ESSEN / BERLIN (IT BOLTWISE) – Stark Defence plant nach eigenen Angaben den Start der ersten Auslieferungen von Virtus-Kampfdrohnen an die Bundeswehr. Für die erste Charge nennt das Unternehmen einen Gesamtwert von 275 Millionen Euro, während die Stückzahl offen bleibt. Der Vertrag läuft im Rahmen eines großen Volumens über 2,9 Milliarden Euro, von dem der Bundestag bereits einen Teil freigegeben hat. Im Mittelpunkt steht eine Loitering-Munition, die Ziele sucht, zuschlägt und bei Bedarf mit definierter Logik in sicherer Entfernung explodieren soll.

Bei der Versorgung der Bundeswehr mit unbemannten Waffensystemen rückt der nächste Schritt in greifbare Nähe: Der Drohnenhersteller Stark Defence macht für eine bevorstehende Lieferung an die Bundeswehr konkrete Zeitansagen. In Berlin kündigte der Senior Vice President Josef Kranawetvogl an, man wolle „bald mit der ersten Auslieferung“ beginnen. Laut den Angaben dreht sich dabei um eine Charge von insgesamt 275 Millionen Euro, die im Kontext eines deutlich größeren Rahmenvertrags steht. Die Stückzahl nennt Stark Defence hingegen nicht, was in solchen Beschaffungsfällen häufig darauf hindeutet, dass die finalen Liefer- und Abnahmeschritte noch über mehrere Meilensteine verteilt werden.
Technisch ordnet sich das Vorhaben in den Bereich der „Loitering Munition“ ein, die im Alltag auch als Kamikaze-Drohne beschrieben wird. Der Kern dieser Kategorie liegt darin, dass das System nicht wie klassische Munition nur „einmal“ fliegt, sondern zunächst in der Zielregion verweilt, senkt, sucht und dann gezielt einsetzt. Für das von Stark Defence gelieferte Modell Virtus nennt das Unternehmen Leistungsdaten, nach denen die Drohne Herstellerangaben zufolge bis zu 75 Minuten in der Luft bleiben kann und bis zu 130 Kilometer weit fliegen soll. Spätestens dann soll sie sich auf den Feind stürzen und explodieren; erkennt das System bis dahin kein Ziel, ist ein Defensiv- beziehungsweise Sicherheitsmodus vorgesehen, bei dem sie abstürzen und explodieren soll, „wo niemand ist“.
Für Betreiber in der Truppe ist nicht nur die Flugzeit entscheidend, sondern auch die praktische Einbettung in Aufklärungsketten und den Ressourcenhaushalt. Kranawetvogl beschreibt den Einsatz als Ergänzung zu schweren Kräften, also nicht als Ersatz für Panzer und Artillerie, sondern als zusätzliches Werkzeug, um Lücken im Gefechtsbild schneller zu schließen. Seine Argumentation setzt dabei auf KI-gestützte Bedienkonzepte: Ein Operator könne mit softwareunterstützten KI-Mechanismen mehrere Drohnen steuern, während der Mensch die Kontrolle behält. Damit verschiebt sich die Frage von „wie viele Systeme kann eine Person physisch bedienen“ hin zu „wie gut automatisiert die Software wiederkehrende Entscheidungen“, etwa bei der Auswertung von Kamerabildern und der Übergabe von Zielinformationen. Dass Virtus mit zwei Kameras ausgestattet ist und zudem mit Aufklärungsdrohnen gekoppelt werden kann, zielt genau auf diese Kette vom Sensor zum Effekt.
Am Beschaffungsvolumen lässt sich der strategische Hintergrund ablesen: Stark Defence erhielt einen Rahmenvertrag über 2,9 Milliarden Euro, wobei für eine Milliarde davon bereits grünes Licht durch den Bundestag vorliegt. Neben Stark Defence sollen auch Wettbewerber wie Helsing und Rheinmetall milliardenschwere Verträge erhalten haben. Für den Markt bedeutet das weniger eine einzelne Produktentscheidung als vielmehr eine Verstetigung der Nachfrage nach unbemannten Systemen, die sich sowohl auf die Kernkomponente „Drohne“ als auch auf Zuliefer- und Integrationsleistungen entlang der Einsatzkette auswirkt. Dazu passt, dass Stark Defence als 2024 gegründetes Startup mit 750 Beschäftigten startet, aber Produktions- und Fertigungsstandorte in mehreren Ländern nennt – ein Muster, das in der europäischen Rüstungsindustrie zunehmend relevant wird, wenn Lieferfähigkeit, Ersatzteilversorgung und schnelle Skalierung zusammenkommen.
Stark Defence verknüpft die Entwicklung zusätzlich mit dem laufenden Kriegseinsatz: Die Virtus-Drohne soll bereits in der Ukraine verwendet werden; im Raum Kiew werden laut den Angaben zwei weitere Werke betrieben, allerdings ohne genaue Standortdetails. Neben Deutschland und der Ukraine nennt das Unternehmen weitere europäische Staaten als Kunden. Gleichzeitig geht das Unternehmen bei wirtschaftlichen Kennzahlen nicht ins Detail, also keine Angaben zu Umsatz und Ergebnis. Operativ wird die erste Drohnen-Charge nach Litauen adressiert, wo eine deutsche Brigade stationiert ist; dort sollen die Systeme laut Plan auch bei einer Nato-Übung im November eingesetzt werden. Für Übungen ohne Sprengstoff wird dann ein realistischerer Abgleich möglich, etwa bei Flugprofilen und Prozeduren, ohne dass die Gefechtslogik die Risikoabschätzung dominiert.
Parallel zur Bundeswehr-Beschaffung zeigt ein zweiter Strang, wohin die Entwicklung im Drohnenbereich geht: United Unmanned Systems (UUS) kündigt eine Partnerschaft mit einem estnisch-ukrainischen KI-Spezialisten namens DOD Solution an. Ziel ist es, Drohnen mit Software so auszustatten, dass sie automatisch Ziele erfassen und weitere Funktionen ausführen können. Besonders praxisnah klingt der Ansatz, dass die Drohne nicht ständig in der Luft vorpositioniert sein muss, sondern am Boden aktiviert wird und erst bei Annäherung eines feindlichen Fahrzeugs in den Einsatzmodus wechselt. UUS berichtet, bereits mehr als 10.000 Drohnen in die Ukraine geliefert zu haben; produziert werde dort. Für UUS gehören zu den drei Drohnentypen unter anderem Abfangjäger, Systeme zum Bombenabwurf und Kamikaze-Varianten auf Bodenziele – damit entsteht eine Palette, die die KI nicht nur als „Upgrade“ für einzelne Funktionen, sondern als Scharnier zwischen Sensorik, Entscheidung und Effektor versteht.
Für Unternehmen, die an KI-gestützten Systemen oder an der Integration von Sensor- und Funktionsketten beteiligt sind, steckt in beiden Meldungen eine klare Implikation: Der Engpass wandert vom reinen Fluggerät hin zur Software, zur Prozesskette und zur sicheren Betriebslogik. Wenn ein Operator mehrere Drohnen gleichzeitig mit KI-gestützter Assistenz steuern soll, steigen die Anforderungen an Datenflüsse, an Verantwortungsabgrenzungen und an die Robustheit der Zielerkennung. Gleichzeitig zeigt die Marktseite, dass diese Systeme nicht nur im Experimentierstadium existieren, sondern in Rahmenverträgen mit Milliardenvolumen und in parallelen Partnerschaftsmodellen weiter industrialisiert werden. Die kommenden Monate dürften damit weniger von „Demo-Features“ geprägt sein, sondern von Fragen wie Abnahme, Trainingsumfang, Wartungsprozesse und der realen Latenz zwischen Aufklärung, KI-Entscheidung und Start des Effektorkopfs.
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