TEHERAN / LONDON (IT BOLTWISE) – Iranische Hackergruppen nutzen zunehmend Cyberangriffe, um physische Angriffe zu unterstützen. Diese Entwicklung zeigt, wie sich die Grenzen zwischen digitaler und kinetischer Kriegsführung auflösen. Amazon berichtet von gezielten Cyberoperationen, die reale militärische Ziele unterstützen sollen.

Die Bedrohung durch iranische Hacker, die Cyberangriffe zur Unterstützung physischer Angriffe nutzen, nimmt zu. Diese Entwicklung, die von Amazon als cyber-unterstützte kinetische Zielerfassung bezeichnet wird, zeigt, wie die Grenzen zwischen staatlich geförderten Cyberangriffen und physischer Kriegsführung zunehmend verschwimmen. Laut dem Bedrohungsintelligenzteam von Amazon erfordert dies eine neue Kategorie der Kriegsführung.
Traditionelle Cybersicherheitsrahmenwerke haben digitale und physische Bedrohungen als separate Domänen behandelt. CJ Moses, CISO von Amazon Integrated Security, betont jedoch, dass diese Unterscheidungen künstlich sind. Nationenstaatliche Bedrohungsakteure betreiben Cyberaufklärung, um kinetische Ziele zu ermöglichen. Diese Angriffe sind nicht nur Cyberangriffe, die zufällig physischen Schaden verursachen, sondern koordinierte Kampagnen, bei denen digitale Operationen speziell zur Unterstützung physischer militärischer Ziele entwickelt werden.
Ein Beispiel ist die Gruppe Imperial Kitten, die mit dem Iranischen Revolutionsgardenkorps in Verbindung gebracht wird. Zwischen Dezember 2021 und Januar 2024 führte sie digitale Aufklärung durch, um Zugang zu kritischer Schifffahrtsinfrastruktur zu erlangen. Ziel war es, das automatische Identifikationssystem (AIS) eines Schiffes zu infiltrieren. Tage später wurde das gleiche Schiff von einem erfolglosen Raketenangriff iranisch unterstützter Houthi-Milizen ins Visier genommen.
Ein weiteres Beispiel ist MuddyWater, eine Bedrohungsgruppe, die mit dem iranischen Ministerium für Geheimdienste und Sicherheit in Verbindung steht. Diese Gruppe nutzte im Mai 2025 eine Infrastruktur für Cyberoperationen, um Echtzeit-Videoübertragungen aus Jerusalem zu überwachen. Dies geschah zeitgleich mit weitreichenden Raketenangriffen auf die Stadt. Die israelische nationale Cyberdirektion berichtete, dass Iraner versuchten, Kameras zu verbinden, um die Präzision ihrer Raketen zu verbessern.
Diese Fälle verdeutlichen, wie Cyberoperationen Gegnern präzise Informationen liefern können, um gezielte physische Angriffe auf maritime Infrastrukturen durchzuführen. Diese sind ein kritischer Bestandteil des globalen Handels und der militärischen Logistik. Die Erkenntnisse unterstreichen, dass spionagefokussierte Angriffe letztlich als Sprungbrett für kinetische Ziele dienen können. Nationenstaatliche Akteure erkennen den Multiplikatoreffekt, der sich aus der Kombination von digitaler Aufklärung und physischen Angriffen ergibt.
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