SPOKANE / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Maler Jeff Olson eröffnet in Spokane im Marmot Art Space die Ausstellung „The Long Run: New Paintings“. Im Mittelpunkt stehen Landschaften, die weniger wie Momentaufnahmen wirken, sondern wie sichtbare Schichten von Zeit. Olson verbindet dabei seine Kindheit im Outdoor-Bereich mit einem Arbeitsprozess, bei dem neue Bilder aus dem vorherigen entstehen. Die Rückkehr ist zudem mit einer Erinnerung an den verstorbenen Gründer Marshall Peterson verknüpft.

Wenn Jeff Olson von Landschaften spricht, meint er selten nur „Orte“. In „The Long Run: New Paintings“ verschiebt sich der Fokus auf etwas, das man im Alltag oft übersieht: Zeit als physische Struktur. Die Ausstellung läuft ab Freitag im Marmot Art Space und bis zum 30. August. Für Olson ist der Titel dabei mehr als ein poetischer Rahmen; er beschreibt einen Zyklus, in dem Serien aufeinander reagieren und aus dem vorherigen Bild neue Entscheidungen wachsen.
Der Weg dorthin begann früh, aber nicht als Zufallsgeschichte. Der in Moskau geborene und in Spokane aufgewachsene Künstler bekam in seiner Schulzeit gezielte Unterstützung: Seine Lehrkräfte schufen ihm offenbar ganze Unterrichtseinheiten, statt ihn nur „weiterzumachen“. Nachdem er im Junior High School zunächst Kunst und Zeichnen/Entwurf belegt hatte, erkannte Olson, dass ihn dieser Bereich nicht nur interessiert, sondern trägt. In der Highschool nahm er laut Bericht sämtliche verfügbaren Kunstkurse, und als sein Bedarf größer wurde, erweiterten die Lehrkräfte das Angebot gezielt – auch mit Klassen, die sich mit Entwurf und Architektur befassten. Später studierte er diese Richtung an der Washington State University, wechselte aber ein Jahr danach auf Fine Art.
Dass Olson heute auf Galerien in mehreren Ländern ausstellt, erklärt sich aus dieser frühen Mischung aus Förderung und Gestaltungslust. Nach eigenen Worten profitierte er von einer besonderen Umgebung: In Spokane habe es außerhalb der Schule nicht besonders viele künstlerische Gelegenheiten gegeben, weshalb er, sobald etwas verfügbar war, „so viel wie möglich“ mitnahm. Besonders prägte ihn der Western Art Show-Veranstaltungsrahmen im Davenport Hotel: Olson durfte sich offenbar frei in den Gängen bewegen und so mehr sehen, als es ein klassischer Museumsbesuch zulässt. Solche Erfahrungen wirken oft wie der erste Motor – sie entscheiden, dass man „diese Richtung“ ernsthaft verfolgen will, statt nur zu schauen, was möglich wäre.
Technisch und künstlerisch spannend wird es dort, wo Olson seine Malerei als Prozess begreift, nicht als Abbild. Er startet ohne festes Bild im Kopf und lässt die Arbeit führen. Dabei greift er häufig auf das vorherige Werk zurück: Manchmal malt er ein neues Stück in Sichtweite des vorherigen Bildes, um eine Art Referenz zu haben; manchmal bleibt das erste Bild nur im Kopf präsent. Olson formuliert diesen Mechanismus so, dass es in der Malerei wiederkehrende „Aha“-Momente gibt: In einem Werk steckt häufig etwas Konkretes, das ihm gefällt, und daraus entsteht der Impuls, genau dieses Element in der nächsten Arbeit erneut zu suchen – dann aber offen genug zu bleiben, um neue Entdeckungen zuzulassen. Dieses Vorgehen macht jede Serie zugleich kohärent und variabel, weil die Bilder zwar miteinander verwoben sind, aber nicht identisch wiederholt werden.
Inhaltlich verankert Olson seine Arbeit in wiederkehrenden Motiven aus der Natur, ohne sich auf eine einzelne geografische Vorlage zu verengen. Zwar schwingt die Outdoor-Erfahrung aus der Kindheit deutlich mit: Seine Familie sei mit ihm praktisch seit dem frühen Kindesalter campen, angeln, wandern und jagen gegangen, und gemeinsam erkundete sie Regionen wie Eastern Washington, North Idaho und Teile von Western Montana. Im Rückblick nennt Olson die Sommer in den Bergen als Grundlage für sein Verständnis und seine Wertschätzung der Natur – und damit auch für seine Identität. Gleichzeitig behauptet er nicht, dass „The Long Run“ eine direkte Abbildung dieser Erinnerungen ist. Stattdessen arbeite er mit einer Art Sammelbild aus verschiedenen Plausibilitäten: Berge und Flüsse, Wälder und Canyons, aber stets gefiltert durch Erinnerung und durch die Art, wie sich Landschaft verändert.
Gerade die Veränderung durch Zeit prägt seine Bildidee: Erosion kann einen Baum umstürzen, ein Waldbrand kann ein Feld schwärzen, ein Fluss kann eine Brücke mitreißen. Olson sagt sinngemäß, dass genau solche Spuren seine Vorstellungskraft gefangen nehmen – und dass die Malerei im Grunde ein analoger Prozess ist. Er schichtet Farbe, kratzt sie wieder zurück, ändert den Kurs, dreht die Richtung: Entscheidend ist, dass diese Eingriffe sichtbar bleiben, wie es die Spuren in der Landschaft ebenfalls sind. So entsteht ein Bildgedanke, der nicht nur „Landschaft“ zeigt, sondern die Logik ihrer Entstehung. Dass er dafür manchmal ähnliche Farbpaletten über mehrere Arbeiten legt – etwa bei Titeln wie „Pillars of Mars“ und „Light through the Pines“ – oder thematische Impulse wiedererkennt („Search Light“ und „Visitors“ wirken laut Beschreibung wie ein endloser Wald), unterstreicht die serielle Denkweise. Und trotzdem bleibt jedes einzelne Werk autonom genug, um neue Fragen anzustoßen.
Auch nach seiner Zeit in Seattle bleibt Spokane in seiner Arbeit präsent – aktuell sogar auf eine besondere Weise. Olson betont, dass die Stadt sich seit seiner eigenen Lebensphase stark verändert und weiterentwickelt habe, und dass diese Begegnung mit neuer Gegenwart einen emotionalen Resonanzraum öffnet. Zugleich ist seine Rückkehr nicht nur ein künstlerischer Neustart, sondern auch ein Ereignis mit Erinnerungsdimension: Der Bericht verbindet den Besuch mit der Rückkehr in das Marmot Art Space, in dem Olson bereits 2023 und 2024 ausgestellt hatte. Anlass ist der Tod des Gründers Marshall Peterson, der im Juni verstorben war. Olson sieht „The Long Run“ daher als mehr als eine reine Präsentation seiner Werke: Es soll auch eine Geste des Gedenkens an Peterson und an dessen Beitrag für die Kunstszene im Inland Northwest sein. Die Ausstellung wird damit zu einer Art gemeinsamer Zeitachse – von der Natur, die sich verändert, bis zur lokalen Kunstgemeinschaft, die Spuren hinterlässt und fortwirkt.
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