LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie von Anthropic zeigt, dass Künstliche Intelligenz zunehmend komplexe Aufgaben übernimmt, obwohl sie dabei eine höhere Fehlerquote aufweist. Diese Entwicklung könnte zu einem sogenannten ‘Deskilling’ in verschiedenen Berufen führen, da anspruchsvolle Tätigkeiten an die KI delegiert werden, während Menschen sich auf Routineaufgaben konzentrieren.

Die weit verbreitete Annahme, dass Künstliche Intelligenz (KI) vor allem Routineaufgaben übernimmt, während Menschen sich auf komplexere Probleme konzentrieren können, wird durch eine aktuelle Untersuchung des KI-Unternehmens Anthropic in Frage gestellt. Die Studie zeigt, dass Menschen der KI bevorzugt anspruchsvolle Aufgaben überlassen, obwohl die Erfolgsquote der KI bei diesen Aufgaben niedriger ist als bei einfacheren Tätigkeiten. Bei komplexen Aufgaben erreicht die KI eine Erfolgsrate von nur 66 Prozent, während sie bei einfachen Aufgaben 70 Prozent erreicht.
Diese Ergebnisse basieren auf der Analyse von zwei Millionen anonymisierten Nutzungsdaten aus dem November 2025. Anthropic hat erstmals umfassend gemessen, wofür sein KI-System eingesetzt wird und wie erfolgreich diese Einsätze verlaufen. Die Forscher sprechen von einem ‘Deskilling’ der Berufe, da anspruchsvolle Tätigkeiten verschwinden und die Routinearbeit beim Menschen verbleibt. Beispiele hierfür sind technische Redakteure und Reisebüroangestellte, die komplexe Aufgaben wie die Analyse neuer Entwicklungen oder die Planung von Reiserouten an die KI delegieren.
Auf den ersten Blick mag diese Praxis überraschend erscheinen, da Fehler bei komplexen Aufgaben oft schwerer zu erkennen sind als bei einfachen Tätigkeiten. Der Hauptgrund für diese Arbeitsverteilung dürfte jedoch die massive Zeitersparnis sein: Aufgaben, die Menschen ohne KI-Unterstützung im Durchschnitt drei Stunden kosten würden, lassen sich mit KI in rund 15 Minuten erledigen. Diese Effizienzsteigerung könnte erklären, warum trotz der höheren Fehlerquote komplexe Aufgaben an die KI abgegeben werden.
Die Studie von Anthropic liefert zudem eine weitere besorgniserregende Erkenntnis: KI könnte die Ungleichheit zwischen reichen und ärmeren Ländern weiter verstärken. In wohlhabenden Ländern wie den USA, Japan und Südkorea wird KI vielseitig genutzt, während in ärmeren Ländern die Nutzung hauptsächlich auf Lernzwecke und spezifische Arbeitsaufgaben beschränkt ist. Diese Analyse zeigt, dass die Euphorie über KI-Technologien durch eine reflektierte Betrachtung der Auswirkungen ergänzt werden sollte.
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