LONDON (IT BOLTWISE) – Der JPMorgan US Research Enhanced Index Equity Active UCITS ETF USD kombiniert aktiv verwaltete Aktienauswahl mit einer bewusst engen Ausrichtung am S&P 500. Statt nur Indexgewichtungen zu kopieren, über- und untergewichtet ein Researchteam einzelne Titel. Die TER liegt bei 0,20 Prozent, das Aktienportfolio umfasst physisch gehaltene 245 Positionen. Für Anleger bleibt damit auch das Konzentrationsmuster auf US-Tech-Mega-Caps weitgehend erhalten.

JPMorgan-ETF „Research Enhanced Index“: aktiv nah am S&P 500
JPMorgan-ETF „Research Enhanced Index“: aktiv nah am S&P 500 (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer einen ETF für den US-Aktienmarkt sucht, landet bei Produkten mit dem Namen S&P 500 oder MSCI USA oft schnell bei derselben Frage: Soll es wirklich ein reiner Indexfonds sein, oder darf das Management zumindest an einzelnen Stellschrauben drehen? Genau dort setzt der JPMorgan US Research Enhanced Index Equity Active UCITS ETF USD (acc) an. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein weiterer „S&P-500-nahe“ Fonds, weil er physisch in Aktien investiert, Ausschüttungen automatisch wieder anlegt und mit seinem Vergleichsmaßstab den US-Benchmark im Blick behält. Der Unterschied steckt jedoch im Begriff „Research Enhanced Index“: Der Fonds startet zwar beim S&P-500-Gesamtbild, kopiert die Gewichtungen aber nicht schlicht 1:1.

Technisch und methodisch folgt der Ansatz einer aktiven Titelauswahl bei gleichzeitig eng geführten übergeordneten Wetten. JPMorgan beschreibt das Research-Konzept als Fundament, das auf der Auswertung von Tausenden Unternehmen basiert und dabei auf langfristig normalisierte Gewinne sowie daraus abgeleitete erwartete Renditen schaut – also eine Art „Ertragskraft- und Erwartungsabgleich“ zwischen Modell und Marktpreis. Besonders attraktiv eingeschätzte Aktien erhalten eine höhere Gewichtung als im Vergleichsindex, während weniger überzeugende oder als teuer bewertete Unternehmen untergewichtet oder teils ganz weggelassen werden. Trotz aktivem Management bleiben dabei sowohl die größten Positionen als auch das Risikoprofil sehr nahe am US-Gesamtmarkt; die Idee ist, die Zusatzrendite aus vielen kleinen Abweichungen zu ziehen, nicht aus wenigen großen Richtungsentscheidungen.

Daran wird auch sichtbar, warum der ETF mit „nur“ 245 Aktien keine dramatische Abkehr vom bekannten Marktbild darstellt. NVIDIA ist mit 7,93 Prozent die größte Position, gefolgt von Apple (6,63 Prozent), Microsoft (4,69 Prozent), Amazon (3,97 Prozent) und Alphabet (3,30 Prozent). Die zehn größten Werte kommen damit auf 37,9 Prozent des Portfolios – ein Muster, das im S&P 500 inzwischen ebenfalls ähnlich stark ausgeprägt ist (rund 36 Prozent entfallen auf die Top-10). Wer das Fondsrisiko bewusst nicht zu stark vom Vergleichsindex trennen will, kann große Tech-Titel wie NVIDIA oder Apple daher kaum vollständig eliminieren, ohne den Charakter des Produkts zu verändern. Der Mehrwert soll eher in Gewichtungsunterschieden liegen, die auf Einzelaktienebene zunächst unspektakulär wirken: Eine Aktie erhält beispielsweise 2,3 statt 1,5 Prozent, eine andere 0,5 statt 1,0 Prozent – über hunderte Positionen hinweg sollen sich solche Differenzen jedoch kumulieren.

Mit dem Blick auf das sektorale Profil bleibt auch der klassische US-Tech-Fokus erhalten. Technologie stellt mit 45,3 Prozent den mit Abstand wichtigsten Sektor, danach folgen Finanzwerte (13,9 Prozent), Gesundheitsunternehmen (8,7 Prozent), nicht-zyklische Konsumgüter (8,6 Prozent) und Industriewerte (7,9 Prozent). Dass diese Zusammensetzung so stark ausfällt, hängt eng mit der Struktur des amerikanischen Aktienmarkts zusammen: Mega-Caps aus Technologie, Halbleitern, Cloud Computing und angrenzenden Bereichen dominieren dort überproportional. Der Fonds „beseitigt“ dieses Konzentrationsrisiko also nicht – und soll es auch nicht. In Phasen, in denen hoch bewertete Wachstums- und Tech-Aktien gegenüber „Value“-Segmenten weniger gefragt sind, kann gerade diese Ausrichtung spürbar werden.

Für die Kosten ist die TER von 0,20 Prozent pro Jahr der zentrale, konkret vergleichbare Punkt. Im Spektrum klassischer US-ETFs finden sich teils niedrigere Kennziffern im Bereich von 0,05 bis 0,15 Prozent, weshalb Anleger die Differenz letztlich für das Research-gestützte Tuning zahlen. Gleichzeitig bleibt der Fonds in seiner Bewegungslogik eher „indexnah“: An normalen Börsentagen folgt er laut Risikodaten von JPMorgan dem S&P 500 fast im Gleichlauf. Die Kernfrage ist deshalb weniger, ob der ETF in jedem Jahr dauerhaft mehrere Prozentpunkte über dem Index liegt, sondern ob die Summe vieler kleiner Über- und Untergewichtungen langfristig einen messbaren Vorteil schafft.

Rendite- und Risikoverlauf zeigen dabei, wie stark der Fonds von den großen Makro- und Bewertungszyklen des US-Markts abhängt. Aus Euro-Sicht verlor der ETF 2022 zunächst 13,7 Prozent – als hohe Inflation und schnelle US-Zinserhöhungen Bewertungsdruck erzeugten, speziell in Technologie- und Wachstumswerten. 2023 drehte sich das Bild: Sinkende Inflationsraten, die Aussicht auf ein Ende der Zinsrally und der beginnende KI-Boom trugen zu einer Erholung bei, der ETF legte um 23,2 Prozent zu; 2024 fiel das Plus sogar auf 32,4 Prozent aus, während gleichzeitig Zinssenkungen begannen. Auch die Gewinnentwicklung liefert einen technischen Zusammenhang: Beim S&P 500 stieg das aggregierte Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahresquartal um mehr als 50 Prozent, wobei laut Quelle der Technologiesektor besonders stark war; zudem entfiel zuletzt etwa ein Drittel des EPS-Wachstums auf Unternehmen aus der KI-Infrastruktur. Genau daraus erklärt sich, warum der Fonds von der Dynamik rund um NVIDIA, Broadcom und Micron sowie weiteren großen Plattforminvestoren wie Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta profitieren kann.

Wichtig für die Einordnung ist schließlich die Erkenntnis zur Volatilität: Aktives Management verhindert keinen Markteinbruch. Die Volatilität lag über zwölf Monate bei 12,4 Prozent, über drei Jahre bei 15,6 Prozent und über fünf Jahre bei 17,7 Prozent. Im längeren Zeitraum steckt der Ausverkauf von 2022 ebenso drin wie der maximale Rückgang von zeitweise 22,8 Prozent in den vergangenen fünf Jahren; seit Auflage nennt die Quelle sogar einen maximalen Drawdown von 34,4 Prozent. Ein ähnliches Schicksal ist bei einem starken S&P-500-Absturz daher plausibel, weil der ETF selbst bei aktiver Auswahl eng am Benchmark bleibt. Für wen eignet sich das Produkt? Vor allem für Anleger, die den US-Markt als langfristigen Kernbaustein nutzen möchten, aber statt eines rein passiven S&P-500-ETFs den Versuch bevorzugen, durch viele kleine Entscheidungen entlang eines Research-Frameworks nach Kosten strukturiert einen Vorteil zu erzielen. Wer hingegen möglichst kostengünstig und ohne aktives Tuning am US-Aktienmarkt teilhaben will, findet klassischere Alternativen mit geringerer TER.


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