LONDON (IT BOLTWISE) – Leica positioniert die SL3-P als Allrounder für Fotos und Videos zwischen SL3 und SL3-S. Die Kamera liefert einen Vollformatsensor mit 44,9 Megapixeln, einen elektronischen Sucher mit 5,76 Millionen Bildpunkten sowie Videofähigkeiten bis 8K bei 30 fps. In der Praxis überzeugen vor allem die Bildstabilisierung, die hilfreichen Videotools und die Fokus-Erkennung für Menschen, Tiere und Fahrzeuge. Gleichzeitig bleibt der Preis hoch: 5.990 Euro ohne Objektiv, und beim Lieferumfang fehlt ein Ladegerät.

Mit der SL3-P erweitert Leica seine spiegellose SL-Serie um eine Variante, die sich nicht auf eine einzige Disziplin festlegen möchte. Im Kern geht es um den typischen Spagat der Marke: kompromissorientierter gegenüber der teuersten SL3, aber weiterhin deutlich über dem Niveau dessen, was viele Wettbewerber für ähnliche Sensorklassen verlangen. Während die M-Serie traditionell auf den Messsucher-Workflow setzt und Videoaufnahmen historisch nicht im Mittelpunkt standen, ist die SL-Plattform Leicas Antwort für Filmemacher und Fotografen, die in einem System beides erledigen wollen.
Technisch beginnt die SL3-P bei der Hardwarebasis: Das Gehäuse besteht aus einer Magnesiumlegierung und Aluminium und ist nach IP54 gegen Staub und Wasser geschützt. Dazu kommt ein griffiger Kunstleder-Überzug, der im Test zwar sicheren Halt bietet, sich aber eher nach Arbeitsgerät anfühlt als nach „Designobjekt“. Auffällig ist außerdem die modifizierte Markenidentität: Statt des roten Leica-Punkts in der M-Tradition setzt Leica den Firmennamen in großen weißen Lettern auf das Suchergehäuse. In der Hand spielt die Kamera ihre Stärke über den rechten Handgriff aus, der die Ergonomie deutlich an eine klassische Spiegelreflexkamera annähert. Gleichzeitig bringt sie mit 768 Gramm ohne Akku und Objektiv spürbar Gewicht auf die Waage; zum Vergleich wird für eine M EV1 ohne Akku und Optik 413 Gramm genannt.
Für das Bild-Feeling sind Bedienung und Sicht zentral, und Leica entscheidet sich bei der SL3-P für ein konsistentes Zusammenspiel aus kippbarem Display und hochauflösendem elektronischen Sucher. Das Display löst mit 3,2 Zoll auf, der digitale Sucher erreicht 5,76 Millionen Bildpunkte und unterstützt Bildraten von 60 und 120 fps. Der Augensensor schaltet automatisch zwischen Display und Sucher um, während sich die Dioptrieneinstellung im Bereich von -4 bis +2 bewegt. Besonders in der Praxis wirkt die hohe Bildrate: Inhalte erscheinen dadurch deutlich flüssiger, was gerade beim schnellen Verfolgen oder beim präzisen Framing vor der Aufnahme spürbar hilft.
Beim Bedienen geht Leica einen Schritt weiter, als es auf den ersten Blick vermuten lässt. Auf der Oberseite sitzt ein weiteres monochromes LC-Display (1,28 Zoll), das bei starker Sonne gut lesbar bleibt, weil es mit reflektierendem Hintergrund arbeitet. Dazu kommen frei konfigurierbare Räder und Knöpfe, deren unbeschriftete Auslegung zwar eine Eingewöhnungszeit verlangt, aber nach kurzer Umstellung die Arbeitsgeschwindigkeit erhöhen kann. Im Fotomodus und Videomodus lassen sich unterschiedliche Belegungen nutzen, und sogar der zweigeteilte Taster an der Vorderseite neben dem Objektiv ist frei belegbar. Der Effekt ist nicht nur Komfort: Wer zwischen Foto- und Videoroutine wechselt, kann die Steuerlogik an seine Gewohnheiten anpassen statt sich dauerhaft an ein starres Bedienlayout zu binden.
In der Bildgebung setzt die SL3-P auf einen CMOS-Vollformatsensor mit 44,9 Megapixeln und positioniert sich damit zwischen den Angaben für SL3 (60,3 MP) und SL3-S (25,3 MP). Als Prozessor kommt Leicas Maestro IV zum Einsatz. Für Fotos nennt der Test native Auflösungen bis 8.144 x 5.424 Pixel, die Verschlusszeiten reichen mechanisch von 30 Minuten bis 1/8000 Sekunde und elektrisch bis 1/16000 Sekunde bei 12 Bit. Bei der Empfindlichkeit werden für Fotoaufnahmen 50 bis 200.000 ISO angegeben, für Videos 50 bis 100.000 ISO. Videoaufnahmen gehen bis 8K mit bis zu 30 fps; für 4K nennt die SL3-P bis zu 120 fps, womit sie laut Test weder SL3 noch SL3-S in dieser Form erreichen. Unterstützt werden zahlreiche Formate, Bitraten und Codecs, darunter Apples ProRes bis zu 5,8K sowie In-Camera-LUTs. Dazu kommt ein praktischer Produktionshebel: Über den USB-C-Ausgang (USB 3.1 Gen2) lassen sich Aufnahmen direkt auf eine SSD schreiben.
Für Videopraxis und Fokusleistung liefert Leica außerdem ein Paket, das sich im Alltag bemerkbar macht. Der Videomodus ist farblich vom Fotomodus getrennt und wird über einen Knopf aktiviert, während Aufnahmehilfen wie Focus Peaking und ein Falschfarbenbelichtungsoverlay sowie ein Histogramm die Belichtungsteuerung erleichtern. Auch der Audio-Part ist über ein internes Stereomikrofon abgedeckt; externe Mikrofone lassen sich per 3,5-mm-Eingang anbinden. Für die Bildschärfe arbeitet die SL3-P mit einem Hybrid-Autofokussystem aus Kontrastmessung, Tiefen-Mapping und Phasenvergleich. Für den Phasenvergleich werden 819 AF-Punkte verwendet, und es soll auch bei bis zu 40 Bildern pro Sekunde zuverlässig funktionieren. Ergänzt wird das Ganze durch Intelligenz in mehreren Richtungen: Menschen, Tiere und Fahrzeuge werden automatisch erkannt, zudem lässt sich steuern, worauf fokussiert wird (etwa Auge/Gesicht/Körper oder nur Auge/Gesicht; bei Tieren wahlweise Körper oder zusätzlich Augen; bei Fahrzeugen entweder das ganze Fahrzeug oder Teile). Im Test wird die Erkennungs- und Nachführleistung als gut beschrieben, mit schnellem „Ankommen“ im Bild bei Personen und Hunden sowie der Perspektive, dass sich damit mit geeigneten Teleobjektiven auch temporeiche Szenen abbilden lassen.
Die Bildqualität wird im Test insgesamt als sehr stark eingeordnet: Der Vollformatsensor liefert exzellente Schärfe, das verwendete Summicron-SL 1:2/35 Asph verzeichnet nicht, und die JPG-Ausgabe im Standardmodus wird als bereits sehr gut bewertet. Das Rauschverhalten wird bis 6.400 ISO als vernachlässigbar beschrieben; RAW-Dateien bieten laut Bericht eine solide Basis sowohl für kreative Bearbeitung als auch für Situationen, in denen man Dynamikumfang ausgewogener gestalten möchte. Gleichzeitig gibt es Schwächen: Bei starkem Sonnenschein wird ein wenig Kontrast vermisst, was mit RAW-Dateien aber relativ leicht zu korrigieren sei. Ergonomie und Stabilisierung werden ebenfalls als Pluspunkte genannt, unter anderem weil die in die Kamera integrierte optische 5-Achsen-Stabilisierung bereits aus der Hand gute Videoaufnahmen ermöglicht.
Finanziell bleibt die SL3-P jedoch eine klare Entscheidung für Leica-Fans und professionelle Anwender mit entsprechendem Budget. Ohne Objektiv kostet sie 5.990 Euro und liegt damit 1.000 Euro unter der SL3, aber 800 Euro über der SL3-S. Mit dem Vario-Elmarit-SL 1:2.8/24-70 Asph im Kit werden 7.490 Euro genannt, mit dem 1:2.8/28-70 Asph-Set 6.990 Euro. Das im Test eingesetzte Summicron-SL 1:2/35 Asph kostet 2.450 Euro. Dazu passt die Kritik an Details: Leica liefert laut Test kein Ladegerät mit, der Akku wird stattdessen über USB-C geladen, und der mitgelieferte Gurt wirkt weniger hochwertig als die Kamera selbst. Für viele Käufer wird sich daran die Frage entscheiden, ob die Kombination aus Vollformat, 8K-Video, Fokusintelligenz und frei konfigurierbaren Bedienelementen den Premium-Aufschlag rechtfertigt, zumal Konkurrenten mit ähnlicher Leistung wie Nikon Z8, Sony Alpha 7R V oder Canon EOS R5 Mark II teils deutlich günstiger angeboten werden und auch Panasonic mit einer L-Mount-Alternative im gleichen Sensorsegment eine wirtschaftlichere Route bietet.
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