KRAKAU / LONDON (IT BOLTWISE) – Nach der tödlichen Schusswaffenattacke in Krakau ermittelt die polnische Staatsanwaltschaft wegen Terrorismus. Sechs Menschen starben auf dem Marktplatz, weitere drei Tote wurden in Ostrowiec Swietokrzyski gefunden; mehrere Ausländer zählen zu den Verletzten. Innenminister Marcin Kierwinski spricht von sehr radikalen Ansichten und Anzeichen für eine Nähe zu rechtsextremistischen Ideologien. Die Polizei nennt eine halbemautische Langwaffe, stellt Tarnkleidung fest und berichtet von schnellem Eingreifen, nachdem der Täter auf der Flucht mit Einsatzkräften in Schusswechsel geraten war.

In Krakau herrscht nach der Schusswaffenattacke auf einem zentralen Marktplatz tiefe Verunsicherung. Die polnische Staatsanwaltschaft geht von einem äußerst schweren Fall aus und ermittelt wegen eines terroristischen Charakters der Tat. Sechs Menschen wurden auf dem Rynek Glowny erschossen; zusätzlich starben drei weitere Personen in Ostrowiec Swietokrzyski. Die Ermittlungsrichtung stützt sich dabei nicht nur auf die Ereignisse vor Ort, sondern auch auf die Befunde in einem Wohnhaus, in dem der Täter offenbar weitere Gewalt ausgeübt haben soll.
Die Tat begann offenbar aus einem Auto heraus: Der Schütze eröffnete am Samstag das Feuer und traf wahllos Passanten. Augenzeugen beschrieben ein unmittelbares Chaos, in dem Menschen hektisch reagierten und unter anderem umgestürzte Tische sahen. In sozialen Medien kursierten rasch Aufnahmen, die die Panik in der Nähe des Marktplatzes zeigen. Obwohl es laut Staatsanwaltschaft auch um die Tötung von sechs Personen sowie versuchten Mord an mehreren weiteren Opfern geht, wurde in der Mitteilung nicht ausdrücklich ein politisches Motiv als alleiniger Auslöser genannt. Stattdessen betonten die Ermittler den terroristischen Charakter der Tat.
Parallel dazu wurden in Ostrowiec Swietokrzyski drei Tote in einem Familienhaushalt gefunden, darunter Vater, Mutter und Schwester des Schützen. Das Beweismaterial deute darauf hin, dass diese Taten von derselben Person begangen wurden, hieß es. Damit verdichtet sich ein Tatbild, das nicht auf einen einzelnen öffentlichen Moment beschränkt ist, sondern eine längere, geplante Gewaltspur nahelegt. Laut Angaben zur Altersspanne der Toten in der Region Kleinpolen lagen die Opfer zwischen 32 und 61 Jahren. Gleichzeitig berichtete die Polizei, dass unter den Opfern auch Ausländer sind: Von den sechs Todesopfern sollen vier aus Polen stammen, außerdem wird ein Opfer aus Großbritannien genannt; zusätzlich wurde ein Todesfall einer Österreicherin bekannt.
Die internationale Dimension zeigt sich auch in den Verletzten. Fünf Personen aus Deutschland, Großbritannien, Portugal, Österreich und Russland sollen verletzt worden sein. Aus Sicht des Auswärtigen Amts wurde auf Anfrage bestätigt, dass bei dem Angriff eine Person mit deutscher Staatsangehörigkeit verletzt wurde. Für die Stadt Krakau bedeutet das neben dem menschlichen Leid auch einen massiven Einschnitt im Alltag rund um den Tourismus: Der Marktplatz mit den Renaissance-Tuchhallen und dem Rathausturm gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten. Als sichtbares Zeichen der Trauer verstummte zudem das berühmte Trompetensignal „Hejnal“ zur vollen Stunde – Medienberichte zufolge die erste Unterbrechung seit 1939.
Technisch beschreiben polnische Stellen den Einsatz als besonders gefährlich. Die Polizei spricht davon, dass der Täter eine halbautomatische Langwaffe verwendete, die einem AR-15-ähnlichen System ähnlich gewesen sei. Außerdem soll er militärähnliche Tarnkleidung getragen haben. In seinem Auto fanden die Ermittler demnach weitere Waffen und Munition, was die Vermutung stützt, dass der Angriff nicht improvisiert war. Für den weiteren Verlauf wird ebenfalls wichtig, wie schnell Sicherheitskräfte reagieren konnten: Innenminister Marcin Kierwinski nannte die „blitzschnelle Reaktion“ der Polizei als Faktor, der ein noch größeres Massaker verhindert habe. Nach Angaben der Beamten hätten sie innerhalb von drei Minuten nach der ersten Alarmierung Schüsse auf den Angreifer abgegeben.
Der Fluchtversuch endete laut Medienberichten an einer Kreuzung: Der Schütze kollidierte offenbar mit einem anderen Auto, sprang danach aus dem Fahrzeug und schoss auf Einsatzkräfte. Diese erwiderten das Feuer, trafen den Täter und überwältigten ihn, bevor er ins Krankenhaus gebracht wurde. Zwei Polizisten, die ihn stoppten und dabei schwer verletzt wurden, wurden als besonders engagiert dargestellt. Um ihre Behandlung zu ermöglichen, rief Polizei und Militär zu Blutspenden für eine seltene Blutgruppe auf, die mit „AB Rhesus+“ beschrieben wurde. Daneben wurden jedoch auch Sicherheitslücken diskutiert, weil ein öffentlicher Platz nicht vollständig gegen eine Fahrzeugattacke gesichert war.
Im weiteren Ermittlungsverlauf spielte offenbar auch Technologie eine Rolle. Einsatzkräfte hätten zunächst gezögert, das Wohnhaus des Schützen zu betreten, weil der Verdacht auf Sprengsätze bestand. Mit Hilfe einer Drohne fertigten sie Aufnahmen an, auf denen drei Tote zu sehen waren. Diese Vorgehensweise zeigt, wie stark sich moderne Sicherheitslagebilder inzwischen auf Distanzprüfung stützen: Drohnen reduzieren das Risiko für Ersthelfer und beschleunigen die Einschätzung, ob eine Durchsuchung unmittelbar möglich ist. Zugleich verdeutlichen Berichte über geplante Sicherungsmaßnahmen in anderen Städten, dass die Debatte über Schutzkonzepte rund um Marktplätze und Tourismus-Hotspots jetzt an Fahrt gewinnt – etwa mit künftigen Zufahrtskontrollen.
Auch für die juristische Einordnung bleibt entscheidend, wie sich „terroristischer Charakter“ im konkreten Fall beweist. Laut Staatsanwaltschaft wird wegen der Tötung von sechs Personen sowie des versuchten Mordes an zahlreichen weiteren Ermittlungen geführt, bei denen dieser terroristische Charakter festgestellt worden sei; die Ermittler sprachen dabei nicht ausdrücklich von einem politischen Motiv. Wichtig ist für Beobachter daher vor allem, ob das Verfahren den Beweis für eine spezifische Zielsetzung oder Ideologie erbringt, wie sie intern diskutiert wird. Donald Tusk sagte, in Polen habe es bisher keinen so drastischen Fall von Terrorismus gegeben, der Angriff auf Menschen müsse „so“ genannt werden. Marcin Kierwinski erklärte, der Täter habe sehr radikale Ansichten vertreten und es gebe Anzeichen, dass er von rechtsextremistischen Ideologien fasziniert gewesen sei.
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