LONDON (IT BOLTWISE) – Neue Board-Besetzungen und Beratungsangebote sollen Führungsteams auf Kurs bringen, doch eine aktuelle Studie dämpft die Stimmung: Das Vertrauen von CTOs in KI-Scale-Projekte sinkt von 82 auf 48 Prozent. Gleichzeitig klafft in vielen Organisationen eine Wissenslücke, während „Agentic AI“ als wichtigster Trend gilt. Für Unternehmen heißt das: KI-Strategie reicht nicht mehr – sie muss messbar in Prozesse, Governance und Sicherheit eingebettet werden.

KI-Skepsis bei CTOs: Vertrauen sinkt von 82 auf 48 Prozent
KI-Skepsis bei CTOs: Vertrauen sinkt von 82 auf 48 Prozent (Foto: IT BOLTWISE)
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Mehr Personal, mehr Beratung, mehr kulturelle Ausrichtung – und trotzdem wächst die Skepsis gegenüber KI. Zum 22. und 23. Juni 2026 wurden mehrere neue Mitglieder in ein Board of Managers berufen, darunter Aseem Datar als Experte für Cloud-Infrastruktur und Quantentechnologie. Parallel dazu startete am 23. Juni ein Beratungsangebot, das Unternehmenskultur, Purpose, Strategie und Organisationsstruktur eng verzahnen soll. Doch genau in dieser Phase zeigen Branchenstudien einen deutlichen Vertrauensrückgang: Bei CTOs fällt die Zuversicht, KI-Projekte skalieren zu können, spürbar. Das wirkt wie ein Warnsignal für Transformationsprogramme, die bisher vor allem auf Pilot-Erfolge setzten.

Die Personalentscheidungen sind dabei mehr als nur symbolische Signalwirkung. Datar bringt laut Angaben Erfahrung aus dem Umfeld AI Platform & Quantum mit; solche Profile werden häufig gewählt, wenn Unternehmen ihre KI-Landschaft stärker in Richtung standardisierte Plattformen, Observability und produktionsreife Architekturen bringen wollen. Ergänzend wurde auch Leanne Wood mit Erfahrung aus dem HR-Umfeld berufen, was auf einen erweiterten Blick auf Change-Management hindeutet: KI-Projekte scheitern in der Praxis oft nicht an Modellen, sondern an Zuständigkeiten, Datenflüssen und an der Fähigkeit, Teams in wiederholbaren Mustern arbeiten zu lassen. Tom Monahan übernimmt zudem eine Stellvertreterrolle, während die Gesellschafterstruktur im Hintergrund bleibt.

Technisch betrachtet verschiebt sich der Fokus in vielen Organisationen von „Modellbeschaffung“ zu Betrieb und Skalierung. Genau hier setzt die Studie an, die vom Dienstleister Akkodis berichtet wird: Während 2024 noch 82 Prozent der CTOs zuversichtlich waren, liegt der Wert bis Juni 2026 bei 48 Prozent. Nur 44 Prozent geben an, in ihren Führungsteams ausreichend KI-Know-how verfügbar zu haben. Damit wird die Grundlage vieler KI-Programme infrage gestellt: Wenn strategische Rollen nicht die nötige Tiefe besitzen, werden Architekturen für Training, Retrieval, Prompt-Management, Monitoring und Incident-Response häufig zu spät geplant. „Agentic AI“ gilt dabei als wichtigster Trend – gleichzeitig steigt die Komplexität, die Organisationen beherrschen müssen.

Der Markt reagiert mit mehreren Parallelbewegungen. Einerseits pushen Beratungen und Frameworks die organisatorische Abstimmung: Heidrick & Struggles bringt unter dem Namen „Performance Culture“ ein Angebot auf den Markt, in das Expertise eines bereits übernommenen Beratungsunternehmens einfließt. Andererseits zeigt eine weitere Studie („Route to the Top“) aus europäischer Perspektive den Transformationsdruck in Chefetagen: Von 299 befragten Topmanagern rechnen 90 Prozent mit notwendigen Strategieänderungen, 38 Prozent identifizieren dabei eine Lücke zwischen heutigen Fähigkeiten und den Anforderungen von morgen. Dass CEOs im Durchschnitt 57,5 Jahre alt sind und fast die Hälfte bereits zuvor CEO-Positionen innehatte, legt nahe, dass Erfahrung zwar vorhanden ist, aber nicht automatisch KI-Operationalisierung abdeckt.

Auch die Risikowahrnehmung innerhalb der Organisationen wirkt wie ein Bremsklotz für Skalierung. Wie aus einer Untersuchung von Expleo (Mai 2026) hervorgeht, vertrauen 85 Prozent der Unternehmenseigentümer der eigenen KI-Governance – aber nur 53 Prozent des Junior-Managements. Ähnlich bei Cybersecurity-Sorgen: 65 Prozent der operativen Manager haben Bedenken, gegenüber 47 Prozent auf Eigentümerseite. Diese Differenzen sind besonders relevant, weil KI-Projekte oft mehrere Domänen berühren: Identitäten, Berechtigungen, Datenklassifizierung, Log-Ausleitung und die Frage, wie Outputs auditierbar werden. Wenn Governance zwar beschlossen, aber nicht als operativ machbar vermittelt ist, entstehen Schattenprozesse – und genau dort verlieren skalierbare Systeme oft an Qualität und Sicherheit.

Dass KI inzwischen im Arbeitsalltag ankommt, sieht man auch an Produktfunktionen in dokumentationsnahen Bereichen. Fabasoft Boards hat am 22. Juni neue Funktionen ins digitale Sitzungsmanagement integriert, darunter automatisierte Protokollzusammenfassungen und Übersetzungsdienste in über 20 Sprachen. Für Unternehmen ist das ein interessanter Vergleich zur „Agentic“-Diskussion: Während Agenten-Workflows stark orchestrieren müssen, liefern solche Funktionen bereits messbare Zeitgewinne und senken den Aufwand in standardisierten Prozessen. Der technische Kern bleibt jedoch derselbe: Klassische NLP-Use-Cases brauchen Datenzugriff, Qualitätskontrollen und klare Regeln, wie Inhalte weiterverarbeitet werden. Hier wird häufig gezeigt, dass einfache Tools Akzeptanz schaffen – während komplexe Skalierung weiterhin an Grenzen stößt.

Vor diesem Hintergrund gewinnt Qualifizierung an Gewicht, nicht nur für einzelne Data Scientists. Die Hochschule Wismar (WINGS) startet zum Wintersemester 2026 einen berufsbegleitenden MBA-Studiengang für Angewandte KI, mit Einschreibemöglichkeit bis zum 31. Juli. Das adressiert ein strukturelles Problem aus der Studie: Wenn Führungsteams zu wenig KI-Know-how besitzen, fehlt ihnen die gemeinsame Sprache für Priorisierung, Kosten-Nutzen-Abwägungen und Architekturentscheidungen. Gleichzeitig verschiebt sich die Erwartung an sichere Implementationen: Teams benötigen Kenntnisse zu Modell- und Prompt-Risiken, Rollen- und Freigabeprozessen sowie zur Datenschutzumsetzung. Das ist besonders wichtig, weil KI-gestützte Workflows in immer mehr Unternehmensbereiche eindringen.

Der Ausblick fällt damit zweigeteilt aus. Einerseits erhöhen Board-Reformen und Kulturprogramme die Chance, KI-Transformationspfade konsistenter zu steuern, gerade wenn neue Führungskompetenzen aus Cloud- und Quantum-nahem Umfeld die technische Leitplanke setzen. Andererseits macht die sinkende CTO-Zuversicht deutlich, dass Skalierung ohne realistische Betriebsmodelle, Governance-Aktualisierung und Sicherheitskonzepte nicht funktioniert. Für Entwickler und Systemintegratoren eröffnet sich aber auch eine konkrete Chance: Sie können „Agentic AI“ pragmatisch entkoppeln, mit klaren Guardrails ausrollen und die Lücke zwischen Pilot und Produktion schließen. In den nächsten 12 bis 24 Monaten wird sich zeigen, ob mehr Wissen und bessere Betriebsdisziplin das Vertrauen zurück in Richtung 82 Prozent bewegen – oder ob die Skepsis dauerhaft zur Standardannahme wird.


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