BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Nach Jahren mit teils deutlichen Preissprüngen sinken im Handel wieder die Preise für Markenkaffee. Lidl senkt Markenware laut Angaben bereits um bis zu 10 %, während Aldi Nord und Aldi Süd sowie weitere große Händler nachziehen. Für Verbraucher heißt das konkret: bekannte Packungsgrößen werden in mehreren Fällen von etwa 10,49 auf 9,99 Euro günstiger. Gleichzeitig bleibt das Preisniveau insgesamt über dem Niveau von 2020, weshalb die Entspannung eher als schrittweise Korrektur zu verstehen ist.

Nach der langen Phase spürbarer Verteuerungen kommt bei Kaffee nun wieder etwas Bewegung nach unten. Laut einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur reduzieren große Lebensmittelhändler die Preise für mehrere bekannte Marken. Besonders auffällig ist, dass die Senkungen nicht nur bei Eigenmarken stattfinden, sondern auch bei Produkten von Herstellern, die viele Haushalte täglich in den Einkaufswagen legen. In der Praxis bedeutet das: Wer bisher bei bestimmten Packungsgrößen „ausweichen“ musste, sieht nun wieder Spielräume bei den Endpreisen. Für den Handel ist das zugleich ein Test, wie stark Nachfrage und Wettbewerbsdynamik auf Kostensignale reagieren.
Konkrete Beispiele zeigen, wie schnell die Preisschraube drehen kann. Lidl hat nach eigenen Angaben bereits vor gut einer Woche Markenkaffee reduziert – je nach Produkt um bis zu 10 %. Jacobs Krönung in der 500-Gramm-Packung kostet demnach 9,99 Euro statt 10,49 Euro. Auch Dallmayr Prodomo ist betroffen. Bei Lavazza Crema e Aroma (1 Kilogramm) sinkt der Preis auf 19,99 Euro statt 20,99 Euro. Melitta BellaCrema fällt laut Angaben von 19,99 Euro auf 17,99 Euro. Dass unterschiedliche Ketten dieselben Endpreise nennen, deutet auf eine abgestimmte Kosten- und Handelslogik hin, nicht nur auf Zufallseffekte im lokalen Wettbewerb.
Neben Lidl passen auch andere große Player ihre Preislisten an. Kaufland hat die Preise für vergleichbare Produkte bundesweit angepasst und nennt dabei nach Angaben dieselben Endpreise. Aldi Nord und Aldi Süd haben zu Wochenbeginn ebenfalls dauerhaft Preise für bestimmte Marken gesenkt, unter anderem für Lavazza Crema e Aroma und Jacobs Krönung. Die Spannbreite macht deutlich, dass es sich nicht um eine einzelne Aktion handelt, sondern um eine Serie von Preisänderungen, die entlang der Lieferkette sichtbar wird. Gleichzeitig kündigen mehrere Händler weitere Anpassungen an, aber nicht immer mit vollständigen Produkt- und Preislappen. Rewe und Penny wollen die genannten Produkte anpassen; Edeka betont im Kontext, dass nach den bisherigen Eigenmarken-Rücknahmen weitere Reduzierungen folgen.
Warum sich der Preis bei Kaffee überhaupt so stark bewegt hat, liegt nicht primär im Handel, sondern in der Rohstoffwelt. In den vergangenen Jahren erlebten Kundinnen und Kunden immer wieder kräftige Preissprünge, vor allem getrieben durch höhere Rohstoffkosten nach schwachen Ernten. In der Branchenkommunikation rückten dabei wiederholt Wetterextreme in wichtigen Anbauländern in den Fokus, insbesondere Trockenheit und entsprechend niedrige Erträge – häufig mit Brasilien als zentralem Erzeugerland. Entsprechend folgte auf die teils deutlichen Aufschläge im Einzelhandel anschließend eine erste Gegenbewegung: Seit Herbst 2025 sanken Preise bei Eigenmarken wieder leicht, im Mai 2026 kamen weitere Abschläge bis zu 50 Cent je Packung hinzu. Die Logik dahinter: Der Markt preist Beschaffungskosten zeitversetzt in Ladenpreise ein.
Wichtig ist aber: Die Entspannung bedeutet nicht „zurück auf Null“. Selbst nach den jüngsten Rückgängen liegt das Preisniveau nach Angaben des Statistischen Bundesamts weiterhin deutlich über dem Wert von 2020. Genau deshalb reagiert der Markt aus Verbrauchersicht zweigeteilt: Einerseits wird Kaffee wieder erschwinglicher, andererseits bleiben Vergleichsrechnungen mit früheren Jahren schmerzhaft. Einzelne Discounter gehen dabei unterschiedliche Wege. Norma erklärte beispielsweise, keine weiteren Preissenkungen vorzunehmen und verweist auf eine Mitte Mai verkündete Preissenkung für Eigenmarken, die bis heute Bestand habe. Für die Praxis heißt das: Wer sparen will, muss nicht nur nach „Marke“ suchen, sondern auch die Preisstrategie der jeweiligen Kette mitdenken.
Aus Wettbewerbssicht ist diese Phase mehr als eine einfache Preisanpassung. Händler wie Lidl, Aldi und Kaufland senden Signale an mehrere Zielgruppen gleichzeitig: preisbewusste Haushalte, aber auch Markenaffine Kundinnen und Kunden, die bei früheren Sprüngen teilweise auf Eigenmarken oder andere Röstungen ausgewichen sind. Genau hier setzt das Timing an: Wenn Eigenmarken zuerst entlasten und Marken anschließend folgen, sinkt die Wahrscheinlichkeit von „dauerhaftem Umschwung“, weil Kundinnen und Kunden wieder leichter zu vertrauten Produkten zurückkehren. Experten rechnen in solchen Konstellationen häufig damit, dass sich die Preisfindung kurzfristig über Promotions und mittelfristig über Einkaufskonditionen stabilisiert, sofern die Erntesituation sich nicht erneut zuspitzt.
Für die nächsten Wochen dürfte entscheidend sein, ob die Kostenentlastung aus der Beschaffungsphase in den Regalen sichtbar bleibt. Sobald die Märkte für Rohkaffee erneut volatil werden, wirken Preissignale typischerweise wieder über Lieferverträge, Rohstoffderivate und Wechselkurse in den Handel zurück. Unternehmen und Einkäufer müssen deshalb eng zwischen kurzfristiger Konkurrenzfähigkeit und langfristiger Marge abwägen. Für Verbraucher bedeutet das: Die derzeitige Bewegung ist wahrscheinlich kein einmaliger „Abverkauf“, sondern eine schrittweise Korrektur. Wer gezielt einkauft, profitiert jetzt von konkreten Preisunterschieden bei Markenpackungen – sollte aber weiterhin Preisverläufe beobachten, weil das Niveau über 2020 bleibt und ein neuer Schub durch Ernte- oder Wetterrisiken jederzeit möglich ist.
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