LONDON (IT BOLTWISE) – Die KI-generierte Sci-Fi-Serie „The Arc“ hat laut den Machern rund 38.000 US-Dollar an KI-Credits verschlungen und läuft am Ende auf etwa 83 Minuten Gesamtspielzeit. Produziert wurde mit einem kleinen Team ohne Schauspieler, Kulissen oder Kostüme, umgesetzt über ein Abo-System mit mehreren KI-Bild- und Videogeneratoren. Pro Folge fielen im Schnitt rund 7.600 Dollar an KI-Credits an, während Skript und Kameraführung aus mehreren Feedback-Schleifen entstanden. Parallel sorgt das Projekt in Hollywood für die Frage, wie sich KI-Workflows auf Jobs und Kreativprozesse auswirken.

KI-Science-Fiction-Serie „The Arc“: Kosten, Tools und Hollywood-Effekt
KI-Science-Fiction-Serie „The Arc“: Kosten, Tools und Hollywood-Effekt (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Produktion von „The Arc“ zeigt, wie schnell KI-gestützte Workflows im Unterhaltungsbereich von der Experimentierphase in Richtung Serienbetrieb rutschen können. Laut den Machern floss rund 38.000 US-Dollar (34.000 Euro) in KI-Credits, damit eine fünfteilige Science-Fiction-Actionserie mit einer Gesamtlaufzeit von etwa 83 Minuten entstehen konnte. Entscheidender Punkt: Die Serie kam ohne Schauspieler, Kulissen, Requisiten oder Kostüme aus. Damit verschiebt sich die klassische Kostenlogik einer Dreharbeit hin zu Rechen- und Generierungskosten – und zwar so, dass bereits kleine Teams die inhaltliche Dichte einer mehrschichtigen Erzählwelt aufbauen können.

Technisch aufgebaut wurde der Prozess auf einem Tool-Stack, der von Prompting über Bild- und Videogenerierung bis hin zur Produktionsplanung reicht. Die Filmemacher nennen unter anderem Seedance und Kling für die KI-Videoteile sowie Claude von Anthropic als Prompt- und Rechercheassistent im Arbeitsablauf. Konzeption und Drehbuch liefen dabei nicht „am Stück aus einer Magie-Box“: Das Team sprach laut Stewart pro Folge zehn Minuten lang alle Gedanken durch – von Handlung und Dialogen bis zu Kamerabewegungen. Diese Rohfassung diente als Prompt für Claude, anschließend überarbeitete das Team das Ergebnis erneut, bis es als Drehbuch taugt.

Dass dabei auch visuelle Referenzen und Designkriterien sehr konkret werden, sieht man an den verwendeten Hilfsmitteln. Für Charakterbögen und Moodboards griff das Team auf ShotDeck zurück, also eine Online-Bibliothek mit Bildmaterial aus Film und Serie, ergänzt durch Figma für die Gestaltung. Bei Requisiten und Set-Details wurde ebenfalls streng auf Plausibilität geachtet: Für ein Motiv im Speisesaal von Folge fünf nennen die Macher weiße leuchtende Böden, die direkt vom Look der leuchtenden Böden aus „2001: Odyssee im Weltraum“ (1968) inspiriert waren. Solche Entscheidungen sind aus Produzentensicht mehr als „Look & Feel“ – sie definieren Einheitlichkeit über Epochen hinweg, und bei „The Arc“ reicht die Darstellung von einer nahen Zukunft in den USA bis zu historischen Schauplätzen wie dem Japan des 17. Jahrhunderts und dem Montana des 19. Jahrhunderts.

Im Kern treibt der KI-gestützte Produktionsmodus einen Effizienzgewinn über die Generierungsschleife ein. Stewart beschreibt, dass eine einzelne Einstellung acht bis zehn Generierungen benötigen könne, bevor das Ergebnis passt; gleichzeitig wurde mit den Credits sparsam umgegangen, etwa indem die ersten Durchläufe in niedrigerer Auflösung liefen und erst später auf Qualität hochskaliert wurde. Pro Folge fielen im Schnitt rund 7.600 Dollar (6.800 Euro) an KI-Credits an, während die Episodenlänge zwischen zehn und 22 Minuten schwankt. Produktionsseitig erklärt Stewart auch den Zeithorizont: Als das Team grünes Licht für die kurze fiktionale Serie bekam, habe es anfangs nicht einmal ein Konzept gegeben, dennoch habe es dreieinhalb Wochen später den finalen Schnitt der ersten Folge geliefert. Möglich wurde das laut ihrem Ansatz vor allem durch den KI-Einsatz, weil keine Nachdrehs an geografisch entfernten Set-Standorten nötig sind.

Inhaltlich spiegelt die Technologie damit auch eine formale Arbeitsweise wider: „Wir arbeiten genauso detailliert, wie wir es auch an einem echten Set tun würden“, sagte Darin Stewart. Das Drehbuch- und Set-Detaillierungsniveau soll also nicht durch KI „abgekürzt“, sondern in eine andere Produktionslogik übersetzt werden. Und diese Logik kann sogar narrative Freiräume schaffen: Bei „The Arc“ etwa sei es möglich gewesen, den Tod einer Figur umzusetzen, obwohl das in einer klassischen Produktion möglicherweise anders geplant worden wäre – weil die Umsetzung nicht an reale Drehtage und reisekostenträchtige Produktion gekoppelt ist. Stewart vermisst zwar den Zusammenhalt am Set, betont aber den kreativen Spielraum: „Für jemanden, der schon immer Filme und Serien machen und Geschichten erzählen wollte, ist das einfach das beste Gefühl überhaupt“, sagte er.

Der Marktblick zeigt, warum solche Beispiele gleichzeitig Aufmerksamkeit und Kontroversen erzeugen. KI im Filmgeschäft ist in Hollywood zum Streitthema geworden: Laut den Angaben der Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA wurde im vergangenen Jahr eine KI-generierte Figur (Tilly Norwood) als Schauspielerin vermarktet, worauf die Gewerkschaft warnte, KI-Darsteller bedrohten die Existenzgrundlage von Schauspielern und entwerteten menschliche Kunst. Gleichzeitig setzen große Player auf KI-gestützte Produktions- oder Prozessanteile: Netflix-Co-CEO Ted Sarandos sagte bei einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen im Juli, dass bei rund 300 Titeln des Streamingdienstes an irgendeiner Stelle im Arbeitsprozess KI eingesetzt worden sei. „The Arc“ bewegt sich damit in einem Feld, in dem KI nicht nur als Kostentreiber, sondern auch als Produktionsbeschleuniger und Kreativbeschleuniger verstanden wird.

Für Studios und Produktionshäuser leitet das Projekt vor allem eine praktische Konsequenz ab: Budget und Teamgröße bestimmen nicht mehr nur, „was man drehen kann“, sondern auch, wie schnell man Varianten testen und visuell konsistente Welten aufbauen kann. Ferretti sagt sinngemäß, dass Kreative oft Geschichten im Kopf haben, aber Geld oder Kontakte fehlen, um sie umzusetzen; KI könne hier helfen, mehr Inhalte überhaupt in die Produktion zu bringen. Genau an dieser Stelle dürfte sich der Wettbewerb verschärfen: Wer KI-Workflows vom Prompting bis zur finalen Videogenerierung in einen robusten Prozess überführt, kann schneller iterieren und Prototypen in Richtung Serienfähigkeit bringen. Dass „The Arc“ bereits bei Vorführungen in London und Los Angeles gezeigt wurde, ist dabei nicht nur Marketing, sondern ein Signal, dass KI-gestützte Inhalte zunehmend auch bei Publikumstests bestehen sollen. Ob sich daraus ein echter Standard für Teile des Produktionsprozesses ergibt, hängt allerdings davon ab, wie gut Teams die Qualitäts- und Konsistenzanforderungen über mehrere Episoden hinweg steuern können – und ob sich die Branche politisch und arbeitsrechtlich auf klare Spielregeln verständigt.


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