LONDON (IT BOLTWISE) – Kia präsentiert mit dem PV7 seinen zweiten Platform-Beyond-Vehicle-Transporter für Cargo und Passenger. Das Modell setzt auf eine 800-Volt-Technik mit zwei NMC-Akkus (71,5 bzw. 96,2 kWh) und soll mit dem großen Akku bis zu 460 Kilometer schaffen. Beim Laden sind laut Angaben rund 25 Minuten von 10 auf 80 Prozent vorgesehen. Der Marktstart für den PV7 ist für das zweite Halbjahr 2027 geplant.

Kia PV7: 800-Volt-Elektrotransporter mit 460 km Reichweite ab 2027
Kia PV7: 800-Volt-Elektrotransporter mit 460 km Reichweite ab 2027 (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit dem PV7 verlagert Kia das Nutzfahrzeug-Portfolio spürbar nach vorn: Nach dem PBV-Einstieg PV5 kommt nun die zweite Plattform-Familie mit einem Transporter, der sowohl als Cargo- als auch als Passenger-Variante gedacht ist. Das neue Modell ergänzt die „Platform Beyond Vehicle“-Strategie des Herstellers und positioniert sich dabei oberhalb des PV5. Gleichzeitig ist der Zeitplan auffällig klar: Der Marktstart soll erst im zweiten Halbjahr 2027 erfolgen, also grob in einem Jahr. Für Flottenplaner und Shuttle-Betreiber heißt das vor allem, dass die nächsten Fahrzeugzyklen sehr wahrscheinlich noch auf den jetzigen Jahrgangsmodellen basieren, während PV7-Entscheidungen zunehmend vorgezogen werden.

Technisch baut der PV7 auf der speziell für PBVs entwickelten E-GMP-S (Electric Global Modular Platform for Service). Kia betont dabei insbesondere den ebenfalls „völlig ebenen Boden“, weil er das Innenraumkonzept vereinfachen soll: weniger Stufen, mehr Flexibilität bei Sitz- und Laderaum-Layouts. Die Hardware-Seite ergänzt das Flexible Body System (FBS), eine modulare Karosseriearchitektur, mit der sich Varianten und Umrüstungen auf einer standardisierten Struktur ableiten lassen. In der Praxis ist das genau der Punkt, der über den Unterschied zwischen „einem Modell“ und „einer Plattform“ entscheidet: Je leichter sich Derivate entwickeln und kombinieren, desto schneller lassen sich Fahrzeuge für Logistik, Personenverkehr oder Spezialaufbauten konfigurieren, ohne jedes Mal bei Null zu starten.

Im Aufbau unterscheidet Kia klar zwischen Cargo- und Passenger-Version. Der PV7 kommt als Langversion mit 5,35 Meter Länge, während der PV5 je nach Version 4,49 bis 4,69 Meter misst. Außen übernimmt der PV7 mehrere Designmerkmale, etwa eine schwarze Fronthaube, schwarze Dachsäulen sowie S-förmige Tagfahrlichter; seitlich entsteht bei der Passenger-Version der Eindruck eines scheinend schwebenden Dachs, hinten setzen senkrechte Rückleuchten Akzente. Für Cargo-Relevanz ist zudem die modulare Innenraumidee entscheidend: Der PV7 Cargo wird serienmäßig in einer einfarbigen schwarzen Ausstattung angeboten, optional mit einer dunkelblauen Variante, und er soll je nach Konfiguration weltweit als Zwei- oder Dreisitzer verfügbar sein. Bei der Dreisitzer-Version lässt sich die Lehne des mittleren Sitzes nach vorn umklappen, wenn der Sitz nicht benötigt wird – so entsteht eine Ablagefläche, ohne dass der gesamte Kabinenaufbau verändert werden muss.

Die größte technische Stellschraube für den Alltag von Flotten ist jedoch die Antriebslinie. Der PV7 startet serienmäßig als Fronttriebler und wird anfangs mit einem 200-kW-Frontantrieb angeboten; eine Allradvariante soll später folgen. Beim Energiespeicher setzt Kia auf zwei NMC-Batterien mit 71,5 bzw. 96,2 kWh. Mit dem großen Akku nennt Kia für den PV7 Cargo eine Reichweite von etwa 460 Kilometer. Entscheidend ist außerdem die Ladegeschwindigkeit: Dank 800-Volt-Technik soll der Akku in rund 25 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden. Für die Praxis im Liefer- und Shuttle-Betrieb bedeutet das weniger Zeit in Depots und mehr „Turnaround“-Puffer zwischen Routen. Dazu kommen laut Angaben Ladeanschlüsse vorne (AC/DC) serienmäßig und optional auch hinten (AC), wodurch sich das Fahrzeug stärker in bestehende Ladegewohnheiten einbetten lässt.

Im Innenraum zeigt Kia ein konsequent platform-orientiertes Konzept, das auf Betriebssystem und Bedienung abzielt. Beim PV7 Passenger findet sich ein kleines Instrumentendisplay, dazu je nach Version ein 12,9- oder 14,6-Zoll-Touchscreen; das Infotainment basiert auf „Pleos Connect“ als Betriebssystem auf Basis von Android Automotive OS. Kia verspricht ein Smartphone-ähnliches Nutzererlebnis, vernetzte Navigation, variable Bildschirmlayouts, einen App Store sowie Over-the-Air-Updates. Ergänzt wird das Ganze durch den KI-gestützten Sprachassistenten Gleo AI. Für den Personenverkehr sind außerdem konkrete Komfort- und Nutzungsdetails relevant: Eine separate Klimaanlage im Fond, USB-C-Ladeanschlüsse mit 100 Watt sowie eine Mittelkonsole, die sich als Tisch nutzen lässt. Zusätzlich beschreibt Kia Assistenzfunktionen vom Abstandsregeltempomat über Frontkollisionswarner und Spurhalteassistent bis hin zu fernbedientem Einparken, einem Rundumsichtsystem sowie Parksensoren vorne, hinten und seitlich.

Auf der Marktebene positioniert sich Kia damit in einem Segment, in dem sich gerade die Industrialisierung von Elektro-Transportern beschleunigt: Nicht nur Reichweite und Ladeleistung zählen, sondern auch die Fähigkeit, Varianten schnell und kosteneffizient in die Produktion zu bringen. Kia nennt für den PV7 insgesamt 23 Varianten, darunter Standard-, Lang- und Hochdachversionen beim Cargo sowie Standard- und Langversionen beim Passenger. Für Cargo sind laut Angaben der VDA-Laderaum mit bis zu 6,1 Kubikmeter (Langversion, normal hohes Dach) und bis zu 8,0 Kubikmeter (Hochdachversion) sowie eine Nutzlast von bis zu 1.165 kg (Langversion) und 1.200 kg (Standardversion) genannt. Bei der Langversion passen bis zu drei Europaletten (800 × 1.200 mm) bei einer Ladekantenhöhe von 550 mm. Für den professionellen Einsatz ergänzt Kia „Kia Business Solutions“ mit Flottenmanagement, Lade- und Wartungsvereinfachung sowie Echtzeitüberwachung, vorausschauender Diagnose und proaktivem Wartungsmanagement. Im Zusammenspiel mit Funktionen wie Vehicle-to-Load (V2L) – Kia nennt 230-Volt-Steckdosen innen und außen – wird damit ein Paket angedeutet, das über reine Mobilität hinausgeht. Fertigung findet im Hwaseong EVO Plant in Korea statt, in der koreanischen Provinz Gyeonggi, mit einem PBV-Umrüstzentrum in der Nachbarschaft; damit dürfte der Hersteller organisatorisch für die geplante Variantenbreite gerüstet sein.

Ob der PV7 im Feld gegen andere Elektro-Transporter bestehen kann, wird sich ab 2027 vor allem an zwei Faktoren entscheiden: an der realen Lade- und Betriebszeit unter Flottenbedingungen sowie daran, wie gut die modulare Plattform in konkrete Umrüstfälle übersetzt wird. Kia legt den Fokus auf 800-Volt-Laden, flexible Plattformbausteine und ein infotainmentseitig modernes Betriebssystem; gerade für Shuttle- und Lieferdienste sind das schnell spürbare Kriterien. Gleichzeitig bleibt einiges offen, weil die Angaben zum Antrieb/Batterie-Portfolio und zu den später angekündigten Varianten im Kern noch „zum Start“ bzw. „später“ verortet sind. Bis dahin ist der PV7 vor allem ein klares Signal: Kia will die PBV-Linie zügig ausbauen, und nach PV7 soll 2029 mit dem PV9 ein noch größeres Modell folgen.


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