HERCULANEUM / LONDON (IT BOLTWISE) – Forschende haben einen fast vollständig verbrannten Papyrus aus dem Umfeld des Vesuvausbruchs mit Künstlicher Intelligenz nahezu vollständig virtuell entrollt und gelesen. Das Fragment PHerc 1667 enthält offenbar stoische Gedanken zu Ethik, Impuls und praktischer Weisheit. Damit verschiebt sich der Fokus des Projekts von reiner Entziffer-Technik hin zur wissenschaftlichen Interpretation. Für das Feld der KI-gestützten Bildanalyse bedeutet der Erfolg: selbst extrem beschädigte Artefakte können wieder lesbar werden.

In einer Ecke der archäologischen Forschung, die lange nach „Unlesbarkeit“ roch, liefert das Herculaneum-Projekt jetzt einen messbaren Durchbruch: Ein Papyrus, der beim Ausbruch des Vesuvs vor nahezu 2.000 Jahren verbrannt wurde, ist mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz praktisch entrollt und gelesen worden. Konkret geht es um das Fragment PHerc 1667, das aus den sogenannten Herculaneum Scrolls stammt. Diese Handschriften wurden durch Hitze zerstört und anschließend unter Asche begraben; viele waren so beschädigt, dass frühere Entrollversuche die äußeren Schichten weiter zerstörten.
Die Forschenden berichten, dass sie bislang verborgene Textspuren in 20 Spalten freilegen konnten, ohne das Objekt physisch zu entrollen. Stattdessen nutzte man KI-gestützte Auswertungen hochauflösender Röntgenbilder, um Muster in den Papyrusfasern zu erkennen, die durch das Brennen entstanden sind. Dabei bleibt das physische Artefakt winzig: Es misst nur rund 8 cm in der Höhe und etwa 2 cm in der Breite, nachdem der Scroll im Laufe der historischen Behandlung irgendwann in der Mitte zerbrach. Der technische Knackpunkt ist, dass sich die virtuelle Entfaltung aus Bildsignalen ableitet, die bis in die Lage von Faserstrukturen reichen.
Historisch knüpft das Ergebnis an eine jahrzehntelange Suche nach Methoden an, die „toten“ Bücher der Vulkankatastrophe ohne zusätzliche Zerstörung lesbar machen. Lange dominierten konservatorische Ansätze, bei denen man möglichst wenig mechanisch eingriff. Der Fortschritt kam, als sich Machine-Learning-Modelle auf das konkrete Problem einstellten: unterschiedliche chemische und mechanische Veränderungen in den Papierlagen sichtbar zu machen. Prof. Brent Seales, Informatiker an der University of Kentucky, etablierte dafür einen Trainingsansatz, bei dem Algorithmen lernen, subtile Unterschiede in X-ray-Daten entlang der Faserstruktur zu interpretieren. Der Vesuvius Challenge-Ansatz (gestartet 2023) hat diese Ideen in eine Wettbewerbslogik überführt und Teams Ressourcen gegeben, um die Modelle systematisch zu verbessern.
Der neue gelesene Inhalt ordnet sich in den stoischen Diskurs ein. Analysen deuten darauf hin, dass der Text sich mit Ethik, Kunst und menschlichem Verhalten beschäftigt und Konzepte wie „hormê“ (Impuls) sowie „phronêsis“ (praktische Weisheit) behandelt. Im Text wird gewarnt, dass man Verhalten nicht allein durch Impulse steuern sollte, sondern mit Vernunft regulieren muss, um schädliche Leidenschaften und eine Abweichung von den eigenen Zielen zu vermeiden. Solche inhaltlichen Schichten sind für die Wissenschaft entscheidend, denn sie bestimmen, ob ein Werk einem Autor, einer Schule oder einem Kontext zugeordnet werden kann.
Für die Einordnung spielt auch die Datierung eine Rolle: Das Alter des Scrolls, PHerc 1667, ordnet ihn in das zweite oder späte dritte Jahrhundert vor Christus ein. Damit wird es wahrscheinlicher, dass ein früher stoischer Denker im Zentrum steht; die Forschenden nennen als Option den Philosophen Chrysippus, der als dritter Kopf der stoischen Schule gilt. Zusätzlich taucht die Figur Aristocreon auf, bezeichnet als Neffe und Schüler von Chrysippus. Das ist ein Beispiel dafür, wie KI-gestützte Bildrekonstruktion unmittelbar in der Geisteswissenschaft anschlägt: Wenn die Lesung stimmt, wird die Hypothese zum Autor nicht mehr nur spekulativ, sondern empirisch anschlussfähig.
Auch auf der Markt- und Wettbewerbsseite zeigt sich, dass der Vesuvius Challenge nicht im luftleeren Raum entstanden ist. In ähnlichen Initiativen wird Künstliche Intelligenz eingesetzt, um verblasste oder verdeckte Schriften aus Bilddaten zu rekonstruieren, etwa durch Bildenhancement und strukturbasierte Entzifferung in der digitalen Denkmalpflege. Experten vergleichen solche Ansätze häufig mit Fortschritten aus dem Umfeld der Computer Vision, wie sie Unternehmen aus der KI-Industrie bereits für Scans, Qualitätskontrolle und Klassifikation nutzen. Entscheidend ist aber die Spezialisierung: Beim Lesen verkohlter Papyrusschichten reichen Standardmodelle nicht aus, weil die Daten durch Hitze, Risse und Disintegration „anders“ aussehen. Das Wettbewerbskonzept zwingt Teams, genau diese Lücke zu schließen.
Ein besonders klares Signal liefert die Projektdynamik von Seales selbst: Er beschreibt, dass der technische Teil inzwischen weitgehend beherrscht werde und nun vor allem die inhaltliche Forschung im Mittelpunkt stehe. Das entspricht auch dem typischen Reifegrad technisch anspruchsvoller KI-Projekte: Zuerst entsteht ein funktionierendes Pipeline-Setup aus Röntgenaufnahme, Datenaufbereitung, Modelltraining und virtueller Entfaltung. Danach verschiebt sich die Arbeit Richtung Validierung, Quellenkritik und wissenschaftliche Interpretation. Für Unternehmen im Bereich Enterprise-Software ist das eine Lehrstunde: Wenn KI in Fachdomänen eingesetzt wird, wird die Value-Kette weniger vom Modelltraining dominiert, sondern von Datenqualität, Nachvollziehbarkeit und Governance.
Konservatorisch und regulatorisch bleibt die Frage nach Sicherheit und Verantwortlichkeit dennoch zentral. Bei den Herculaneum-Scans handelt es sich zwar nicht um personenbezogene Daten, aber um wertvolle Kulturgüter und um Bilddaten, deren Bearbeitung nachvollziehbar dokumentiert werden muss. In der Praxis bedeutet das: klare Verfahren für Datenzugriff, Protokollierung der Modellversionen und reproduzierbare Auswertung. Wenn KI-Workflows extern geteilt oder in unterschiedlichen Institutionen repliziert werden, müssen außerdem Zugriffsrechte und Aufbewahrungsfristen geregelt sein. Gerade im europäischen Kontext spielen Datenschutz- und Ethikdiskussionen zwar primär bei personenbezogenen Daten, die Prinzipien der Transparenz und des kontrollierten Zugriffs sind aber übertragbar.
Für die Zukunft deutet der nächste Schritt bereits an, wie die Roadmap aussehen könnte. Seales und das Team signalisieren, dass man nicht nur Scrolls „öffnen“, sondern vor allem verstehen möchte, was in den rekonstruierten Passagen steht. Ein bereits zuvor virtuell entrollter Scroll lieferte etwa den Text „Philodemus, On Gods, Book 8“ und zeigte damit, dass „On Gods“ offenbar ein mehrbändiges Werk ist. Damit rückt die Kombination aus KI-Lesung und klassischer Philologie in den Vordergrund. Der nächste Entwicklungssprung dürfte weniger in spektakulären Entrollbildern liegen als in besseren Unsicherheitsmaßen, die Forschern zeigen, wo die KI besonders sicher ist und wo weitere Annotationen nötig bleiben. Für Entwickler von KI-Infrastruktur bedeutet das: robuste Evaluationsmetriken, schnelle Iteration und saubere Schnittstellen zwischen Bilddaten, Modellen und geisteswissenschaftlichen Arbeitsprozessen werden zum Wettbewerbsvorteil.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- NIEDLICHER BEGLEITER: Eilik ist der ideale Begleiter für Kinder und Erwachsene, die Haustiere, Spiele und intelligente Roboter lieben. Mit vielen Emotionen, Bewegungen und interaktiven Funktionen.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "KI liest verbrannten Papyrus aus Herculaneum: Neue stoische Schrift" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "KI liest verbrannten Papyrus aus Herculaneum: Neue stoische Schrift" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »KI liest verbrannten Papyrus aus Herculaneum: Neue stoische Schrift« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!