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LONDON (IT BOLTWISE) – Apple bringt erstmals Touchbedienung in die MacBook-Pro-Reihe und ersetzt damit ein Kernargument, das Steve Jobs 2010 gegen Touch am Notebook vorbrachte. Neben dem neuen „PROLED XDR“-Tandem-OLED verspricht der Hersteller messbar höhere Helligkeit und Kontrast gegenüber dem bisherigen Liquid Retina XDR. Für Videoschnitt wird vor allem spannend, wie gut sich Touch-Gesten in Final Cut Pro und in Profi-Workflows wie DaVinci Resolve einfügen. Neu ist außerdem Genlock-Support über Thunderbolt 5, der für Virtual-Production-Szenarien relevant wird.

MacBook Pro mit PROLED XDR und Touchscreen: Apples Jobs-Kehrtwende
MacBook Pro mit PROLED XDR und Touchscreen: Apples Jobs-Kehrtwende (Foto: IT BOLTWISE)
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Apple hat bei den aktuellen 14- und 16-Zoll-MacBook-Pros zwei Botschaften gleichzeitig gesetzt: ein sichtbar neues Display-Konzept und eine Bedienlogik, die auf dem Mac lange als „nicht nötig“ galt. Die Geräte setzen auf ein „PROLED XDR“ genanntes Tandem-OLED – und bringen damit erstmals auch einen Touchscreen in die MacBook-Pro-Klasse. Für viele Anwender wirkt das wie eine klare Richtungsentscheidung gegen eine frühere Design-Grundlinie. Denn bereits beim „Back to the Mac“-Event im Oktober 2010 hatte Steve Jobs Touch am Notebook ausdrücklich kritisch kommentiert und dabei unter anderem die ergonomische Wirkung einer senkrechten Touchfläche adressiert; dem Trackpad blieb damit das Alleinstellungsmerkmal.

Genau an dieser Stelle setzt die aktuelle Kehrtwende an. Apple positioniert die neue Touchbedienung ausdrücklich als Ergänzung zur klassischen Eingabe über Tastatur und Trackpad – nicht als Ersatz. Trotzdem ist die technische und praktische Frage damit nicht erledigt: Wenn sich Bedienkonzepte ändern, ändern sich auch Gewohnheiten, Körperhaltung und Interaktionsgeschwindigkeit. Interessant ist deshalb, dass Apple in den Produktdetails nicht in erster Linie eine „Touch-Alternative zum Trackpad“ anbietet, sondern eher versucht, potenzielle Reibepunkte zu entschärfen. Dazu gehört ein neues Scharnier, das das Display beim Antippen stabiler halten soll, sowie eine Videostabilisierung, damit das Kamerabild bei Videocalls nicht durch Erschütterungen wackelt.

Unterm Strich bleibt der Mac-Formfaktor aber bewusst Mac-typisch: Es gibt keinen Tablet- oder Klappmodus, der ein entspanntes horizontales Bedienmuster wie beim iPad nahelegen würde. Auch beim Eingabestift setzt Apple (zumindest „noch“) Grenzen, weil das Display anders als beim iPad nicht per Apple Pencil bedient werden kann. Das wirkt in zwei Richtungen: Für Animations- und Retusche-Workflows ist das natürlich ein Dämpfer, für den Mainstream-Consumer dagegen eher eine Vereinfachung. Für die Performance- und Schnitt-Realität rückt damit eine zweite Ebene nach vorn: Touch ist nur dann produktiv, wenn die Softwareinteraktion sauber unterstützt. Apple nennt hier als zentralen Pilot Final Cut Pro, wo Touch-Funktionen bereits beim Start verfügbar sein sollen – etwa zum Markieren von Bereichen, zum Platzieren von Clips in der Timeline per Berührung und über Zwei-Finger-Gesten für Zoom. Gleichzeitig wird deutlich, dass der Ökosystem-Umstieg nicht überall zeitgleich passiert: Drittanbieter wie DaVinci Resolve, Lightroom, Blender oder Cinema 4D erhalten Touch-Support laut Angabe über einen späteren Zeitpunkt im selben Jahr. Für viele bestehende Anwendungen bleibt aber ein pragmatischer Weg: macOS interpretiert Berührungen als Klicks, sodass auch ohne explizite Touch-UI-Integration zumindest grundlegende Interaktionen funktionieren können.

Während der Touchscreen die „Sensation“ liefert, bleibt das Display selbst das technische Fundament. Das 14,2-Zoll-Modell nutzt ein PROLED-XDR-Tandem-OLED mit einer Auflösung von 3.024 x 1.986 Pixeln; das 16,3-Zoll-Modell kommt auf 3.472 x 2.266 Pixel. Apple nennt dabei nicht nur Spitzenwerte, sondern vor allem eine dauerhaft hohe Helligkeit: Laut Datenblatt liefert das Panel dauerhaft 1.000 Nits im Vollbild, bei HDR sowie neu nun auch bei SDR. Für HDR-Inhalte werden 2.000 Nits Spitzenhelligkeit genannt – vorher waren es bei vergleichbaren Angaben 1.600 Nits. Für den Outdoor-Modus setzt Apple mit 2.000 Nits Spitze nochmals ein klares Signal auf bessere Sichtbarkeit; die Mindesthelligkeit bleibt wie bisher bei 1 Nit.

Auch in der Bildwiedergabe und Kalibrierung will Apple über die reine Helligkeit hinaus überzeugen. Neben P3 wird jetzt zudem Adobe RGB abgedeckt und laut Angabe über 80 Prozent von Rec.2020. Wichtig für professionelle Farbarbeit ist dabei die Serienkalibrierung: Jedes Panel wird ab Werk kalibriert, eigene Referenzwerte lassen sich mit dem Apple Pro Display Calibrator hinterlegen. Apple führt zudem eine Reihe von Referenzmodi auf – darunter HDR Video (P3-ST 2084), HDTV (BT.709/BT.1886) und Digital Cinema (P3-DCI und P3-D65) sowie weitere Modi, einschließlich DICOM-Varianten. Beim Thema OLED-Einbrennen adressiert Apple ebenfalls das Display-Engine-Management: Das System soll die Nutzung jedes Pixels überwachen und kompensieren. In der Praxis ist das entscheidend, weil Tandem-OLED nicht nur heller werden, sondern auch langfristig im jeweiligen Nutzerprofil zuverlässig bleiben muss.

Für Videoschnitt und Live-Setups kommt jedoch eine zweite, oft unterschätzte Neuerung hinzu: Genlock-Support. Die neuen PROLED-XDR-MacBook-Pros sollen Genlock über Thunderbolt 5 unterstützen – und zwar auch mit Drittanbieter-Hardware. Damit lässt sich die Bildausgabe des MacBook Pro mit einer Kamera oder mehreren Videogeräten auf einen gemeinsamen Takt synchronisieren. Das ist vor allem relevant, wenn Virtual-Production-Setups Flimmern und Tearing im Hintergrund vermeiden wollen. Bisher war diese Option eher Desktop-Macs vorbehalten; das 14-Zoll-MacBook Pro mit M6, das separat vorgestellt wird, muss ohne Genlock auskommen. In der Kombination aus schnellem Transport (Laptop) und synchronisierter Ausgabe (Genlock) entsteht damit ein neues Einsatzszenario für mobile Produktions-Teams, die sonst auf größere Systeme angewiesen waren.

Auch abseits der Display- und Synchronisations-Themen setzt Apple auf bekannte Chips, aber mit feinerer Systemauslegung. Innen arbeitet weiterhin ein M5 Pro oder M5 Max; Apple nennt eine überarbeitete Kühlarchitektur als Unterschied. Beim M5 Pro sind je nach Konfiguration 15-Core-CPU und 16-Core- oder 18-Core-GPU vorgesehen, verbunden mit 307 GB/s Speicherbandbreite und 24 bis 64 GB RAM. Der M5 Max bietet eine 18-Core-CPU mit 32-Core- oder 40-Core-GPU – mit 460 bzw. 614 GB/s Speicherbandbreite und bis zu 128 GB RAM. Für Video-Encoding ist die Differenz klar: Laut Angabe verfügt nur der M5 Max über zwei Video-Encoding- und zwei ProRes-Engines; bei AV1 wird dagegen vor allem die Hardware-Decodierung unterstützt. Die SSD skaliert beim M5 Pro bis 4 TB, beim M5 Max bis 16 TB; in der höchsten Konfiguration (16 Zoll, 18-Core CPU/40-Core GPU, 128 GB RAM, 16 TB SSD) nennt Apple einen Preis von 16.264 Euro. Schnittstellen bleiben weitgehend konsistent: drei Thunderbolt-5-Ports, HDMI mit Mehrkanal-Audio, SDXC-Slot, MagSafe 3, eine Kopfhörerbuchse für hochohmige Kopfhörer, plus Wi‑Fi 7 und Bluetooth 6. Dazu kommt eine Dynamic-Island-ähnliche Anzeige für Live-Aktivitäten am oberen Displayrand.

Mit der neuen Display- und Touch-Generation verschieben sich die Erwartungen an den mobilen Profi-Workflow spürbar. Schon die Displaydaten zielen auf konkrete Nachteile des früheren Liquid-Retina-XDR-Ansatzes: mehr Spitzenhelligkeit, dauerhaft mehr Helligkeit und eine breitere Farbabdeckung, die gerade bei HDR-Entscheidungen und längeren Grading-Sessions Aufwand reduziert. Der Touchscreen dagegen entscheidet sich daran, wie reibungslos er in echten Edit- und Timeline-Abläufen greift und ob Ermüdung ein Thema wird – hier liefern Scharnier- und Videostabilisierungsdetails zumindest erste Gegenmaßnahmen, Tests werden aber zeigen, wie „ergänzend“ sich das in der Praxis anfühlt. Schließlich sorgt Genlock über Thunderbolt 5 dafür, dass das MacBook Pro als Produktionswerkzeug auch in synchronisierten Video-Setups konkurrieren kann, wo bisher vor allem Desktop-Systeme im Vorteil waren. Preislich startet das 14-Zoll-Modell mit M5 Pro bei 3.299 Euro, das 16-Zoll bei 3.899 Euro; mit M5 Max beginnen die Preise bei 5.119 Euro (14 Zoll) bzw. 5.599 Euro (16 Zoll). Vorbestellungen sind ab sofort möglich, ausgeliefert wird ab 6. November.

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