LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Befragung in Deutschland zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Generationen: 27 Prozent der Gen Z geben an, ihre Arbeit ohne KI-Tools nicht erledigen zu können. Bei Millennials sind es 22 Prozent, bei Gen X 16 Prozent und bei Babyboomern 10 Prozent. Über alle Altersgruppen hinweg liegt der Wert bei 19 Prozent. Die Daten unterstreichen, wie schnell KI vom Extra zum Arbeitswerkzeug wird.

Wenn KI im Job zu einem „Must-have“ wird, dann zeigt sich das selten gleichmäßig über alle Altersgruppen. Eine Befragung des Personaldienstleisters Randstad Deutschland ordnet die Nutzung in einer klaren Staffelung ein: Für 2026 geben 27 Prozent der Beschäftigten aus der Gen Z an, ihren aktuellen Job ohne KI-Tools nicht erledigen zu können. Bei den Millennials sinkt der Anteil auf 22 Prozent, bei der Generation X auf 16 Prozent und bei den Babyboomern auf 10 Prozent. Über alle Altersgruppen hinweg liegt der Wert in Deutschland bei 19 Prozent. Damit wird eine Entwicklung sichtbar, die viele Unternehmen aus dem Arbeitsalltag kennen: KI ist nicht mehr nur ein Experimentierfeld, sondern zunehmend Bestandteil von Routinen.
Die eigentliche Veränderung liegt dabei weniger in der generellen Akzeptanz, sondern in der Rolle, die KI im Tagesgeschäft übernimmt. Susanne Wißfeld, Geschäftsführerin von Business Innovation & Concepts bei Randstad Deutschland, erklärt den Effekt mit dem digitalen Aufwachsen jüngerer Jahrgänge: Wer mit modernen Technologien sozialisiert ist, integriert neue Anwendungen oft schneller und intensiver in den Arbeitsprozess. Diese Beobachtung lässt sich technisch denken: KI-gestützte Funktionen passen sich nicht nur an einzelne Aufgaben an, sondern an bestehende Workflows, etwa über Assistenzfunktionen in Anwendungen, Such- und Textsysteme oder automatisierte Auswertungsschritte, die Zeit sparen. So entsteht der Eindruck, dass KI „zwingend“ wird, obwohl häufig eine schrittweise Substitution einzelner Teilarbeiten stattfindet.
Auch die Erwartungshaltung zur zukünftigen Durchdringung fällt in der Quelle nicht klein aus. Peter Buxmann, KI-Forscher, rechnet damit, dass KI schon bald genauso selbstverständlich zum Alltag gehört wie das Internet. Entscheidender Hebel seien dabei Berufsbilder, deren Ergebnisse sich digital erstellen und formalisieren lassen, etwa durch Text-, Bild- oder Datenerzeugung. Genau dort wirkt KI häufig als Basisschicht über viele Tools hinweg: Modelle werten Informationen aus, reduzieren Such- und Schreibaufwand oder strukturieren Inhalte so, dass Beschäftigte schneller zu verwertbaren Ergebnissen kommen. Der Satz „Wie Jobs ohne Computer undenkbar erscheinen, werden auch einige Jobs ohne KI nicht mehr erledigt werden können“ bringt dieses Muster auf den Punkt: Nicht der komplette Job verschwindet, sondern die Abhängigkeit von KI-Funktionen steigt.
Spannend ist neben der technischen Dimension auch der internationale Marktvergleich, weil er zeigt, wie unterschiedlich schnell Organisationen KI in Prozesse überführen. Laut der Randstad-Befragung liegt Deutschland mit 19 Prozent knapp vor Frankreich und Tschechien (je 18 Prozent). Dagegen melden Polen 30 Prozent, Norwegen 31 Prozent, die Schweiz 40 Prozent und Luxemburg 41 Prozent; Indien erreicht in der Statistik sogar 48 Prozent. Der Befund legt nahe, dass nicht allein die Verfügbarkeit von KI-Tools zählt, sondern auch Rahmenbedingungen wie Qualifizierungsangebote, betriebliche Einführungspfade und die Bereitschaft, neue Automatisierungsgrade in den Alltag zu integrieren. Wo Unternehmen KI früh einführen, entstehen zudem schnell „Referenzanwendungen“: Mitarbeitende übernehmen die Vorgehensweisen, und die Hürde, KI wieder aus dem Prozess zu entfernen, wird kleiner.
Die Kehrseite wird in der Quelle ebenfalls deutlich: Wo KI stark in Aufgaben eingreift, wächst die Sorge vor Jobverlust. Für Indien wird berichtet, dass insbesondere die junge Generation Angst vor dem Verlust von Tätigkeiten entwickelt, weil KI vor allem in der IT-Branche viele Aufgaben übernehmen könnte. Der dahinterliegende Mechanismus ist plausibel: Wenn KI nicht nur assistiert, sondern bestimmte Teile standardisiert automatisiert, werden Kompetenzen, die bislang über Erfahrung und Routine den Unterschied machten, teilweise neu gewichtet. Zugleich wird in der Quelle betont, dass das nicht automatisch das Ende menschlicher Arbeit bedeutet. Susanne Wißfeld argumentiert vielmehr, dass „entscheidend ist, wie menschliche Fähigkeiten, die nicht durch KI ersetzt werden können, mit den Möglichkeiten der Technologie zusammenwirken“. Für Unternehmen übersetzt sich das in eine konkrete Frage: Welche Teile eines Prozesses bleiben menschlich – etwa Verantwortung, Kundenbezug, ethische Abwägung, fachliche Endkontrolle – und wie werden sie mit KI-Schritten gekoppelt, statt ihnen einfach „Zeit zu nehmen“.
Gerade wirtschaftlich relevant ist das Lohnrisiko, das in der Quelle als zentrale Befürchtung genannt wird. Laut einer ifo-Umfrage erwarten 40 bis 50 Prozent der rund 3000 befragten Unternehmen sinkende Gehälter, besonders bei Berufseinsteigern mit Fach- oder Hochschulabschluss. Ebenso gelten Beschäftigte ohne akademischen Abschluss als potenziell gefährdet, während die Quelle steigende Löhne vor allem für erfahrene Hochschulabsolventen erwartet. Der Kernpunkt dahinter ist weniger ein pauschaler Arbeitsplatzabbau, sondern eine Verhandlungsmacht-verschiebung: Wenn KI standardisierte Tätigkeiten günstiger und schneller ausführt, sinkt der Preis für „ausführende“ Rollenanteile, während „koordinierende“ und „qualitätsverantwortliche“ Tätigkeiten aufgewertet werden. Besonders betroffen könnten Berufe sein, in denen KI stark zum Einsatz kommt, etwa in der IT, in der Unternehmensorganisation sowie bei unternehmensnahen Dienstleistungen.
Für die Praxis ergibt sich daraus ein zweistufiger Handlungsdruck. Einerseits sollten Unternehmen KI nicht nur als Tool-Pool betrachten, sondern als Bestandteil eines Produktivitäts- und Kompetenzmodells: Welche Aufgaben werden konkret beschleunigt, welche Output-Qualität muss dennoch menschlich geprüft werden, und wie werden Teams auf neue Rollenprofile vorbereitet? Andererseits sollten HR- und Vergütungslogiken die neue Arbeitsteilung abbilden, statt sie erst dann nachzuziehen, wenn echte Lohnunterschiede sichtbar werden. Wenn 27 Prozent der Gen Z KI als Voraussetzung für ihre Arbeit ansehen, heißt das für Personalplanung und Training: Die Nachfrage nach KI-nativen Kompetenzen wächst schneller als die klassischen Karrierepfade. Wer diese Lücke früh schließt, kann KI nicht nur effizient einsetzen, sondern auch als Instrument für Qualifizierung und Job-Reskilling nutzen.
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