LONDON (IT BOLTWISE) – Kalshi erweitert sein US-Angebot für Perpetual Futures um bitcoin-gestützte Margin-Kredite über eine Tri-Party-Struktur mit BitGo. Kunden können digitale Assets als Sicherheit hinterlegen und damit Positionen auf Kalshi-Perpetuals finanzieren, ohne ihre Krypto-Bestände zu verkaufen. Gleichzeitig sorgt ein Vertriebsabkommen mit Webull dafür, dass die Verträge über Webull-Nutzerkonten sichtbar werden. Unterm Strich zielt der Ausbau auf ein Segment, in dem Wettbewerber bisher stark über Offshore-Angebote und „Crypto-Whales“ dominierten.

Kalshi treibt seine Position als regulierter Handelsplatz für Krypto-Perpetuals in den USA sichtbar voran: Das Unternehmen koppelt neue bitcoin-gestützte Kreditmöglichkeiten an Perpetual-Futures und erweitert parallel den Vertrieb über Webull. Der Kern des Updates ist eine Struktur, die den klassischen Liquiditätsengpass für Trader adressiert, die ihre Positionen in Futures aufbauen wollen, aber die zugrunde liegenden Krypto-Bestände (z. B. Bitcoin) nicht verkaufen möchten. Damit wird aus einer reinen Handelsplattform zunehmend ein „Kapital-Zugangs-Stack“, in dem Verwahrung, Kreditvergabe und Derivate-Handel enger verzahnt sind.
Konkret sollen Kunden der US-Tochter Kalshi Prime, die als U.S.-registered Futures Commission Merchant auftritt, gegen digitale Assets Kredite aufnehmen können, die bei BitGo verwahrt werden. Die Tri-Party-Architektur sieht vor, dass die eigentliche Kreditvergabe durch eine Lending-Affiliate (Kalshi Katalyst) erfolgt und die Besicherung auf Assets basiert, die bei der federführenden Trust-Bank BitGo Bank & Trust liegen. Auf der Derivates-Seite werden die Perpetual-Contracts über die Hauptbörse gehandelt, die Clearing-Kette läuft dabei über Kalshi-eigene Clearing-Strukturen. Für die Praxis bedeutet das: Anstatt Kapital in fiatbasierte Margin zu überführen, bleibt es „digital asset-native“, während die Margin-Mechanik über geliehene Mittel bedient wird.
Als zulässige Sicherheiten werden im Rahmen des Produktdesigns unter anderem Bitcoin, Ethereum sowie Stablecoins genannt, sofern sie als compliant mit dem GENIUS Act eingestuft werden. Zusätzlich ist vorgesehen, dass weitere Custodians in das Netzwerk aufgenommen werden. Dass die Produktlogik explizit „krypto-nativen“ Tradern entgegenkommt, passt in ein Marktumfeld, in dem viele Marktteilnehmer aus regulatorischen Gründen derzeit weiterhin auf unregulierte Offshore-Perpetuals setzen. Der neue Kreditansatz soll hier eine Alternative schaffen, insbesondere für große Halter, die ihre Bestände nicht liquidieren wollen, und für Teams, die ihre operativen Budgets ohnehin in US-Dollar-Stablecoins führen.
Der Timing-Teil ist ebenso wichtig wie die Technik: Die BitGo-/Kreditankündigung kommt kurz nach der Meldung, dass Webull für berechtigte US-Kunden ab November den Handel mit Perpetual-Futures auf einer eigenen Plattform ermöglichen will. Startpunkt sollen laut Ankündigung bitcoinbezogene Kontrakte sowie weitere Krypto-Assets sein. Die Verträge sollen dabei über Kalshis regulierte Marktinfrastruktur laufen, also auf KalshiEX LLC mit CFTC-Regulierung, während die Clearing-Seite über Kalshi Klear LLC erfolgt. Zugänge werden zunächst an bestehende Webull-Futures-Kundenzulassungen gekoppelt; die breitere Verfügbarkeit ist bis vor Jahresende vorgesehen. Für Webull ist das ein nächster Ausbau einer Produktlinie, nachdem das Unternehmen in der Vergangenheit bereits mit regulierten Ablegern im Brokerage-Umfeld experimentierte.
Unternehmensseitig begründet Kalshi den Schritt auch mit einem strukturellen Nachteil gegenüber Polymarket, dem offshore verfügbaren Rivalen, der seit längerem stark auf Krypto-Whales und Trading-Firmen setzt, die Kapital lieber in digitalen Assets belassen. Nach Angaben aus der Branche bauen beide Plattformen seit dem Frühjahr ihre Perpetuals weiter aus. Dass nun zusätzliche „Finanzierungslogik“ über Kreditvergabe dazukommt, ist strategisch: Perpetuals sind nicht nur ein Produkt, sondern ein Ökosystem aus Margin, Hedging und Risikomanagement. Wenn ein regulierter Anbieter gleichzeitig sichere Verwahrung, kreditbasierte Liquidität und regulierte Execution bündelt, sinkt die Hürde für Nutzer, die bislang aus Praktikabilitäts- und Kapitalflussgründen bei Offshore-Strukturen bleiben.
Parallel verstärkt sich der politische und rechtliche Druck auf die Branche. So ist Utah laut dem Bericht über eine Klage gegen Kalshi vorgegangen, weil das Bundesland nach eigenen Angaben illegales Sports-Gambling vermutet. New York hat im letzten Monat ebenfalls ein ähnliches Vorgehen gegen Polymarket eingeleitet. Diese Verfahren dauern damit an; sie sind weniger eine technische Bremse als ein Risiko für die Wachstumsannahmen und die gesellschaftliche Akzeptanz. Für Kalshi bedeutet das: Jede neue Produktkomponente muss im operativen Alltag nicht nur regulatorisch „passend“ implementiert, sondern auch kommunikativ und prozessual sauber abgesichert sein, gerade wenn neue Finanzierungswege (wie Margin-Kredite) hinzukommen.
Technisch betrachtet verschiebt die neue Lösung den Fokus von „Nur-Handel“ hin zu einem integrierten Workflow aus Verwahrung, Kreditvergabe und Derivatezugang. Für Unternehmen und professionelle Trader ist das besonders relevant, weil die Kombination aus Sicherheitenmanagement, Clearing und Margin-Berechnung die gesamte Lieferkette der Handelsfähigkeit beeinflusst. Praktisch wird dadurch auch die Frage wichtiger, wie stabil die Kreditlinien in Marktphasen mit hoher Volatilität bleiben und wie eng Sicherheitenbewertung und Margin-Calls aneinander gekoppelt werden. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob Perpetuals in regulierten Umgebungen tatsächlich die gleiche Geschwindigkeit und Planbarkeit bieten können wie Offshore-Angebote – ohne dass Nutzer auf ihre bevorzugte Krypto-native Kapitalhaltung verzichten müssen.
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