DETmold / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Klinikum Lippe stellt in den Eingangsbereichen der Standorte Detmold und Lemgo einen großen Touchscreen bereit. Patienten, Angehörige und Besucher können sich dort ab sofort kostenlos über Selbsthilfegruppen informieren. Der Bildschirm greift auf die Inhalte des NRW-Selbsthilfeportals selbsthilfenetz.de zu und macht Gruppen zu nahezu allen Erkrankungen und Lebenslagen schnell auffindbar. Für persönliche Fragen steht mit Sabine Bornemeier weiterhin eine feste Ansprechpartnerin im Haus zur Verfügung.

Im Klinikum Lippe geht es ab sofort nicht mehr nur um Behandlung „im Haus“, sondern auch um Orientierung außerhalb der Sprechstunde: An den Eingangsbereichen der Standorte Detmold und Lemgo hängt ein großer Touchscreen, der das Thema Selbsthilfegruppen digital und kostenlos verfügbar macht. Gerade für Menschen nach einer Diagnose ist der Weg von der ersten Informationssuche bis zur richtigen Gruppe oft eine Hürde. Der neue Bildschirm adressiert genau diesen Moment und verlagert die erste Recherche vom Telefonat oder Flurgespräch auf eine bequeme, jederzeit mögliche Interaktion vor Ort.
Technisch betrachtet setzt das Klinikum Lippe auf eine zentrale Wissensquelle statt auf eigene Inhalte auf dem Bildschirm. Laut Angaben aus der Veröffentlichung des Klinikums zeigt der Touchscreen die Inhalte der Internetseite www.selbsthilfenetz.de, dem zentralen Selbsthilfeportal für NRW. Wer am Gerät nach einem Thema sucht, bekommt damit tagesaktuelle Informationen zu Selbsthilfegruppen zu nahezu allen Erkrankungen und Lebenslagen angezeigt. Das reduziert das Risiko, dass veraltete Aushänge oder „Hand-out“-Listen im Wartebereich den Stand der Dinge verlieren, weil die Basisdaten aus dem Portal heraus aktualisiert werden.
In der Praxis verändert so ein öffentlich zugänglicher Touchscreen die Art, wie Kontaktstellen und Kliniken miteinander zusammenarbeiten. Das Klinikum Lippe ist als selbsthilfefreundliches Krankenhaus zertifiziert und verweist darauf, dass es bereits während des Krankenhausaufenthalts auf passende Gruppen hinweist. Der Touchscreen ergänzt dieses Vorgehen um eine digitale Komponente, die nicht an die Verfügbarkeit einzelner Mitarbeitender gebunden ist. Genau deshalb betonen die Verantwortlichen auch den niedrigschwelligen Nutzen: Nicht jeder traut sich, im Gespräch nach einer Selbsthilfegruppe zu fragen, und manchmal braucht es schlicht Zeit zum Durchlesen, bevor man den nächsten Schritt macht.
Für den Betrieb vor Ort ist dabei entscheidend, dass der Touchscreen nicht die persönliche Beratung ersetzt, sondern sie ergänzt. Sabine Bornemeier, Selbsthilfebeauftragte des Klinikums, beschreibt den Bildschirm als Möglichkeit zum selbstständigen Stöbern und gezielten Suchen. Wer lieber direkt mit einer Person spricht, bleibt laut den Angaben als Ansprechpartnerin erreichbar. Ergänzend dazu wird das Angebot auch von der Selbsthilfe-Kontaktstelle im Kreis Lippe positiv eingeordnet: Silke Stegelmann, Leiterin der Kontaktstelle, stellt heraus, dass Selbsthilfe davon lebt, dass Menschen den Weg zueinander finden, und dass Sichtbarkeit den ersten Schritt erleichtert. In diesem Kontext wirkt der Standort im Eingangsbereich wie ein bewusst gesetzter „Türöffner“ zwischen medizinischem Setting und zivilgesellschaftlichem Unterstützungsnetz.
Auch inhaltlich geht es über „einzelne Gruppen“ hinaus: Das Portal selbsthilfenetz.de adressiert nach den Angaben Gruppen zu nahezu allen Erkrankungen und Lebenslagen. Damit ist die digitale Auffindbarkeit nicht nur für eine kurze Phase der Orientierung relevant, sondern kann auch nach der Entlassung weiterhelfen. Für Kliniken und Kontaktstellen ergibt sich daraus ein Effekt, der über den Komfort am Gerät hinausgeht: Die Nutzer können Thema und Kontaktdaten nachvollziehbar auswählen, während die Kontaktstelle weiterhin als institutioneller Anlaufpunkt fungiert. Gleichzeitig bleibt das Angebot für die Nutzer kostenlos, was die Zugänglichkeit in einer Phase stärkt, in der viele Betroffene und Angehörige finanziell wie emotional stark belastet sind.
Von der Market- und Prozessperspektive her passt das Vorhaben in eine breitere Entwicklung: Gesundheitsorganisationen investieren zunehmend in digitale Wege, um Informationen schneller, konsistenter und für unterschiedliche Nutzergruppen verfügbar zu machen. Der Unterschied in diesem Fall ist jedoch die konkrete Verknüpfung von Klinikstandort und externem Selbsthilfe-Ökosystem über eine zentrale Portalstruktur. Während viele digitale Projekte im Gesundheitsumfeld eher auf Patientenportale oder interne Kliniksysteme zielen, setzt das Klinikum Lippe hier auf eine Außenwirkung direkt im Gebäude. Der Touchscreen ist dabei jederzeit frei zugänglich, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass auch Besucher ohne geplante Termine davon profitieren.
Für andere Krankenhäuser und Träger in der Region liefert das Modell eine gut übertragbare Blaupause: Statt zahlreiche regionale Selbsthilfeinfos in Einzellisten zu pflegen, wird ein bestehendes Portal als Datenbasis genutzt und im Alltag sichtbar gemacht. Entscheidend ist dabei, dass die digitale Komponente nicht als Ersatz für Beratung verstanden wird, sondern als zusätzlicher Einstieg, der den richtigen Zeitpunkt ermöglicht. Wer die Informationen auch außerhalb des Bildschirms nutzen möchte, findet nach den Angaben auf der Website klinikum-lippe.de/selbsthilfegruppen weitere Hinweise; Ansprechpartnerin am Klinikum ist Sabine Bornemeier, erreichbar per Tel. (05261) 26-6211 oder per E-Mail an [email protected].
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