LONDON (IT BOLTWISE) – Jovanka Porsche startet „Wege in die Zukunft“ als Pilotprojekt für ein Konferenzformat auf Schienen. Vom 18. Oktober bis zum 4. November reisen rund 80 ausgewählte Teilnehmende per Bahn von Duisburg bis nach Xi’an. Der Luxuszug bietet neben Bar und Piano auch Raum für intensiven Austausch, wobei aus Platzgründen jeweils nur etwa 30 Personen an Bord sein sollen. Themen reichen von Stadtplanung und Künstlicher Intelligenz bis Lebensmittelsicherheit und der Zukunft der Arbeit.

Jovanka Porsche nutzt keinen klassischen Konferenzkalender, sondern setzt auf einen beweglichen Begegnungsraum: Unter dem Motto „Wege in die Zukunft“ sollen kluge und einflussreiche Köpfe vom 18. Oktober bis zum 4. November überwiegend mit der Bahn von Duisburg bis nach Xi’an in China reisen. Das Projekt ist dabei nicht als reine Erlebnisreise angelegt, sondern als bewusst kuratiertes Format, das lange Wege in einen gemeinsamen Denkprozess verwandeln soll. Porsche beschreibt das Modell als Antwort auf Mega-Events wie das Weltwirtschaftsforum in Davos, bei dem die Vielzahl der Termine die echte Diskussion ausbremse.
Inhaltlich steht die Frage im Zentrum, wie Austausch unter realen Bedingungen gelingt: nicht nur Vorträge, sondern Gespräche, die sich über Stunden und Zwischenstationen erstrecken. Der Zug wird dafür als eigener Mikrokosmos gebaut. Ein Waggon glitzert mit einer Bar und einem Piano, zudem werden teils goldene Waschbecken und sogar eine Badewanne genannt, was vor allem eines signalisiert: Der Rahmen soll Komfort und Verweildauer liefern, damit Diskussionen nicht an formalen Event-Zeitplänen hängen bleiben. Porsche finanziert das Pilotprojekt laut Angaben aus eigener Tasche und will trotzdem mittelfristig ein tragfähiges Geschäftsmodell aufsetzen, das an das vielzitierte Membership-Prinzip großer Konferenzformate angelehnt ist.
Technisch und logistisch interessant wird es bei der Streckenführung, weil die Route die Symbolik der Seidenstraße in eine moderne Reiseabfolge übersetzt. Von Duisburg geht es zunächst nach Istanbul, danach folgt ein Flugtransfer nach Samarkand im usbekischen Teilstaatgebiet, bevor der nächste Zugabschnitt bis nach Almaty in Kasachstan führt. Von Khorgos, einer Grenzstadt zwischen China und Kasachstan, erreicht das Projekt schließlich Xi’an, das insbesondere durch die Terrakotta-Armee bekannt ist. Damit dient die Fahrt nicht nur als Kulisse, sondern als organisatorisches Taktgeberprinzip: Zwischenstationen erlauben jeweils neue Einstiege, Vor-Ort-Diskussionen und später die Publikation von Ergebnissen, die die Debatten über den Zug hinausreichen lassen.
Die Teilnehmendenliste kurz vor Reisebeginn umfasst laut Angaben rund 80 Namen; dabei finden sich sowohl Wissenschaftler als auch politisch bekannte Personen. Genannt werden unter anderem Armin Laschet, Philipp Rösler und Österreichs Ex-Kanzler Christian Kern. Außerdem wird das Mitwirken von Künstler Anselm Kiefer angedeutet, wobei offen bleibt, ob er auf einer Teilstrecke zusteigt. Ergänzend werden Jean-Rémy von Matt, Mitgründer der Werbeagentur Jung von Matt, und Tim Höttges, Konzernchef der Deutschen Telekom, genannt. Gleichzeitig setzt das Projekt eine harte physische Grenze: Aus Platzgründen sollen aus Sicht von Porsche stets etwa rund 30 Teilnehmer und Teilnehmerinnen an Bord sein, weil „alle müssen zum Essen und Diskutieren in einen Waggon passen“; der Großteil absolviert demnach nur eine Teilstrecke und macht Platz für weitere Gäste.
Gerade diese Kombination aus enger Kabinenlogik und wechselnder Gruppenzusammensetzung dürfte die inhaltliche Dynamik prägen. Die Themenpalette reicht von Stadtplanung über Künstliche Intelligenz und Lebensmittelsicherheit bis zur Zukunft der Arbeit. Dass während der Zwischenstationen auf Einladung der gastgebenden Städte öffentlich vor Publikum diskutiert werden soll, verschiebt den Charakter von einer geschlossenen Roundtable hin zu einem öffentlichen Format mit anschließender Auswertung. Für Teilnehmende bedeutet das: weniger „Gatekeeping“ durch feste Bühnenzeiten, mehr Kontinuität durch wiederkehrende Gespräche in einer gemeinsamen Umgebung, in der ein Teil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer erst an späteren Stationen hinzukommt.
Auch die Wahl des Starts in Deutschland ist als strategischer Marker formuliert. Duisburg wird laut Porsche wegen der Symbolik ausgesucht: Der größte Binnenhafen der Welt habe Anschluss an eine 11.000 Kilometer lange Bahnstrecke, die über Güterzüge genutzt wird und bis nach China führt. Damit verknüpft das Projekt das „Wie“ der Reise mit einer Aussage zur Wirtschafts- und Handelsrealität. Porsche macht zudem keinen Hehl daraus, dass sie mit dem Format ein besseres Verständnis für China fördern will; in der deutschen Politik werde ihr das Projekt teils als Reaktion auf eine vermeintlich „toxische“ Haltung und auf Frustrationen über westliche Überheblichkeit erklärt. Für 2027 ist bereits eine weitere Zugfahrt geplant, dann soll es zum Nachdenken und Debattieren durch Kenia gehen.
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