ROME / LONDON (IT BOLTWISE) – Italien hat einen Milliardenauftrag für zwei neue DDX-Zerstörer unterzeichnet, die ab 2033 und 2035 in Dienst gehen sollen. Im Volumen von 3,7 Milliarden Euro (entspricht 4,2 Milliarden US-Dollar) wird der Deal über OCCAR abgewickelt. Die Schiffe sollen mit einem digitalen Führungs- und Waffensystem sowie einem DC-Strom-Subnetz samt Energiespeicher ausgerüstet werden. Damit knüpft die Marine an ihre laufende Flottenerneuerung an und plant die Ablösung der beiden Horizon-Zerstörer.

Italien setzt seine Flottenmodernisierung mit einem Großauftrag für zwei DDX-Zerstörer fort und liefert damit einen klaren Hinweis, wie die Marine künftig auf vernetzte See-Lufträume reagieren will. Der Beschaffungsdeal umfasst 3,7 Milliarden Euro, ausgewiesen als 4,2 Milliarden US-Dollar, und wurde über die europäische Beschaffungsorganisation OCCAR vermittelt. Wichtig ist dabei weniger nur der Preis, sondern die Zeitachse: Die Lieferung ist für 2033 und 2035 vorgesehen, also mit genügend Vorlauf, um Sensorik, Software-Architektur und Energiekomponenten über mehrere Entwicklungs- und Integrationsstufen hinweg abzusichern.
Die Vertragsvergabe richtet sich an Orizzonte Sistemi Navali (OSN), ein italienisches Joint Venture, in dem Fincantieri 51% hält und Leonardo die restlichen 49% verantwortet. Damit bündelt der Auftrag zwei industrielle Rollen, die in modernen Kampfschiffen eng ineinandergreifen: Wer den Rumpf und die Systemintegration verantwortet, muss in der Lage sein, Änderungen an Datennetzen, Energieverteilung und Plattformmanagement während der Bauphase umzusetzen. Die DDX-Einheiten kommen mit 13.500 Tonnen Verdrängung daher; bei einer Länge von 180 Metern sollen sie 251 Besatzungsangehörige aufnehmen und eine Reichweite von 4.000 nautischen Meilen abdecken. Für die operative Planung bedeutet das: Langstreckenpräsenz ohne dauernde Nachbetankung wird zu einem zentralen Rahmenfaktor für die Einsatzprofile.
Technisch betrachtet liegt der Schwerpunkt in mehreren Bereichen, die in der Summe die „Digitale Durchdringung“ der Plattform beschreiben. Leonardo liefert ein Combat-System, das „advanced digitalization“ adressiert, und OSN nennt eine Reihe konkreter Integrationsbausteine: ein DC-Power-Subnetz mit zugehörigem Energiespeicher, eine neuartige Stabilisierung, die in das Steuersystem eingebettet ist, sowie neue Algorithmen und Methoden zur Berechnung thermischer und elektrischer Bilanzen. Ergänzend wird das Ship Management System weiter digitalisiert. Gerade diese Kombination ist relevant, weil DC-basierte Energiearchitekturen in Kampfschiffen typischerweise die Grundlage dafür schaffen, Lastspitzen kontrollierter zu managen und Rechen- sowie Sensorikressourcen flexibler zu versorgen.
Hinzu kommt die Gefechtsführung und Sensorik: Die Schiffe sollen mit dem SADOC 5 Command-and-Control-System von Leonardo ausgerüstet werden, außerdem mit einer digitalen S-Band-AESA-Radararchitektur. Für die Zielbekämpfung werden zudem MBDA-Waffensysteme genannt. In der Praxis heißt das, dass die Plattform nicht nur „mehr Waffen“ mitbringt, sondern die Daten- und Befehlswege enger koppelt: Radar- und Feuerleitinformationen müssen in kurzen Zyklen in die Entscheidungslogik einfließen, und die Stromversorgung muss gleichzeitig Stabilität gewährleisten. Genau in dieser Schnittstelle aus Gefechtssoftware, Sensorfusion und Energieverteilung entscheidet sich, ob neue Komponenten im Testlabor ihr Potenzial entfalten oder im Alltag wegen Integrations- und Lastproblemen hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Strategisch ordnet sich die DDX-Bestellung in eine Serie von Beschaffungen ein, die bereits auf eine Erneuerung ganzer Flottenklassen zielt. Nach FREMM-Fregatten, PPA-Multimission-Schiffen, einem neuen Landing Helicopter Dock, neuen U-Booten sowie Logistikschiffen setzt der Auftrag ein sichtbares Zeichen für Kontinuität in der Modernisierung. Gleichzeitig wirkt der DDX-Deal wie eine Brücke: Während mehrere Programme unterschiedliche Rollen abdecken, übernehmen Zerstörer typischerweise die anspruchsvollste Aufgabe, nämlich die Führung in komplexen Bedrohungslagen. Dass das Projekt später die beiden Horizon-Vessels ersetzen soll, unterstreicht diese Logik; laut Angaben eines Marine-Sprechers sollen die neuen Schiffe zwar zunächst „parallel“ segeln, perspektivisch aber die älteren Einheiten ablösen.
Für die Industrie und den Markt ist der Zeitpunkt ebenfalls interessant: Durch die Lieferung in 2033 und 2035 verschiebt sich der Fokus von reinen Hardware-Parametern hin zu langfristig wartbarer Software- und Systemarchitektur. Das gilt besonders für digitale Command-and-Control-Umgebungen und für die Art, wie Energie- und Thermomanagement in die Regelkreise der Plattform integriert werden. In ähnlichen Programmen entscheidet häufig nicht nur der erste Abnahmetest, sondern die Fähigkeit, über Updates an Radar- und Algorithmikschichten nachzuziehen. Für Rechen- und Datenpfade bedeutet das außerdem, dass Cybersicherheit und Betriebssicherheit in der Lebensdauerplanung eine immer größere Rolle spielen, weil die Plattform über viele Jahre hinweg als „System aus Systemen“ betrachtet wird.
Unternehmen, die in Zulieferketten rund um Marine-Software, Energieverteilung und Systemintegration aktiv sind, können aus dem Vertrag ableiten, welche Kompetenzfelder in den nächsten Jahren besonders gefragt bleiben. DC-Power-Subnetze mit Energiespeicher, ein digital erweitertes Plattformmanagement sowie die Integration von Stabilisierung und Steuersystemen deuten auf komplexe Schnittstellen hin, die eng getestet und dokumentiert werden müssen. Zudem ist die Kombination aus SADOC 5, digitalem S-Band-AESA-Radar und MBDA-Waffen ein Signal, dass das Zusammenspiel aus Führungssystem, Sensorik und Wirkungskette als Ganzes betrachtet wird. Ob und wie schnell sich daraus tatsächlich „KI-gestützte“ Assistenzfunktionen in der Gefechtsführung ableiten lassen, hängt dann stark davon ab, wie die Softwarearchitektur von Beginn an für spätere Modell- und Algorithmusupdates ausgelegt ist.
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