NEW YORK / LONDON (IT BOLTWISE) – Irans Präsident Massud Peseschkian hat in New York bei der UN-Generaldebatte vor einer „Politik der Gewalt“ gewarnt. Er stellte das Prinzip der Diplomatie der Logik von Sanktionen, Terror und Krieg gegenüber und forderte stattdessen Frieden und Gerechtigkeit. In seiner Rede argumentierte er, internationales Recht müsse unabhängig von den Interessen der Mächtigen gelten. Zudem kritisierte er die Drohungen seines US-Amtskollegen Donald Trump und verknüpfte diese mit dem Verweis auf geschlossene Haltung und wachsenden Widerstand im Iran.

In der UN-Generaldebatte prallen in vielen Reden zwei Ebenen aufeinander: die Sprache der Prinzipien und die politische Realität von Machtinteressen. Genau diese Spannung hat Irans Präsident Massud Peseschkian in New York zum Ausgangspunkt seiner Kritik gemacht. Er beschrieb eine internationale Ordnung, in der nicht Legitimität und Recht die Leitplanken setzen, sondern militärische Stärke. Besonders scharf wandte er sich dabei gegen die Vorstellung, Sanktionen könnten Diplomatie ersetzen, und verknüpfte diese Logik mit dem Bild, Terror könne an die Stelle von Politik treten – und Krieg an die Stelle des Dialogs.
Technisch betrachtet ist das weniger eine Frage militärischer Hardware als eine Frage von Steuerungsmechanismen in internationalen Konflikten. Wenn Staaten etwa Sanktionen als „Allzweckwerkzeug“ nutzen, verändert sich die Anreizstruktur: Kommunikation wird dann nicht zwingend stärker, sondern häufig selektiver. In Peseschkian‘ s Argumentation liegt der Kern darin, dass internationale Regeln dann nur noch dort als verbindlich gelten, wo sie den Interessen mächtiger Akteure passen. Daraus folgt in seiner Rede eine zweite Konsequenz: Andere Staaten könnten ihre Sicherheit nicht mehr über Verhandlungen suchen, sondern ausschließlich über eigene Machtmittel. In diesem Denkrahmen ist der Schritt von Diplomatie zu Druck politisch plausibel – aber eben auch ein Risiko für weitere Eskalation.
Für die Markt- und Sicherheitsanalyse ist entscheidend, wie solche Botschaften außenpolitisch „übersetzt“ werden. Bei der UN treten Regierungschefs nicht nur als Diplomaten auf, sondern auch als Kommunikatoren gegenüber Binnenpublika und potenziellen Kooperationspartnern. Peseschkian nutzte deshalb wiederkehrende Gegensatzpaare – Legitimität versus Macht, Diplomatie versus Sanktionen, Politik versus Terror, Dialog versus Krieg –, um die eigene Position rhetorisch zu verdichten. Gleichzeitig adressierte er die Handlungsfähigkeit des Rechts: Wenn die Umsetzung internationaler Normen als abhängig von Interessen der Mächtigen wahrgenommen wird, sinkt die erwartete Verlässlichkeit. Das kann die Bereitschaft erhöhen, auf multilaterale Kanäle zu setzen – oder, im gegenteiligen Fall, die Investition in harte Abschreckung zu priorisieren.
In der persönlichen Zuspitzung wurde seine Rede auch konkreter. Peseschkian reagierte auf Worte von US-Präsident Donald Trump und griff die Drohlogik direkt auf. Er sagte, die Drohung gegen die iranische Nation mache „uns geschlossener“, „stärker“ und verstärke den Widerstand der Iraner. Damit sendet die Rede nicht nur eine politische Ablehnung aus, sondern versucht zugleich, eine Eskalationsspirale kommunikativ zu brechen: Drohungen sollen den Gegner nicht weiter mobilisieren, sondern im Gegenteil – zumindest nach der Darstellung des iranischen Präsidenten – zu einer höheren inneren Geschlossenheit führen. Auch diese Logik ist in internationalen Konflikten bekannt: Regierungen versuchen häufig, externe Drucknarrative in eine interne Kohäsionsgeschichte umzudeuten.
Gleichzeitig bietet Peseschkian einen Gegenentwurf an, der für Partnerstaaten und Vermittler mindestens ebenso relevant ist wie die Kritik. Er sagte, Iran strecke der Welt die Hand zur Zusammenarbeit entgegen und rufe nicht zu einem weiteren Krieg auf, sondern zu Frieden und Gerechtigkeit. Dieser Teil ist in der Praxis deshalb wichtig, weil er den Handlungsspielraum für Verhandlungen markieren soll. In seiner Formulierung steckt ein zweistufiges Angebot: Entweder schaffen die Parteien Sicherheit „miteinander“, oder sie müssen „die Unsicherheit miteinander ertragen“. Letzteres ist als Warnung an diejenigen gedacht, die Verhandlungen nur als Zwischenphase betrachten, während sie gleichzeitig Druck aufbauen.
Für die Einordnung gilt: Auch wenn solche Aussagen in der UN-Generaldebatte auf der Bühne stattfinden, entscheiden am Ende konkrete Kanäle – etwa Diplomatie auf Arbeitsebene, humanitäre Austauschmechanismen und die Frage, ob Sanktionen als Verhandlungshebel oder als Dauerinstrument gedacht sind. Der entscheidende Punkt aus Peseschkian‘ s Perspektive ist die Glaubwürdigkeit multilateraler Regeln. Wenn diese Glaubwürdigkeit erodiert, steigen die Kosten jedes einzelnen Dialogversuchs. Umgekehrt kann eine klare Trennung zwischen Sicherheitsgarantien, Rechtsdurchsetzung und Verhandlungszeitplänen den Handlungsspielraum wieder vergrößern. Gerade für Unternehmen und Institutionen, die von Stabilität abhängig sind, ist das relevant, weil Unsicherheit politische Risiken in operative Unsicherheiten übersetzt.
Mit Blick auf den weiteren Verlauf ist vor allem die Kombination aus Prinzipienrhetorik und Eskalationsindikatoren zu beobachten. Peseschkian hat in New York die moralische und rechtliche Argumentationslinie in den Vordergrund gestellt und zugleich die Konfrontationslinie gegenüber den USA betont. Für die internationale Gemeinschaft bedeutet das: Jede künftige Initiative wird nicht nur daran gemessen, ob sie technisch umsetzbar ist, sondern ob sie aus Sicht der beteiligten Akteure als fair und konsistent mit dem internationalen Recht wahrgenommen wird. In einem Umfeld, in dem sich Drohungen und Verhandlungserwartungen gegenseitig beeinflussen, kann schon die Tonlage einer Rede den Takt politischer Entscheidungen mitbestimmen.
Unabhängig von der Bewertung der Positionen bleibt die strategische Botschaft klar: Die UN-Bühne wird als Ort genutzt, um ein alternatives Narrativ zu setzen – nicht nur gegen Gewalt, sondern gegen die Ersetzung von Diplomatie durch andere Werkzeuge. Für Entscheidungsträger in Regierungen, aber auch für europäische und globale Organisationen ist das ein Hinweis darauf, wie stark Kommunikation in internationalen Krisen mit der Frage der Zukunftssicherheit verknüpft wird. Und während sich Debatten über Dialog versus Druck ständig erneuern, zeigt gerade die Formulierung „Sicherheit miteinander schaffen“: Der Ausgang hängt letztlich davon ab, ob sich Parteien auf gemeinsame Regeln verpflichten können.
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