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CHICAGO / LONDON (IT BOLTWISE) – Kodiact stellt eine KI-gestützte Simulationsplattform für Direktmaterialien vor und nennt eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde über 2,5 Millionen US-Dollar. Die Software soll Einkaufsteams helfen, Preisrisiken bei Rohstoffen früher zu erkennen und verschiedene Maßnahmen vor dem Eingriff in die Gewinn- und Verlustrechnung durchzuspielen. Laut Angaben deckt die Plattform seit dem Marktstart im Mai 2026 bereits mehr als 500 Rohstoffe in 23 Kategorien ab. Ziel ist, Tabellenkalkulationen durch ein wiederverwendbares, zentral dokumentiertes Entscheidungswissen zu ersetzen.

Kodiact holt KI in die Direktmaterial-Beschaffung für Lebensmittelhersteller
Kodiact holt KI in die Direktmaterial-Beschaffung für Lebensmittelhersteller (Foto: IT BOLTWISE)
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Wenn Schwankungen bei Rohstoffpreisen plötzlich „durchschlagen“, treffen die Folgen bei Herstellern von Lebensmitteln und Konsumgütern oft zuerst den Einkauf. Genau an diesem Punkt setzt Kodiact an: Das Startup positioniert seine „intelligente Simulationsplattform“ für Direktmaterialien als Gegenentwurf zu starren, meist jährlichen Beschaffungsplänen. Statt Entscheidungen allein auf Basis von Warengruppenstrategien zu treffen, will die Plattform Marktimpulse mit konkreten Produkt- und Margenauswirkungen verknüpfen, sodass Teams schneller und fundierter reagieren können.

Das Unternehmen begründet den Handlungsdruck mit mehreren parallelen Belastungsfaktoren in der Beschaffungskette: Seit 2020 erschweren Zölle, klimabedingte Ernteausfälle sowie wiederholte Lieferkettenstörungen die Prognose von Preisen und Verfügbarkeiten nicht nur bei Zutaten, sondern auch bei Verpackungsmaterialien und anderen Direktmaterialien. Als Beispiel nennt die Mitteilung den Kakao: Zwischen Anfang 2023 und Ende 2024 stieg der Kakao-Preis auf nahezu das Fünffache und erreichte einen historischen Höchststand; entsprechend seien Schokoladenhersteller gezwungen gewesen, ihre Preise zu erhöhen. In der Konsequenz, so die Argumentation, landen Risiken bei Direktmaterialien inzwischen regelmäßig auf Vorstandsebene – allerdings werden die zugrunde liegenden Entscheidungen vielerorts noch immer überwiegend mit Tabellenkalkulationen vorbereitet.

Finanziert wird die Weiterentwicklung jetzt durch eine Pre-Seed-Runde über 2,5 Millionen US-Dollar, die von Supply Change Capital angeführt wird. Green Circle Foodtech Ventures und Velocity Catalyst beteiligen sich ebenfalls, wie Kodiact mitteilt. Die Gelder sollen drei Bereiche unterstützen: den Ausbau der Marktdaten-, Simulations- und KI-Agenten-Kapazitäten, zusätzliche Implementierungen bei großen Herstellern sowie die Markterschließung über Partnerschaften und die Expansion in weitere Branchen mit hohem Rohstoffbedarf, darunter Kosmetik, Verpackungen und Chemie. Damit versucht das Startup auch, ein klares Signal für den Use Case „Direktmaterialien statt nur indirekte Ausgaben“ zu setzen – denn laut der genannten Betrachtung wurden viele Beschaffungssoftwarelösungen historisch eher für indirekte Bereiche entwickelt, etwa Bürobedarf oder Geschäftsreisen.

Technisch setzt Kodiact auf der vorhandenen ERP-Welt auf. Die Plattform soll mit bestehenden Systemen wie SAP und Microsoft Dynamics arbeiten und die vom Hersteller eingekauften Materialien mit den Marktkräften verbinden, die ihre Preise beeinflussen. Wenn ein Rohstoffpreis kurzfristig stark anzieht, macht das System sichtbar, welche Produkte und Margen davon betroffen sind und welche Maßnahmen sich aus Sicht des Einkaufs eignen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Darstellung der Auswirkungen, sondern die Simulation mehrerer Handlungsoptionen, bevor eine Entscheidung in die Gewinn- und Verlustrechnung durchschlägt; hinzu kommt ein zentrales Register, in dem jede Entscheidung und ihr Ergebnis dokumentiert werden soll. So entstehe ein kontinuierlich wachsender Wissensbestand, der unabhängig von Personalwechseln erhalten bleibt.

Die Plattform sei bereits relativ früh breit nutzbar: Seit dem Marktstart im Mai 2026 deckt Kodiact mehr als 500 Rohstoffe in 23 Kategorien ab. Für Einkaufsteams großer Unternehmen steht damit nicht das „Kategoriemanagement“ als isolierte Disziplin im Vordergrund, sondern die Übersetzung von Marktsignalen in konkrete Strategien. In der Mitteilung wird diese Sichtweise von Anwender- und Branchenstimmen gestützt: John Hutchinson, Director of Procurement bei AG Barr, sagt: „Mit Kodiact können wir unsere Entscheidungen modellieren und durchspielen, bevor wir sie treffen. Wir freuen uns, am Early-Adopter-Programm teilzunehmen und fortschrittliche KI-Funktionen für unsere Warengruppenstrategie einzusetzen“; Bertrand Maltaverne, Director, Solution Intelligence bei The Hackett Group, ergänzt: „Wie das Sprichwort sagt: Vision ohne Umsetzung ist eine Illusion. Kodiact bietet nun endlich eine Lösung für Direktmaterialien, die weit über das reine Kategoriemanagement hinausgeht. Die Plattform verbindet den Bedarf an Agilität und Geschwindigkeit mit konkreten Umsetzungsmöglichkeiten“.

Am Ursprung der Lösung steht laut Kodiact ein Gründerteam, das die typischen Schwächen klassischer Einkaufsprozesse aus der Praxis kennt. Mitgründer Steve Tucker und COO Dan Daehler waren vorher in mehreren KI- und Softwarekontexten tätig; zuvor soll Dan Daehler eine Einkaufsberatung mit aufgebaut haben, die von einem SAP-Partner übernommen wurde, während Tucker den Vertrieb bei Evisort leitete, bis das Unternehmen von Workday übernommen wurde. Auch beim technischen Team kommt die KI-Perspektive aus der Gründungsphase: CTO Jonathan Lee wird als ehemaliger Unternehmensgründer und KI-Ingenieur beschrieben, der 2026 zum Team kam. Tucker formuliert das Kernproblem seiner Erfahrung entsprechend: „Als ich noch mit Kakao handelte, hatten die besten Einkäufer den gesamten Markt im Kopf. Wenn sie das Unternehmen verließen, ging dieses Wissen mit ihnen verloren“. Dreißig Jahre später, so der Tenor, würden viele Hersteller ihre größten Kostenpositionen weiterhin mit Tabellenkalkulationen steuern; Kodiact wolle deshalb frühzeitig erkennen, „was auf ihn zukommt“, Optionen durchspielen und handeln, bevor sich Volatilität im Ergebnis materialisiert.

Für Investoren und Markteinordnung liefert die Mitteilung ebenfalls ein klares Bild: Shayna Harris, Mitgründerin und Managing Partner von Supply Change Capital, sagt: „Bei Direktmaterialien entscheidet sich, ob Hersteller ihre Margen sichern oder einbüßen. Zugleich wirken sich Klimaschocks und Schwankungen im internationalen Handel hier zuerst aus. Dennoch werden die meisten Beschaffungsentscheidungen nach wie vor auf Grundlage von Tabellenkalkulationen und Strategien getroffen, die bereits nach wenigen Monaten überholt sind“. Stu Strumwasser, Mitgründer und Managing Director von Green Circle Foodtech Ventures, nennt als Zielbild sogar erhebliche wirtschaftliche Effekte: „Für große Lebensmittel- und Getränkehersteller können bereits schrittweise Verbesserungen bei Genauigkeit und Effizienz der Einkaufsentscheidungen für direkt eingesetzte Rohstoffe Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe bedeuten, die sich unmittelbar im Geschäftsergebnis niederschlagen“. Desiree Vargas Wrigley von Velocity Catalyst rechnet parallel mit schnellerer Akzeptanz, weil große Hersteller solche Tools „als unverzichtbar“ ansehen, und positioniert Kodiact als Umsetzungsschicht für KI im Beschaffungsalltag. Unterm Strich adressiert das Startup damit ein konkretes Engpass-Thema im Markt: Direktmaterialien sind für viele Kostenstrukturen zentral, die Datenbasis ist jedoch fragmentiert und die Entscheidungslogik oft nicht ausreichend „institutionsfähig“. Genau dort könnte ein zentral dokumentiertes Simulations- und Entscheidungsregister langfristig Wirkung entfalten.

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