LONDON (IT BOLTWISE) – Die Lufthansa Group hat ihre Ergebnisprognose für 2026 angepasst und hält nun auch einen Rückgang des operativen Ergebnisses für möglich. Ausschlaggebend sind gestiegene Unsicherheit durch volatile Kerosinpreise und kurzfristigere Buchungen im Passagiergeschäft. An der Börse sorgten die Quartalszahlen für Druck auf die Aktie, während der Konzern im zweiten Quartal deutlich weniger verdient hat als im Vorjahr. Zudem kündigte der Konzern geringeres Kapazitätswachstum im Passagiergeschäft für 2026 an.

Lufthansa senkt Prognose: Kerosinkosten und Streiks drücken 2026-EBIT
Lufthansa senkt Prognose: Kerosinkosten und Streiks drücken 2026-EBIT (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Lufthansa Group nimmt der eigenen Ergebnisplanung in diesem Jahr ein Stück Luft: Für 2026 erwartet der Konzern beim bereinigten EBIT zwar weiterhin eine Spanne, die am oberen Ende den bisherigen Erwartungen nahekommt, doch am unteren Ende ist explizit ein Rückgang möglich. In der Begründung führt das Unternehmen vor allem die gestiegene Unsicherheit zurück, die laut Mitteilung aus der hohen Volatilität des Kerosinpreises sowie aus kurzfristigeren Buchungen im Passagiergeschäft entsteht. Genau diese Kombination ist für Airlines riskant, weil sie die üblichen Planungsmodelle entkoppelt: Treibstoffkosten lassen sich zwar über Hedging teilweise glätten, aber nicht vollständig, und die Erlösseite reagiert dann oft erst verzögert auf Nachfrageänderungen.

An der Börse schlägt sich diese Einordnung unmittelbar nieder. Die Lufthansa-Aktien standen nach den Quartalszahlen erneut unter Druck: Vorbörslich auf Tradegate verloren sie 4,5 Prozent im Vergleich mit dem Xetra-Schluss auf 8,82 Euro. Damit rückt auch das Juli-Tief bei 8,454 Euro wieder in den Fokus, das „knapp zwei Wochen“ zuvor markiert wurde. Solche technischen Marken sind im kurzfristigen Handel wichtig, weil sich dort häufig Stop-Orders, spekulative Setups und Liquidität bündelten; gleichzeitig zeigen sie, wie stark Marktteilnehmer die Prognoseanpassung als Signal für die künftige Ergebnisdynamik interpretieren.

Operativ liefern die Zahlen für das zweite Quartal den Kontext. Der Konzernumsatz stieg im Zeitraum April bis Juni um 8 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro, doch das bereinigte EBIT brach auf 383 Millionen Euro ein, nach 870 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Noch deutlicher wird die Ergebnisschwäche über die Marge: Die bereinigte EBIT-Marge schrumpfte von 8,4 Prozent auf 3,4 Prozent. Als Haupttreiber nennt der Konzern die Kerosinkosten, die rund 750 Millionen Euro über dem Vorjahreswert lagen; hinzu kommen finanzielle Belastungen in mindestens zweistelliger Millionenhöhe, die mit Streiks in Verbindung gebracht werden. Unter dem Strich blieb damit ein Konzerngewinn von 123 Millionen Euro gegenüber rund 1 Milliarde Euro im zweiten Quartal des Vorjahres, während der bereinigte freie Cashflow bei minus 365 Millionen Euro lag nach einem Plus von 138 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Auch im Vergleich zu den Erwartungen fällt die Enttäuschung aus. Im Konsens wurden für das Quartal ein bereinigtes EBIT von 401 Millionen Euro sowie ein Konzerngewinn nach Steuern und Anteilen Dritter von 331 Millionen Euro erwartet; beim freien Cashflow lag die Marktannahme bei minus 50 Millionen Euro. Lufthansa hingegen meldete sowohl beim EBIT als auch beim Ergebnis unter dem Strich schwächere Werte und beim Cashflow eine deutlich größere Belastung. Konzernchef Carsten Spohr ordnete das im Wortlaut ein: „Wir schauen heute auf ein anspruchsvolles zweites Quartal zurück, das erneut von Krisen und geopolitischen Unsicherheiten geprägt war. Trotz unserer nochmals verbesserten Auslastung und deutlich gesteigerten Durchschnittserlöse konnten die signifikant gestiegenen Treibstoffkosten nicht vollständig kompensiert werden.“ Diese Passage erklärt den Zielkonflikt des Managements: Auslastung und Durchschnittserlöse können sich verbessern, aber sie reichen offenbar nicht aus, um Kostensteigerungen in dieser Größenordnung vollständig zu neutralisieren.

Für 2026 ergänzt der Konzern die Ergebnisanpassung um weitere operative Leitplanken. So kündigte Lufthansa an, dass die Kapazitäten der Passagierairlines im Gesamtjahr auf Vorjahresniveau liegen werden. Bisher hatte das Unternehmen einen Anstieg um bis zu 2 Prozent in Aussicht gestellt. Die Nachfrage wird dennoch als intakt beschrieben, was in der Logik der Lufthansa-Planung plausibel ist: Wenn die Nachfrage stabil bleibt, verschiebt sich der Schwerpunkt der Steuerung eher von „mehr anbieten“ hin zu „besser absichern“ – etwa über die Ausrichtung der Kapazität auf profitablere Routen, das Timing der Flugpläne und die Geschwindigkeit, mit der sich Buchungsfenster in Erlöse übersetzen. Genau hier können kurzfristigere Buchungen aber zu Abweichungen in der Deckung führen, weil die Erlösseite dann empfindlicher auf kurzfristige Preissignale reagiert.

Marktseitig lohnt sich die Einordnung auch im Vergleich zu typischen Airline-Szenarien: In Phasen mit stark schwankenden Kraftstoffpreisen und hoher Unsicherheit werden Prognosen häufig nicht nur „näherungsweise“ nach unten korrigiert, sondern in eine Spanne überführt, in der Managementhandlungsfähigkeit und Kostenrisiken abgebildet sind. Lufthansa setzt dabei auf die bereinigte EBIT-Betrachtung als Kernkennzahl; dass der obere Bereich der neuen Spanne dennoch auf Höhe des Konsenses liegt, deutet darauf hin, dass der Markt die operativen Risiken bereits teilweise eingepreist hatte. Die größere Frage bleibt jedoch, wie schnell sich die Cashflow-Dynamik stabilisiert und ob sich das Umfeld so dreht, dass geringeres Kapazitätswachstum nicht zur Ergebnisbremse wird. Für Anleger und operative Entscheider ist daher weniger die reine Prognose-Spanne entscheidend als die Kombination aus Treibstofftrend, Streikrisiken, Buchungsstruktur und der Fähigkeit, Erlöse und Auslastung in schwierigen Quartalen dauerhaft zu halten.

Für Entscheider in der Branche markiert die Entwicklung außerdem ein Signal: Ergebnisstabilität hängt zunehmend an kurzfristigen Variablen, die sich nicht allein über Kapazitätsentscheidungen steuern lassen. Wenn Kerosinkosten mehrere Hundert Millionen Euro mehr kosten als im Vergleichszeitraum und gleichzeitig externe Störungen wie Arbeitsnutzung zu finanziellen Belastungen führen, rücken technische und organisatorische Stellhebel in den Vordergrund – etwa wie Unternehmen Forecasts aktualisieren, Preisrisiken managen und Kapazität in eine verkaufbare Nachfrage übersetzen. Auch wenn Künstliche Intelligenz in der operativen Detailplanung vieler Fluggesellschaften längst eine Rolle spielt, bleibt die Kernwirkung in solchen Quartalen trotzdem eine betriebswirtschaftliche: Ohne Kostendeckung schlagen sich selbst Verbesserungen bei Auslastung und Durchschnittserlösen in der Marge nieder. Vor diesem Hintergrund wird die Entwicklung der nächsten Quartale zeigen müssen, ob 2026 vor allem als Stabilitätsaufgabe verstanden wird oder ob der Ergebnisrückgang zur realistischen unteren Variante wird.


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