LONDON (IT BOLTWISE) – Sicherheitsberichte zeigen eine deutliche Lücke zwischen dem schnellen Einsatz von KI-Agenten und belastbaren Governance-Regeln. In einer Erhebung verfügen aktuell nur 13 Prozent der Organisationen über etablierte Strukturen für diese Technologie. Genannt werden vor allem Risiken durch manipulierte Komponenten, Prompt Injection und Data Poisoning. Gleichzeitig steigt die Zahl der KI-Pakete in Cloud-Workloads laut Sysdig zwischen 2024 und 2025 um fast 500 Prozent.

KI-Agenten im Unternehmen: Nur 13% haben Governance-Standards
KI-Agenten im Unternehmen: Nur 13% haben Governance-Standards (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Engpass ist weniger die Modellleistung als die Kontrolle im Betrieb: Während KI-Agenten immer häufiger in Unternehmensprozesse wandern, bleiben Governance- und Sicherheitsmechanismen in vielen Organisationen unterdimensioniert. Im Umfeld externer KI-Agenten mahnt der Sicherheitsdienstleister KnowBe4 die Notwendigkeit verifizierbarer Identitäten und einer automatisierten Governance-Logik an. Dr. Kawin Boonyapredee, CISO Advisor bei KnowBe4, verweist dabei auf konkrete Angriffsflächen, die im Agentenbetrieb besonders schnell wirksam werden können: manipulierte Komponenten, Prompt Injection und Data Poisoning. Letzteres beschreibt den Prozess, bei dem schadhafte Daten aus öffentlichen Repositorien in Lernmodelle einfließen und so die spätere Ausgabe beeinflussen können.

Technisch verschärft sich das Problem durch die Art, wie KI in Cloud-Umgebungen zusammengesetzt wird. Laut Daten des Sicherheitsunternehmens Sysdig nahmen KI-Pakete in Cloud-Workloads zwischen 2024 und 2025 um fast 500 Prozent zu. Diese Zunahme bedeutet in der Praxis: Mehr Container, mehr Bibliotheken, mehr Integrationen und mehr Interaktionspunkte zwischen KI-Komponenten und bestehenden Unternehmenssystemen. Damit steigt nicht nur die Angriffsoberfläche, sondern auch der Bedarf an Echtzeit-Erkennung von Bedrohungen. Emanuela Zaccone von Sysdig stellt daher heraus, dass Least-Privilege-Prinzipien und Zero-Trust-Architekturen für KI-Anwendungen in der Cloud konsequent umgesetzt werden müssen – insbesondere dann, wenn Agents innerhalb von Workspaces laufen und auf unterschiedliche Services zugreifen.

Die Größenordnung der Umstellung wird durch Prognosen zusätzlich unterfüttert. IDC rechnet bis 2028 weltweit mit 1,3 Milliarden KI-Agenten; das damit verbundene Datenvolumen soll auf 527 Zettabyte ansteigen. In so einer Größenordnung geraten Sicherheitskonzepte, die nur für einzelne Pilotprojekte ausgelegt sind, schnell an ihre Grenzen. Der EU AI Act schafft zwar einen rechtlichen Rahmen zur Klassifizierung von Risiken, doch die organisatorische Umsetzung ist für viele Betriebe noch nicht „out of the box“ möglich. Auch staatliche Stellen setzen daher eigene Akzente: So veröffentlichte Singapur Anfang August 2026 spezielle SAFR-Richtlinien für den sicheren Umgang mit KI-Agenten. Für Unternehmen heißt das im Kern, dass Governance nicht nur ein Dokumentationsprojekt sein darf, sondern sich in Identitätsmanagement, Zugriffskontrolle, Monitoring und nachvollziehbaren Prozessen widerspiegeln muss.

Genau hier zeigt sich die Diskrepanz zwischen Einführung und regulatorischer Kontrolle. SAP LeanIX ermittelte, dass bereits 98 Prozent der Unternehmen KI-Agenten eingeführt haben oder derzeit planen. Gleichzeitig nennt die Quelle eine harte Lücke: Aktuell verfügen lediglich 13 Prozent über etablierte Governance-Strukturen für diese Technologie. Das bedeutet, dass „Agent Sprawl“ – also eine unkontrollierte Ausbreitung von KI-Programmen – nicht nur ein organisatorisches Risiko ist, sondern schnell auch technische Konsequenzen nach sich zieht. Wenn Agents unterschiedliche Rechte erben oder wiederverwenden, kann eine einzelne unzureichend gepflegte Berechtigung später als Scharnier für Datenabfluss oder Manipulation dienen. Im Umfeld von Microsoft-Anwendungen wie Copilot wird diese Gefahr besonders greifbar: Laut Experten ist Vorsicht geboten, weil solche Systeme bestehende Nutzerrechte übernehmen. Entsprechend braucht es eine saubere Pflege der Berechtigungen und den Einsatz von Tools zur Data Loss Prevention.

Für die praktische Umsetzung im Mittelstand werden die Leitplanken noch greifbarer, wenn man sie in operative Sicherheitskontrollen übersetzt. Jens Büscher, CEO von Amagno, formuliert dafür mehrere Anforderungen, die sich an den typischen Schwachstellen im Agentenbetrieb ausrichten: Begrenzung des Datenraums, strikte Berechtigungskontrollen, gekapselte Umgebungen sowie ein konsequenter Quellenbezug der KI-Antworten. Ergänzend nennt er eine abschließende menschliche Validierung – also einen Prüfmechanismus, der nicht nur fachliche Qualität, sondern auch Sicherheits- und Plausibilitätskriterien abdeckt. Praktisch sollte ein Dokumentenmanagementsystem (DMS) als Kontrollinstanz vor die KI geschaltet werden: So lässt sich der Zugriff auf relevante Inhalte stärker steuern und die Wahrscheinlichkeit reduzieren, dass Agents unpassende oder nicht freigegebene Dokumente verarbeiten. Damit verschiebt sich die Verantwortung von „Prompting allein“ hin zu kontrollierten Datenflüssen.

Neben den genannten Angriffsvektoren rücken auch neue Einfallstore für Cyberkriminelle in den Fokus – weil KI-Infrastrukturen zunehmend wie „normale“ Softwarebausteine behandelt werden. In solchen Umgebungen reichen bereits kompromittierte Prompts, manipulierte Datensätze oder falsch konfigurierte Rechte, um Prozesse zu stören oder Informationen zu exfiltrieren. Dass KI im Kundenkontakt bereits funktioniert, zeigt das Beispiel der Witt-Gruppe: Ein Voicebot im Kundenservice wird dort genutzt, allerdings mit der Betonung auf klar definierte Rollen, feste Übergabepunkte zwischen Maschine und Mensch sowie verlässliche Kontrollinstanzen. KnowBe4 empfiehlt als nächsten Schritt zudem, eingesetzte KI-Systeme umgehend zu inventarisieren und die Belegschaft umfassend zu schulen – denn Sicherheit scheitert in der Praxis häufig an fehlerhaften Workflows, nicht an fehlenden Werkzeugen. Für kritische Aktionen muss außerdem das Prinzip „Human in the Loop“ gewahrt bleiben, damit automatisierte Fehlentscheidungen oder Sicherheitsbrüche durch autonome Agenten nicht unkontrolliert eskalieren. Der wirtschaftliche Effekt dieser Maßnahmen ist dabei nicht nur Risikoreduktion: Sie schafft auch die Voraussetzungen, dass sich KI-Agenten zuverlässig in bestehende IT- und Prozesslandschaften integrieren lassen, ohne dass jede Erweiterung wieder bei null startet.


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