WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine österreichische Kuh namens Veronika hat das Interesse von Biologen geweckt, indem sie alltägliche Gegenstände als Werkzeuge nutzt. Diese Entdeckung könnte das Verständnis der kognitiven Fähigkeiten von Nutztieren revolutionieren. Forscher haben erstmals wissenschaftlich nachgewiesen, dass ein Hausrind gezielt Werkzeuge einsetzen kann, was neue Perspektiven auf die Intelligenz von Nutztieren eröffnet.

Die österreichische Kuh Veronika hat mit ihrem außergewöhnlichen Verhalten die Aufmerksamkeit der Wissenschaft auf sich gezogen. Mit ihrer langen Zunge greift sie nach Schrubbern und anderen langen Gegenständen, um sich an schwer erreichbaren Stellen zu kratzen. Diese Fähigkeit hat Biologen dazu veranlasst, die kognitiven Fähigkeiten von Nutztieren neu zu bewerten. In einer Studie, die im Fachjournal ‘Current Biology’ veröffentlicht wurde, haben Alice Auersperg und Antonio Osuna Mascaró von der Veterinärmedizinischen Universität Wien nachgewiesen, dass Veronika gezielt Werkzeuge einsetzt, um sich zu kratzen.
Veronika lebt als Haustier auf einem Biohof in Kärnten und ist weder für die Milchproduktion noch für den Metzger vorgesehen. Ihr Verhalten wurde erstmals durch ein Video bekannt, das Auersperg nach der Veröffentlichung ihres Buches ‘Der Erfindergeist der Tiere’ zugeschickt wurde. Die Forscher führten daraufhin Experimente durch, um sicherzustellen, dass es sich nicht um einen antrainierten Trick oder ein manipuliertes Video handelt. Sie fanden heraus, dass Veronika seit etwa neun Jahren von selbst heruntergefallene Äste oder Rechen aufnimmt, um sich zu kratzen.
Die Experimente zeigten, dass Veronika den Schrubber gezielt am Stielende ins Maul nimmt, um ihren Rücken zu erreichen. Für empfindlichere Bereiche wie den Bauch oder den After verwendet sie das andere Ende des Schrubbers. Diese Fähigkeit, Werkzeuge zu nutzen, wurde bisher nur bei wenigen Nutztieren wie Pferden und Zebus beobachtet. Die Forscher vermuten, dass die Werkzeugfähigkeit nicht nur mit der Domestizierung zusammenhängt, sondern auch mit einem gemeinsamen Hang zur physischen Problemlösung.
Osuna Mascaró betont, dass Veronika kein Einstein unter den Kühen ist, sondern das Glück hatte, in einer anregenden Umgebung aufzuwachsen. Die Forscher glauben, dass alle Kühe solche Fähigkeiten entwickeln könnten, wenn sie als Jungtiere mit Objekten interagieren und spielen könnten. Sie hoffen, dass sich weitere Menschen melden, die ähnliche Beobachtungen gemacht haben, um das Verständnis der kognitiven Fähigkeiten von Nutztieren zu erweitern.
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