WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Wiener Startup kW-Solutions fährt mit seinem Energiemanagement für E-Lkw in die deutsche Marktphase. Die neu gegründete Gesellschaft hat bereits die ersten zwei Kunden gewonnen und erweitert das Ladenetzwerk „Charge with Friends“ über die Grenze. Das Unternehmen steuert laut eigener Planung auf ein Umsatzplus von mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu. Kern der Skalierung ist dabei die Software „Charly“, die Stromtarife, Photovoltaik und Batteriespeicher mit dem Ladeverhalten der Flotte verknüpft.

Stromkosten werden für Betreiber von E-Lkw schnell zum dominierenden Faktor, weil Fahrplan, Standzeiten und Nachladen eng mit den täglichen Tarifmustern zusammenhängen. Genau an dieser Stelle setzt kW-Solutions an: Das Wiener Startup bringt mit „Charly“ ein Energiemanagement in den Markt, das nicht nur Ladepunkte verwaltet, sondern dynamische Stromtarife, Photovoltaik- und Batterieanlagen sowie das Ladeverhalten der Nutzer miteinander in Beziehung setzt. Mit dem Schritt nach Deutschland will das Unternehmen nicht einfach nur zusätzliche Ladehardware vermarkten, sondern die Entscheidungen über „wann“ und „zu welchem Strom“ geladen wird softwareseitig optimieren. Dass die Expansion bereits messbar anläuft, zeigt der Stand der Zusammenarbeit mit zwei deutschen Kunden sowie das Wachstum der Plattform „Charge with Friends“.
Organisatorisch ist der Markteintritt klar getaktet: Die erst heuer gegründete deutsche Gesellschaft hat nach Unternehmensangaben die ersten beiden Kunden gewonnen. Dafür nutzt kW-Solutions die Software „Charly Transportation“, die speziell auf Logistikunternehmen zugeschnitten ist und Lade-, Energie- sowie Flottenmanagement in einem System bündelt. Für Betreiber bedeutet das vor allem, dass Ladeplanung nicht isoliert im Ladesäulen-Frontend geschieht, sondern als Teil einer übergreifenden Logik für Depots mit Ladesäulen, Solaranlagen und Speichern. Als Unternehmenszahlen nennt kW-Solutions für das Vorjahr knapp 3 Millionen Euro Umsatz bei knapp 20 Mitarbeiter: innen – und für die laufende Wachstumsphase ein Umsatzplus von mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Technisch beginnt das Versprechen bei „Charly“: Der Energiemanager kombiniert nach Angaben des Unternehmens dynamische Stromtarife mit PV- und Batteriesystemen. Ein Algorithmus weist laut Beschreibung jedem Ladevorgang den jeweils günstigsten Strom zu. Diese Art von Entscheidungslogik ist für E-Flotten deshalb relevant, weil sich die Wirtschaftlichkeit häufig weniger durch die maximale Ladeleistung als durch die zeitliche Abstimmung ergibt: Wann wird geladen, wie viel Eigenstrom steht gerade aus PV oder Speicher bereit, und welche Tarifphase ist für den nächsten Ladeabschnitt gerade die günstigste? Dazu kommen laut Anbieter Funktionen wie Abrechnung, Zutrittsmanagement und der Handel mit THG-Quoten, also Bausteine, die aus technischer Steuerung erst ein betriebswirtschaftlich nutzbares Gesamtpaket machen.
Mit „Charge with Friends“ erweitert das Startup den Optimierungsradius über den einzelnen Standort hinaus. Die Plattform vernetzt Logistikunternehmen so, dass sie ihre Depot-Ladesäulen gegenseitig nutzen können. Der Preis wird dabei nach Beschreibung von den Lade-Inhabern selbst festgelegt, die Abrechnung läuft automatisch über die Plattform. Im Kern adressiert das die typische Unterauslastung eigener Ladeparks: Viele Transportfirmen investieren in eigene Infrastruktur, können die Kapazitäten aber oft nur teilweise nutzen, weil Touren, Ladefenster und Fahrzeuge zeitlich nicht immer deckungsgleich sind. Wenn Ladeinfrastruktur geteilt wird, amortisieren sich die Investitionen schneller; gleichzeitig müssen Lkw auf Tour weniger häufig an teuren öffentlichen Säulen nachladen. Als Zielgröße nennt das Unternehmen 30 bis 40 Cent netto pro Kilowattstunde, während öffentliches Laden für E-Lkw oft 50 Cent und mehr kostet.
Die regionale Umsetzung folgt der Nachfrage nach „bilateralem“ Laden. Laut kW-Solutions wurden seit Start an zehn Standorten rund 700 Megawattstunden halböffentlich und bilateral geladen. Zwei Standorte in Niedersachsen ermöglichen das Laden nun auch in Deutschland; bis Jahresende soll das Netz ganz Österreich abdecken und auf etwa 20 Standorte wachsen. Die Logik dahinter ist ebenso pragmatisch wie skalierbar: Je mehr Depots mit passenden Ladefenstern verfügbar sind, desto weniger müssen Flotten mit kurzfristigen Ausweichentscheidungen arbeiten. Darüber hinaus ordnet das Unternehmen zwei Zielmärkte als Schwerpunkte ein: neben der Logistik auch den Wohnbau, wo es Ladepunkte in Mehrfamilienhäusern betreibt, ebenfalls mit Fokus auf Deutschland.
Wettbewerbstechnisch trifft kW-Solutions auf mehrere etablierte Akteure, die teils unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Das Münchner Unternehmen The Mobility House bietet Energie- und Lademanagement für Flotten bereits seit Jahren an, während Milence als Gemeinschaftsunternehmen von Daimler Truck, Traton und Volvo europaweit öffentliche Ladeparks für schwere Lkw aufbaut. Der Unterschied liegt damit nicht nur im Angebot, sondern in der Zielsetzung der Wertschöpfung: Während der Aufbau öffentlicher Ladeparks stärker auf Netzabdeckung zielt, fokussiert kW-Solutions stärker auf das Zusammenspiel aus Depot-Infrastruktur, Energiesteuerung und Plattformlogik für geteiltes Laden. Für Deutschland kann das ein Vorteil sein, wenn sich Betreiber bewusst für eine effizientere Nutzung bestehender Depots entscheiden statt zusätzlich in hochpreisige öffentliche Kapazitäten zu investieren.
Auch intern baut kW-Solutions die Führungsebene aus, um die Wachstumsdynamik abzusichern. Marina Matkovic, seit 2024 bei kW-Solutions und bisher Head of Finance, wird zur Prokuristin. Das Unternehmen begründet den Schritt damit, dass das Wachstum sich in den Führungsstrukturen abbilden müsse und Verantwortung bewusst auf mehrere Schultern verteilt werden soll. Damit wird ein typisches Skalierungsproblem adressiert, das bei energie- und flottennahen Plattformen schnell auftritt: Mit wachsender Kundenbasis steigen sowohl die Anforderungen an den operativen Betrieb als auch die Komplexität in Abrechnung, Zutritts- und Energiedaten. Für die nächste Phase entscheidet sich die Expansion damit nicht nur daran, ob neue Kunden gewonnen werden, sondern ob kW-Solutions „Charly“ und „Charge with Friends“ prozessseitig so stabil betreibt, dass die versprochenen Vorteile bei Stromkosten und Auslastung auch im deutschen Rollout zuverlässig funktionieren.
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