LONDON (IT BOLTWISE) – Die Bundesregierung plant mit der Kapitalrente ab 2028 eine neue kapitalmarktbasierte Säule in der Altersvorsorge. Der Beitragssatz soll schrittweise von 0,5 Prozent (2028) auf 2 Prozent (2031) steigen. Gleichzeitig zeigen Befragungen, dass in vielen Betrieben die bAV, der Unfallschutz und die Kranken- oder Berufsunfähigkeitsabsicherung bislang nur selten angeboten oder genutzt werden. Für KMU entsteht damit ein enger Zeitplan, um Angebote attraktiver zu machen und Beschäftigte besser zu binden.

Kapitalrente ab 2028: Was KMU bei bAV, bKV und bBU jetzt umsetzen müssen
Kapitalrente ab 2028: Was KMU bei bAV, bKV und bBU jetzt umsetzen müssen (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Diskussion um die Altersvorsorge bekommt ab 2028 eine konkrete technische und steuerliche Dimension: Die Bundesregierung will mit der Kapitalrente das Rentensystem strukturell erweitern. Startpunkt ist 2028, danach folgt eine stufenweise Erhöhung des Beitragssatzes von 0,5 Prozent bis auf 2 Prozent im Jahr 2031. Für Unternehmen bedeutet das nicht nur, dass ein weiteres Versorgungselement hinzukommt, sondern dass sich die Erwartung an betriebliche Bausteine verschiebt: Beschäftigte vergleichen stärker, was sie heute im Betrieb mitnehmen können, und was ihnen später durch staatlich organisierte Rentenanteile fehlt. Genau dort, so lässt sich die Studie der Continentale-Versicherung einordnen, klafft derzeit eine Lücke zwischen dem tatsächlichen Bedarf und dem, was in Betrieben tatsächlich verfügbar ist.

Dass diese Lücke real ist, zeigt die Größenordnung: Nur 37 Prozent der Beschäftigten verfügen demnach über eine betriebliche Altersversorgung (bAV). Bei ergänzenden Bausteinen wird es noch deutlicher. Lediglich 13 Prozent nutzen einen betrieblichen Unfallschutz, 11 Prozent eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) und 8 Prozent eine betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung (bBU). Der Unterschied ist nicht nur statistisch relevant, sondern wirkt sich im Arbeitsalltag aus: Wer keinen betrieblichen Absicherungsmechanismus hat, kann im Lebensverlauf nicht auf einen bereits verhandelten und eingespielten Schutz zurückgreifen. Besonders scharf ist das Thema laut Bericht bei kleinen und mittleren Unternehmen, weil dort häufig weniger Spielraum für passgenaue Tarifmodelle, Beratung und administrative Prozesse vorhanden ist. Dazu passt auch das in der Untersuchung anklingende Problem, dass viele Beschäftigte offenbar nicht einmal zuverlässig wissen, ob ihr Arbeitgeber Vorsorgemodelle anbietet.

Technisch und organisatorisch verlagert sich damit der Schwerpunkt auf die Ausgestaltung von bAV, bKV und bBU. Eine bAV ist im Kern ein Mechanismus, bei dem betriebliche Leistungen in ein Versorgungssystem eingebunden werden; bKV und bBU ergänzen dagegen stärker die Absicherung von Risiken, die in der Erwerbsphase auftreten können. In der Praxis ist die Hürde für KMU oft zweifach: erstens fehlt ein durchgängiges Kommunikations- und Antragskonzept, das Beschäftigte verständlich abholt, und zweitens ist die Einbindung in HR-Workflows, Lohn- und Gehaltsabrechnung sowie Anbieterprozesse komplexer als es auf den ersten Blick wirkt. Wenn Beschäftigte nicht wissen, ob es im Unternehmen überhaupt Optionen gibt, verschenkt der Betrieb nicht nur Zugangsquoten, sondern auch ein Element der Bindung, das bei Fachkräftemangel besonders wertvoll sein kann. Die Personalbindung hängt dann nicht allein an Gehaltshöhe, sondern auch an der wahrgenommenen Sicherheit im Falle von Krankheit, Unfall oder Erwerbsminderung.

In den politischen Rahmenbedingungen steckt zudem ein möglicher zusätzlicher Impuls für bKV: Die Quelle nennt regulatorische Änderungen, konkret etwa eine geplante Reform der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die der betrieblichen Krankenversicherung künftig Auftrieb geben könnte. Das ist zunächst keine Garantie, aber es verschiebt die Planungslogik von Unternehmen. Wenn sich die Erwartung an ergänzende Absicherungen erhöht, steigt auch der Druck, dass betriebliche Lösungen nicht als Randthema behandelt werden. Hinzu kommt der zeitliche Takt: Die vollständigen Ergebnisse der Untersuchungsreihe sollen im September 2026 veröffentlicht werden, während eine entsprechende gesetzliche Reform für den Herbst 2026 angestrebt ist. Für KMU heißt das: Wer erst kurz vor dem Start der Kapitalrente 2028 reagiert, sitzt womöglich in der letzten Minute auf einer Produktpalette, die organisatorisch und kommunikativ nicht mehr sauber eingepasst werden kann.

Parallel dazu bleibt das wirtschaftliche Umfeld anspruchsvoll. Die Bundesbank prognostiziert für das zweite Quartal 2026 ein leichtes BIP-Plus von 0,1 Prozent. Für die Inflationslage nennt die Quelle 2,3 Prozent im Juni und verweist darauf, dass mit steigenden Raten gerechnet wird, weil Sondereffekte wie der Tankrabatt auslaufen. Solche Rahmenbedingungen sind für betriebliche Versorgungskonzepte relevant, weil sie Entscheidungen über Budget, Arbeitgeberanteile und auch die Zahlungsbereitschaft der Beschäftigten beeinflussen. Wer in einem Umfeld steigender Preise Angebote nur als „Nice to have“ vermarktet, riskiert geringe Teilnahmequoten. Umgekehrt kann eine gut strukturierte bKV oder bBU für viele Beschäftigte gerade dann an Attraktivität gewinnen, wenn die private Vorsorge unter Druck gerät. Dass die Kapitalrente gleichzeitig das System in Richtung kapitalmarktbasierter Beiträge erweitert, verstärkt zudem das Bedürfnis nach Transparenz, wie sich Vorsorge über die Zeit entwickelt.

Auf der Kapitalmarktseite liefert die Quelle zwei Perspektiven, die sich indirekt auch auf Unternehmensentscheidungen übertragen lassen. Erstens fokussieren Anleger zunehmend große Unternehmen mit stabilen Cashflows; als Beispiel nennt die Quelle BASF mit einem Aktienrückkaufprogramm über eine Milliarde Euro bis Frühjahr 2027 sowie RWE, dessen Prognosen für 2026 und 2027 angehoben worden seien. Zweitens ordnet die Bessembinder-Studie, die Daten seit 1926 auswertet, ein, dass nur ein sehr kleiner Teil börsennotierter Unternehmen für den langfristigen Vermögenszuwachs verantwortlich ist. Für die Praxis ergibt sich daraus kein „Bauplan“ für eine konkrete Anlageentscheidung, aber eine wichtige Kommunikationsdimension: Wenn später mehr Kapitalrentenanteile und Vorsorgediskussionen zusammenlaufen, wird der Ton in Unternehmen entscheidend sein. Der bAV-Report, den die Quelle in Aussicht stellt, dürfte genau deshalb auf Umsetzungshebel abzielen: nicht nur auf Produktwahl, sondern auf Prozessdesign, Wissensvermittlung und die Frage, wie sich Vorsorgeangebote im Unternehmen so integrieren lassen, dass sie im Alltag tatsächlich verstanden und genutzt werden. Und auch wenn betriebliche Versorgung und Kapitalmarktbezug getrennt zu betrachten sind, müssen HR und Geschäftsführung die Botschaft konsistent führen – insbesondere, wenn sich die regulatorischen Zeitpunkte auf Herbst 2026 und den Start 2028 verengen.


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