NEAPEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Protestierende Lkw-Fahrer blockieren im Süden Italiens Straßen und Autobahnen und stoppen damit den Transport von Büffelmilch zu den Käsereien. Das Konsortium „Mozzarella di Bufala Campana DOP“ warnt, dass viele Bauern ihre Milch seit mehreren Tagen nicht mehr rechtzeitig liefern können. Für die geschützte DOP-Produktion muss die Milch innerhalb von 60 Stunden verarbeitet werden, sonst droht Verderb durch begrenzte Lagermengen. Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni reagiert mit einem Maßnahmenpaket aus Steuererleichterungen und finanzieller Hilfe für Landwirtschaft und Transportgewerbe.

Im Süden Italiens wird aus einem Transportstreik rasch ein Produktions- und Qualitätsproblem: Straßenblockaden durch Lkw-Fahrer treffen die Büffelmozzarella-Kette aus Kampanien an einer sehr frühen Stelle. Laut Angaben des Konsortiums zum Schutz der „Mozzarella di Bufala Campana DOP“ können viele Büffelmilchbauern ihre Milch seit vier Tagen nicht mehr zu den Käsereien bringen. Gleichzeitig bleiben Lieferungen der fertigen Mozzarellas an den Handel aus. Damit geraten nicht nur einzelne Betriebe unter Druck, sondern auch ein Prozess, der zeitlich eng getaktet ist.
Die Logik hinter dem Engpass ist technisch und gleichzeitig banal: Für die Herstellung der Mozzarella mit geschützter Herkunftsbezeichnung (DOP) muss die Büffelmilch innerhalb von 60 Stunden nach dem Melken verarbeitet werden. Auf den Höfen sind die Lagertanks nur für begrenzte Mengen ausgelegt; wenn der Transport ausfällt, verkürzt sich die verfügbare Zeitfenster für die Verarbeitung zusätzlich durch Verzögerungen im Tagesablauf. In Kampanien werden demnach täglich 650.000 Liter Büffelmilch produziert. Jeder Tag ohne funktionierende Lieferkette erhöht damit unmittelbar die Wahrscheinlichkeit von Verderb und reduziert die Menge, die überhaupt in den DOP-Prozess eingehen kann.
Dass die Blockaden auf die Produktion durchschlagen, zeigt sich auch bei den nachgelagerten Schritten. Ein Molkerei-Chef aus Kampanien beschreibt, dass man zwar zunächst davon ausging, weiterarbeiten zu können, weil sich Lieferhöfe und Molkerei in kurzen Distanzen zueinander befinden. In der Praxis reichte das aber nicht: Zusätzlich zu fehlenden Transportmöglichkeiten fehlten laut seinen Angaben auch Verpackungsmaterialien, selbst Styroporboxen für den Versand seien nicht verfügbar. Dadurch verlagert sich der Engpass von der Beschaffung der Rohmilch auf die gesamte Produktions- und Versandlogistik. Medienberichten zufolge belaufen sich die Einnahmeausfälle der Industrie auf rund drei Millionen Euro täglich.
Die Proteste laufen seit vergangener Woche und sind der klassischen Kausalität aus Energiepreisen und Transportkosten verpflichtet: Lkw-Fahrer blockieren Straßen und Autobahnen, um gegen hohe Treibstoffpreise zu protestieren. In vielen Supermärkten konnten die Regale zuletzt nicht mehr wie gewohnt gefüllt werden, zudem leerten sich Zapfsäulen an Tankstellen. Für Unternehmen entsteht dadurch ein doppeltes Risiko. Erstens leidet die eigene Versorgung durch fehlende Transportkapazitäten und Fahrplanbrüche. Zweitens steigen die Folgekosten durch Umplanungen, Preisunsicherheiten und zusätzliche Puffer, etwa in Form von höheren Beständen oder Notlogistik.
Die Regierung in Rom versucht, die akute Lage abzufedern. Das Maßnahmenpaket von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sieht unter anderem Steuererleichterungen und finanzielle Hilfe für Lkw-Fahrer, Landwirte und Fischerei vor: Rund 60 Millionen Euro für die Landwirtschaft, zehn Millionen Euro für die Fischerei. Zusätzlich sind weitere 60 Millionen Euro als Hilfen für das Transportgewerbe vorgesehen, um die stark gestiegenen Treibstoffpreise abzumildern. Damit greift die Politik sowohl in die Primärproduktion als auch in die Transportkomponente ein, also genau in den Teil der Wertschöpfungskette, der durch die Blockaden unterbrochen wurde.
Ob das Paket die Protestdynamik beruhigt, ist jedoch nicht ausgemacht. Einige Protestierende sehen die Maßnahmen als nicht ausreichend an; in der süditalienischen Großstadt Neapel soll ein Lkw-Konvoi gegen das Paket mobilisiert worden sein. Zuvor hatten Vertreter von Lkw-Fahrern aus den Regionen Kalabrien, Kampanien und Sizilien angekündigt, die Proteste zu einem späteren Zeitpunkt auslaufen zu lassen. Für die Praxis bedeutet das: Selbst wenn politische Maßnahmen greifen, entscheiden am Ende die kurzfristige Wiederherstellung verlässlicher Transportfenster und die Versorgung mit Verpackungs- und Logistikkomponenten darüber, ob Produkte wie DOP-Mozzarella wieder in stabilen Mengen verfügbar sind.
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