werden könnten und dass ihre Startplanung ebenfalls geprüft werde. Dass ein Start dieses Jahr erwartet wird, aber durch die Notwendigkeit zusätzlicher Kompatibilitätstests und technische Überlegungen noch variieren könne, unterstreicht erneut die Bedeutung von Schnittstellenarbeit: Für Konstellationen entscheidet nicht nur die Triebwerksleistung des Trägers, sondern auch, ob Satellitenbus, Adapter, Kommunikationssystem und Flugprofil im Zusammenspiel die Testkriterien erfüllen. In der Praxis verschiebt das Timing dadurch oft vom „Hardware ist fertig“-Moment hin zu „System ist freigegeben“-Meilensteinen.
Technologisch und wirtschaftlich spannender ist daneben die Breite, die der Behördenchef für die Zuliefer- und Dienstleistungslandschaft beschreibt. Salarieh sprach von mehreren Dutzend Unternehmen im Upstream-Bereich, darunter sowohl Satelliten- als auch Satellitenausrüstungsfertigung. Er machte jedoch auch eine klare Differenzierung: Einige Firmen könnten komplette Satelliten herstellen, deutlich mehr arbeiteten an Subsystemen. Für den Markt bedeutet das, dass sich Wertschöpfung in der Raumfahrtbranche zunehmend entlang spezialisierter Komponenten konzentriert. Zusätzlich betonte er, dass es im Bereich satellitenbasierte Daten- und Bilddienste mehr als mehrere hundert Unternehmen gebe, die auf Remote Sensing und data-basierte Services setzen. Diese Trennung von Plattformbau (weniger Anbieter) und Datennutzung (mehr Anbieter) ist für die Skalierung entscheidend, weil Launch-Frequenz und Datenverarbeitung in unterschiedliche Produktionsrhythmen fallen.
Für den weiteren Ausbau nannte Salarieh mehrere technologische Programme. Dazu gehört die Arbeit an einer fortgeschrittenen biologischen Kapsel: 2023 sei bereits ein Prototyp entwickelt worden, nun entstehe am Aerospace Research Institute eine weiterentwickelte Version mit Leit-, Steuer- und Navigationsfähigkeiten sowie größerer Masse. Diese Kapsel soll dem Statement zufolge geeignetere Bedingungen für größere Organismen schaffen, allerdings werde das Programm voraussichtlich bis 2027 reichen. Parallel wurden neue Generationen der Trägerfamilien angesprochen: Simorgh werde vom Verteidigungsministerium entwickelt und habe bereits Teststarts absolviert; als neue Generation nannte Salarieh den Phoenix-Träger mit erhöhter Nutzlastkapazität. Für flüssigbrennstoffbasierte Träger verwies er auf Projekte der Aerospace Industries Organization, während im Feststoffbereich die Qaim-Familie geführt werde; demnach würden Qaim-105 und Qaim-120 erforscht und entwickelt, und suborbitale Tests für Qaim-105 sollen „soon“ beginnen.
Auch die industrielle und wissenschaftliche Verzahnung tauchte in den Aussagen auf. Salarieh beschrieb, dass Universitäten intensiver für die Entwicklung neuer Technologien genutzt würden, darunter Kameratechnologien und weitere Ansätze, die noch nicht den Weg in Kommerzialisierung und Verkauf durch wissensbasierte Unternehmen gefunden hätten. In Kooperation mit dem Wissenschaftsministerium sowie Forschung und Technologie würden Projekte zudem zwischen den zuständigen Ressorts und der Raumfahrtorganisation vergeben, fokussiert auf zukunftsorientierte Fähigkeiten mit höherem Technologielevel. Schließlich verwies er auf die ersten Schritte beim Bau eines Radarsatelliten: Iran arbeite demnach weiter an Design und Entwicklung seines ersten Radar-Satelliten, mit dem Ziel, ihn in diesem Jahr oder spätestens im nächsten Jahr sichtbar zu machen. Für die regionale Kooperation erwähnte Salarieh zudem, dass Iran den Austausch mit Ländern pflege, die in einzelnen Raumfahrtbereichen weiter seien, während iranische Privatunternehmen Technologie, Daten und Satellitenbilder bereitstellen.
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