NIEDERBAYERN / LONDON (IT BOLTWISE) – Ab 1. Oktober 2026 startet deutschlandweit der Licht-Sicht-Test zum 70. Mal. Autofahrer können die Beleuchtungsanlage im gesamten Oktober in teilnehmenden Kfz-Meisterbetrieben kostenlos prüfen und bei Bedarf die Licht-Sicht-Plakette 2026 erhalten. Die Aktion erweitert seit 2025 auf Wunsch den Check auch auf Wischerblätter, Reifen und die Windschutzscheibe. Parallel kündigen Sicherheitsbehörden im Herbst verstärkte Kontrollen an, insbesondere für Pkw und Schwerlastverkehr.

Wer im Herbst regelmäßig hinter einem schlecht eingestellten Licht herfährt, merkt den Unterschied oft erst, wenn es zu spät ist: Blendung stört nicht nur den Gegenverkehr, sondern senkt auch die Wahrnehmung bei wechselnden Sichtverhältnissen. Genau hier setzt der Licht-Sicht-Test an, der am 1. Oktober 2026 in Deutschland in die nächste Runde geht – zum 70. Mal. Träger der Aktion sind die Deutsche Verkehrswacht (DVW) sowie der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) und der Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV-Kfz). Der Ursprung der Initiative wird auf 1956 datiert; der Gedanke ist geblieben: einmal jährlich die Beleuchtungsanlage so prüfen, dass Funktion und Einstellung stimmen.
Technisch betrachtet geht es dabei nicht nur um „geht oder geht nicht“, sondern um die korrekte Ausrichtung der Lichtkomponenten. Fachkräfte kontrollieren in den teilnehmenden Werkstätten sowie bei beteiligten Prüf-Organisationen sämtliche relevanten Lichtpunkte auf Funktion und Einstellung. Nach erfolgreichem Abschluss wird die Licht-Sicht-Plakette 2026 vergeben – ein sichtbares Ergebnis, das auch den Halter motivieren soll, den Wartungszustand konstant im Blick zu behalten. Die Veranstalter rechnen in diesem Jahr mit starkem Zuspruch: Erwartet werden rund vier Millionen Fahrzeugprüfungen. Laut Angaben des ZDK werden dabei erfahrungsgemäß etwa drei Millionen Plaketten an Fahrzeuge ausgegeben, die ohne Mängel durch den Test kommen.
Für die Umsetzung im Werkstattalltag ist die Erweiterung seit 2025 besonders relevant. Autofahrer können auf Wunsch neben den Leuchtelementen auch die Wischerblätter, die Reifen sowie die Windschutzscheibe begutachten lassen. Damit verknüpft der Licht-Sicht-Test die Sichtprüfung mit den häufigsten realen Fehlerquellen im Straßenbetrieb: Regen- oder Winterfahrten scheitern selten an einem einzelnen Defekt, sondern daran, dass mehrere Komponenten gleichzeitig „mitarbeiten müssen“ – vom Wischergebnis bis zur Traktion. Gleichzeitig bleibt die Kostenlogik pragmatisch: Die reine Sichtprüfung und das Beheben kleinerer Mängel sollen in der Regel kostenfrei bleiben. Umfassendere Reparaturen, notwendige Ersatzteile oder zusätzliche Einstellarbeiten sind dagegen kostenpflichtig und erfolgen nur nach ausdrücklicher Rücksprache mit den Fahrzeughaltern.
Die Notwendigkeit der jährlichen Überprüfung wird in der Auswertung aus dem Jahr 2025 mit konkreten Quoten unterstrichen. Bei Pkw lag demnach der Anteil fehlerhafter Beleuchtung bei 27,8 % – nach 25,3 % im Jahr 2024. Besonders auffällig waren dabei laut Detailauswertung die Hauptscheinwerfer mit 19,7 % sowie die rückwärtige Beleuchtung mit 10,1 % der Beanstandungen. Dazu kommen Einstellfehler: 9,5 % der Scheinwerfer waren zu hoch und 8,5 % zu niedrig eingestellt. Bei Nutzfahrzeugen wurde 2025 eine Mängelquote von 32,1 % genannt; gegenüber dem Vorjahr mit 33,1 % ergibt sich zwar eine leichte Verbesserung, aber der Wert bleibt hoch. Auch hier unterscheiden sich die Fehlerbilder: Die Mängelquote der Hauptscheinwerfer lag bei 23,1 %, die Heckbeleuchtung wurde in 17,5 % der Fälle beanstandet. Blendungen durch zu hoch eingestellte Scheinwerfer wurden bei 12,7 % der Fahrzeuge festgestellt.
Im Herbst kommt zusätzlich Bewegung in die Vollzugsseite. Parallel zur Serviceaktion kündigen Sicherheitsbehörden verstärkte Kontrollen an: Das Polizeipräsidium Niederbayern sowie die Bayerische Polizei in der Oberpfalz wollen im Oktober 2026 ein besonderes Augenmerk auf vorschriftsmäßige Beleuchtung von Pkw und Schwerlastverkehr legen. Das Bayerische Verkehrssicherheitsprogramm 2030 „Bayern mobil – sicher ans Ziel“ wird dabei als Rahmen genannt. Wichtig für Halter ist auch die praktische Empfehlung, die aus dem Kontrollfokus abgeleitet wird: nicht nur Scheinwerfer im engeren Sinn sauber halten, sondern ebenso Spiegel und Scheiben, damit die Lichtausbeute nicht durch Verschmutzung „verloren geht“. Daneben sollen Fahrer die Geschwindigkeit den Sichtverhältnissen anpassen, weil selbst korrekt eingestellte Beleuchtung bei falscher Fahrweise keine sichere Reaktionsreserve ersetzt.
Auch regional gibt es ergänzende Anlaufstellen. So führt die TÜV-NORD-Station in Oberhausen im Oktober kostenlose Checks für Autos und Motorräder durch. In Lamstedt organisieren die örtliche Verkehrswacht und eine GTÜ-Prüfstelle am Samstag, den 10. Oktober 2026, einen Aktionstag; dort soll zusätzlich ein Bremsentest möglich sein. Wer den Termin vorbereitet, kann sich an typischen Prüfpunkten orientieren: Wie die Licht-Sicht-Plakette vergeben wird, hängt an Funktion und Einstellung – und gerade bei Hauptscheinwerfern zeigen die Zahlen, dass die Abweichungen häufig nicht „selten“, sondern regelmäßig vorkommen. Flankierend wird zudem darauf hingewiesen, dass im winterlichen Betrieb seit 2024 ausschließlich Reifen mit dem Alpine-Symbol zulässig sind; eine reine M+S-Kennzeichnung soll dafür nicht mehr ausreichen. Zur Motivation der Teilnehmer ist außerdem ein Gewinnspiel vorgesehen, bei dem als Hauptpreis ein vollelektrischer BYD Atto 2 im Finn-Auto-Abo für zwölf Monate ausgelost werden soll.
Für Unternehmen und Betriebe ergibt sich daraus ein klarer operativer Impuls: Wenn im Oktober ohnehin mehrere Millionen Prüfungen anstehen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Werkstätten einen zusätzlichen Ansturm auf „Sichtthemen“ verzeichnen – inklusive kurzfristig nachgefragter Nachjustierungen. Gleichzeitig bietet der Licht-Sicht-Test einen niedrigschwelligen Einstieg in weitere Sicherheitsservices, etwa wenn nach dem Check deutlich wird, dass Reifenprofil, Wischerwirkung oder Scheibenzustand den Gesamteindruck der Fahrzeugsicherheit begrenzen. Selbst wenn der Schwerpunkt weiterhin bei der Beleuchtung liegt, zeigt die Erweiterung seit 2025, wie eng Sicht, Traktion und Ausleuchtung im realen Straßenbetrieb zusammenhängen. Und während der Herbstkontrollfokus die Dringlichkeit erhöht, bleibt die beste Stellgröße für Halter und Flottenmanager die gleiche: rechtzeitig prüfen lassen, bevor sich aus einem planbaren Service ein ungeplantes Risiko macht.
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