LONDON (IT BOLTWISE) – In den USA ist der ETF-Markt inzwischen auf knapp 5.300 börsengehandelte Produkte angewachsen, darunter eine Reihe von „Spot Bitcoin“-Fonds mit sehr ähnlicher Funktion. Im direkten Vergleich stehen der iShares Bitcoin Trust ETF (IBIT) mit einem verwalteten Volumen von 46,5 Mrd. US-Dollar und einer laufenden Kostenquote von 0,25% sowie der Morgan-Stanley-Bitcoin-ETF (MSBT) mit 392,3 Mio. US-Dollar Assets und 0,14% Gebühren. Während IBIT vor allem bei Liquidität punktet, setzt MSBT auf die klare Kosten-Differenz als Alleinstellungsmerkmal. Für langfristig orientierte Anleger entscheidet daher häufig weniger die Marke als die Kombination aus TER und Handelsqualität.

iShares Bitcoin ETF vs. Morgan Stanley: Welche Gebühren zählen wirklich?
iShares Bitcoin ETF vs. Morgan Stanley: Welche Gebühren zählen wirklich? (Foto: IT BOLTWISE)
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Der US-ETF-Markt zeigt seit Jahren, wie schnell sich neue Produktkategorien „kopieren“ lassen, ohne dass Anleger dadurch automatisch schlechter fahren. Am Ende des zweiten Quartals waren dort laut den Angaben aus der Marktberichterstattung knapp 5.300 börsengehandelte Produkte gelistet, darunter klassische ETFs und ETFs mit thematischem Fokus. In einer so dichten Landschaft entstehen häufig sogenannte „me too“-Produkte: gleiche oder sehr ähnliche Zielsetzung, abweichende Vermarktung und unterschiedliche laufende Kosten. Genau dieses Muster ist bei Spot-Bitcoin-ETFs besonders auffällig, weil mehrere Fonds im Grunde dasselbe Exposure über denselben Basiswert anbieten, sich aber in entscheidenden Detailparametern unterscheiden.

Der konkrete Kontext: Spot-Bitcoin-ETFs gingen relativ spät in großer Zahl an den Start. Auf die Markteinführung am 11. Januar 2024 folgten weitere Zulassungen, sodass Investoren inzwischen mindestens ein Dutzend ETFs auswählen können, die den Bitcoin-Kurs möglichst direkt abbilden. In dieser Gruppe treffen der iShares Bitcoin Trust ETF (IBIT) und der Morgan-Stanley-Bitcoin-Trust-ETF (MSBT) aufeinander. Obwohl beide Produkte strukturell verwandt sind, ist der „Duell“-Charakter nicht nur Marketing: Anders als bei breit gestreuten Indizes, wo die Abweichungen meist auf Tracking und Gebühren hinauslaufen, können sich bei Krypto-ETFs gerade Liquidität und Kosten spürbar stärker auf die Gesamtrendite auswirken.

Beim iShares-Fonds spielt vor allem die Vertrautheit eine Rolle. iShares steht im ETF-Geschäft seit Jahren für hohe Reichweite und ist in der Marktlogik ein Platzhirsch, weil viele institutionelle Anleger auf bekannte Strukturen setzen. Im vorliegenden Vergleich wird diese Marktmacht mit harten Kennzahlen unterlegt: IBIT verwaltet 46,5 Mrd. US-Dollar und ist damit der größte Spot-Bitcoin-ETF der Kategorie. Gleichzeitig ist der Fonds nicht der günstigste. Fünf Konkurrenten verlangen niedrigere jährliche Expense Ratios als die 0,25% von iShares. Dass die Größe dennoch hoch bleibt, deutet darauf hin, dass Investoren nicht nur den Preis, sondern auch Skaleneffekte, Zahlungsfähigkeit, operatives Know-how und damit verbundene Handelsqualität einpreisen.

Genau hier kommt ein weiterer technischer Vergleichspunkt ins Spiel: die Handelskosten im laufenden Betrieb. In der Analyse wird für IBIT ein 30-Tage-medianes Bid/Ask-Spread von 0,03% genannt, was in der Praxis nahe an „Cent-Beträgen“ pro Trade liegt. Für institutionelle und auch für größere Privatanleger ist das relevant, weil enge Spreads helfen können, den Slippage-Effekt zu begrenzen und große Orderausführungen weniger stark in den Kurs „hineinreiten“ lassen. Damit wird klar: Selbst wenn die TER nicht die niedrigste ist, kann der Gesamtnutzen aus Marktqualität und effizienter Ausführung bestehen. Anders gesagt: Wer häufig oder in größeren Tranchen handelt, profitiert eher von engen Spreads als von einer einzelnen Basispunkterschätzung im Prospekt.

Der Morgan-Stanley-Fonds wurde am 7. April aufgelegt und setzt die Differenzansage deutlich über die Gebühren um. Trotz eines eher schwierigen Umfelds in der Kryptowelt zum Start wird MSBT mit 392,3 Mio. US-Dollar Assets under management beschrieben und damit als solide etabliert. Der entscheidende Hebel ist die niedrigere jährliche Kostenquote von 0,14%, wodurch der Fonds in der Kategorie als der günstigste seiner Art positioniert wird, sofern die Konditionen nicht nachträglich angepasst werden. In der ETF-Industrie gilt dabei häufig ein pragmatischer Mechanismus: Niedrige Gebühren erzeugen Aufmerksamkeit, und diese Aufmerksamkeit kann sich in Zuflüssen übersetzen, weil gerade langfristige Anleger jede jährliche Differenz über Jahre „verzinst“ sehen.

Damit verschiebt sich die Frage vom „Copycat“-Thema hin zur konkreten Portfolio-Entscheidung. Wenn beide ETFs das Spot-Bitcoin-Ziel ähnlich umsetzen, wird die Renditeerwartung stärker von laufenden Kosten, Handelsqualität und dem tatsächlichen Kauf-/Verkaufstiming geprägt. Die Analyse argumentiert deshalb mit einer klaren Bedingung: Unterstellt man, dass IBIT und MSBT ihre Expense Ratios unverändert lassen, spricht die Gebührenlogik für die „Long View“-Variante mit 0,14% TER, also für MSBT. Gleichzeitig bleibt im iShares-Lager das Liquiditätsargument: Wer den Fonds primär wegen enger Spreads und bewährter Marktmechanik nutzt, kann den Mehrpreis zumindest teilweise relativieren. In einem Umfeld, in dem es viele „me too“-ETFs gibt, wird genau diese Abwägung zur eigentlichen Differenz.

Für Anleger in der Praxis heißt das: Das Produkt ist nicht die Schlagzeile, sondern die Summe aus Preis und Ausführungsbedingungen. Wer überwiegend buy-and-hold fährt und selten handelt, wird die TER-Differenz von 0,11 Prozentpunkten (0,25% vs. 0,14%) über lange Zeiträume als zentralen Faktor empfinden. Wer dagegen regelmäßig in und aus der Position arbeitet oder größere Orders plant, sollte zusätzlich auf Kennzahlen wie Bid/Ask-Spreads achten, weil diese laufende Kosten im Mikrobereich darstellen. Genau an der Schnittstelle entscheidet sich auch, wie sich „mehr Auswahl“ im ETF-Universum am Ende anfühlt: nicht als Vielfalt um der Vielfalt willen, sondern als Auswahl nach belastbaren Parametern, die sich bei ähnlicher Funktion unterscheiden.


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