LONDON (IT BOLTWISE) – Der US-Investor John Paulson stellt Krypto und auch überhitzte KI-Bewertungen infrage und verweist auf ein mögliches Marktkorrektur-Risiko. Im Zentrum steht für ihn eine potenzielle Schuldenkrise in Frankreich, die seiner Ansicht nach wegen der Euro-Struktur schwer zu bremsen wäre. Gleichzeitig sieht er Gold als langfristige Alternative, falls das Vertrauen in Fiat-Währungen weiter erodiert. Seine Argumentation verknüpft dabei steigende Refinanzierungskosten mit Bewertungsrisiken an den US-Märkten.

John Paulson warnt vor KI- und Krypto-Überbewertungen sowie Frankreichs Schuldenrisiken
John Paulson warnt vor KI- und Krypto-Überbewertungen sowie Frankreichs Schuldenrisiken (Foto: IT BOLTWISE)
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John Paulson, der vor der Finanzkrise 2008 mit Wetten gegen den US-Häusermarkt einen außergewöhnlichen Ruf erarbeitet hat, richtet seinen Blick nun auf zwei Themen, die scheinbar weit auseinanderliegen: Künstliche Intelligenz an der Börse und Krypto als Anlageklasse. In dem Interview skizziert er ein Bild, in dem sich Marktstimmung und Fundamentaldaten zunehmend entkoppeln könnten. Für Paulson ist das keine akademische Debatte über Bewertungstheorien, sondern ein praktisches Risiko: Wenn sich Preise zu weit von tragfähigen wirtschaftlichen Erträgen entfernen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende eine Korrektur einsetzt.

Seine Kritik an Bitcoin fällt dabei überraschend scharf aus, obwohl der Rohstoff-Charakter „knappes Angebot“ oft als Kernargument für Krypto genutzt wird. Paulson argumentiert, dass Bitcoin trotz begrenzter Emission im Wesentlichen „nichts“ als eigenes Fundament verkörpere: Der Preis hänge allein von der Nachfrage ab, nicht von einem etablierten monetären Zweck oder einem funktionierenden Wertanker. Er geht sogar so weit zu sagen, dass große Teile der seit dem Beginn des „Kryptohypes“ entstandenen Kryptowährungen nach seiner Einschätzung praktisch wertlos geworden seien, und er erwartet, dass diese Entwicklung perspektivisch auch bei Bitcoin ähnlich verlaufen könnte. Damit stellt er weniger die Mathematik hinter digitalen Token infrage, sondern die Mechanik, wie dauerhaft Vertrauen in Preisbildung übersetzt wird.

Während Paulson Krypto als preisgetriebenes Konstrukt betrachtet, verlagert er den zweiten Schwerpunkt auf das, was er als Bewertungsübertreibung im US-Technologie- und KI-Sektor beschreibt. Er unterscheidet dabei nicht einzelne Produkte, sondern das Muster: Es gebe Unternehmen, die hohe Bewertungen mit schnellem Wachstum rechtfertigen können, doch daneben existierten zu viele Firmen, die „nur die Welle reiten“. Wenn Investoren für Erwartungen zahlen, die nicht durch belastbare operative Kennzahlen gedeckt sind, kann selbst gutes Wachstum in eine unangenehme Asymmetrie kippen: Man ist nicht nur teuer bewertet, sondern hat auch wenig Puffer gegen Enttäuschungen. In seinem Szenario verschärfen steigende Anleiherenditen und ein hoher Kapitalzufluss in den Sektor die Ausgangslage, sodass die Marktkorrektur in den kommenden Jahren eher wahrscheinlich werde, ohne dass er einen konkreten Zeitplan nennt.

Die vielleicht entscheidende Makro-Komponente seiner Argumentation betrifft jedoch Europa – und zwar nicht Deutschland, sondern Frankreich. Paulson sieht dort ein Schuldenrisiko, das seiner Einschätzung nach das Euro-System in eine ähnliche Richtung ziehen könnte wie die europäische Griechenland-Krise, bei der Turbulenzen in einem vergleichsweise kleinen Land die Stabilität der gesamten Währungsunion belasteten. Frankreich sei in seiner Sicht die größere Hürde: Nicht nur wegen der Größe, sondern weil die Finanzierung über den Euro läuft und der nationale Handlungsspielraum dadurch begrenzt ist. Er macht den Unterschied zugespitzt: Die USA könnten sich in ihrer eigenen Währung refinanzieren, während Frankreich keine unabhängige Euro-Emission zur Not nutzen könne, um Staatsanleihen direkt zu stützen.

Konkret ordnet er die Lage so ein, dass Frankreich über die kommenden Jahre rund 400 Milliarden US-Dollar an zusätzlicher Finanzierung aufnehmen müsse. Gleichzeitig verweist er darauf, dass die Renditen französischer Staatsanleihen relativ zu deutschen Papieren historische Niveaus erreichten, was für ihn ein Signal dafür ist, dass der Markt die Risiken bereits einpreist. Die politische Handlungslogik sieht er ebenfalls als Engstelle: Ausgabenkürzungen oder Steuererhöhungen seien zwar die klassischen Optionen, doch erstere seien in der Vergangenheit mit sozialer Unruhe und sinkender Zustimmung verbunden gewesen, während höhere Steuerlasten die Wirtschaft abwürgen könnten. Damit entsteht aus seiner Perspektive eine unbequeme Kombination aus steigenden Finanzierungskosten, begrenzten wirtschaftspolitischen Spielräumen und wachsendem Druck auf die Schuldentragfähigkeit.

Vor diesem Hintergrund erklärt Paulson, warum Gold in seinem Portfolio eine andere Rolle spielt als Bitcoin. Er sagt, dass er Gold weiter als steigend erwarten würde, unter anderem weil sich aus seiner Sicht die US-Inflations- und Kaufkraftproblematik auch mittelfristig nicht sauber „wegerklärt“, sondern eher fortwirkt. Noch grundlegender sei aber für ihn das Vertrauensthema: Wenn die Stabilität von Papierwährungen langfristig erodiert, kann die Nachfrage nach einem Wertaufbewahrungsmittel deutlich anziehen. Er betont dabei, dass die Nachfrage nicht nur aus dem privaten Bereich komme, sondern auch aus dem öffentlichen Sektor, insbesondere aus Zentralbanken, die Gold als Reservealternative nutzen.

Ein weiteres Argument verbindet er über die Historie: Gold habe als Geld und Tauschmittel über Jahrhunderte hinweg eine globale Rolle gespielt, während Bitcoin diese Art von Kontinuität nicht aufweise. Um diese These anschaulich zu machen, verweist Paulson auf eine Besichtigung der Israel Antiquities Authority und darauf, dort Goldmünzen gesehen zu haben, die bis in die byzantinische Zeit und noch weiter zurückreichen. Für ihn folgt daraus eine zentrale Schlussfolgerung: Knappheit allein reicht nicht aus, wenn kein überdauernder monetärer Gebrauch und keine breit getragene Vertrauensbasis existieren. Bei Bitcoin ist die Bewertung demnach stärker davon abhängig, dass Marktteilnehmer dauerhaft glauben, auch künftig Käufer zu finden.

Für Anleger und Unternehmen ergibt sich aus Paulsons Sichtweise ein zweigeteiltes Signal. Erstens: In Bereichen, in denen Erwartungen die wirtschaftliche Realität überholen, steigt das Risiko, dass steigende Finanzierungskosten und Neubewertungen den Hebel nach unten bilden. Zweitens: Makro-Unsicherheiten sind nicht nur „Hintergrundrauschen“, sondern können über Anleiherenditen, politische Spielräume und Währungsmechanik unmittelbar auf Kapitalströme wirken. Wer in der Praxis Budget- und Investitionsentscheidungen trifft, sollte diese Logik als Warnung verstehen: Bewertungsmodelle und Wachstumskurven sind relevant, aber sie verlieren ihren Schutzschild, sobald der Markt die Tragfähigkeit hinter der Kurve erneut prüft.


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