LONDON (IT BOLTWISE) – McDonald’s will bis 2030 zusätzlich 1,5 Prozentpunkte im globalen Hähnchenmarkt gewinnen und parallel den Anteil beim Getränkegeschäft im gleichen Umfang steigern. Der Konzern reagiert damit auf teurer gewordenen Rindfleisch-Input und auf den schnellen Aufstieg von Hähnchen-Fastfoodketten. Die Expansion soll laut Management nicht zu Lasten der Burger gehen, sondern die eigene Stärke entlang der Liefer- und Betriebsprozesse nutzen. Zusätzlich stellt das Unternehmen rund 8,5 Mrd. US-Dollar für Mietkostenzuschüsse und Verbesserungen in Restaurants bereit.

McDonald’s spielt die nächste Runde im Fast-Food-Umfeld konsequent über Hähnchen: Das Unternehmen kündigt an, bis 2030 einen zusätzlichen Anteil von 1,5 Prozentpunkten am globalen Hähnchenmarkt anstreben zu wollen. Parallel peilt der Konzern eine Erhöhung des Getränkanteils um denselben Wert an. Entscheidend ist dabei nicht nur das Produktportfolio, sondern die Annahme, dass sich ein günstigerer Proteinmix in der Kundenwahrnehmung schneller durchsetzen kann als Rindfleisch – zumal steigende Inputpreise laut dem Unternehmen sowie höhere Energiekosten die Profitabilität bei Franchisenehmern belasten.
Technisch und operativ ist die Strategie vor allem eine Frage der Prozessfähigkeit: Hähnchen als Rohstoff ist zwar ernährungs- und warenkalkulatorisch anders zu handhaben als Rind, aber es lässt sich innerhalb eines standardisierten Restaurantbetriebs in bestehende Abläufe integrieren. Genau hier setzt McDonald’s an, wenn es betont, die zusätzliche Hähnchen-Nachfrage solle nicht zu einem Verdrängungsprozess führen: In den Aussagen zum Plan heißt es, man wolle die „leadership position in beef“ halten. Das klingt nach einem Balance-Ansatz für die Speisekarte – mehr Volumen über Chicken, ohne die Burgerbasis auszuhöhlen.
Der Markt liefert dafür einen messbaren Druck von außen. Laut der Darstellung in der Meldung trifft McDonald’s auf ein Umfeld, in dem KFC weiter expandiert und spezialisierte Hähnchenläden wie Popeyes und Wingstop stark wachsen. Gleichzeitig wird der Preishebel sichtbar: Berichten zufolge ist Rindfleisch in den USA und im Vereinigten Königreich in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 20% gestiegen. Wenn ein Kerninput teurer wird, verschiebt sich die Nachfrage typischerweise zu Optionen, die preislich stabiler wirken – und genau diese Wahrnehmung unterstützt die Argumentation der Analystenseite. Peter Backman, unabhängiger Food-Service-Analyst, fasst den Kern so zusammen: „chicken is cheaper and perceived as healthier“.
Aus Managementsicht geht es damit auch um die Frage, welche Kundensegmente man in Zukunft adressieren kann. Chris Kempczinski, Vorsitzender und CEO, ordnet die Entwicklung in seine Investorengespräche ein: McDonald’s nennt seinen Anteil am Hähnchenmarkt in den „high teens“, während der Beef-Anteil mit etwa 45% beziffert wird. Ergänzend heißt es, der Hähnchenmarkt sei größer und wachse doppelt so schnell wie der Bereich für rotes Fleisch. Dazu passt die von Kempczinski betonte Positionierung: „McDonald’s has the unmatched scale, customer insights, brand loyalty and operational capabilities to not only adapt to the next wave of change in our industry, but to turn it into an advantage, “.
Für Franchisenehmer wird die Strategie allerdings nur dann tragfähig, wenn die kurzfristigen Kostentreiber abgefedert werden. McDonald’s erklärt deshalb, es wolle etwa 8,5 Mrd. US-Dollar (36,4 Mrd. Euro) einsetzen, um Franchisenehmer bei Mieten zu unterstützen und zugleich Restaurants zu verbessern. Solche Maßnahmen zielen in der Praxis meist auf zwei Effekte: Sie stabilisieren die Cashflows in Phasen steigender Kosten und erhöhen die Attraktivität über Servicequalität, Ladenlayout oder Prozessoptimierungen. Besonders relevant ist das in Märkten, in denen Wettbewerb nicht nur über Preis, sondern über Verfügbarkeit, Geschwindigkeit und Produktneuzugänge ausgetragen wird.
In Großbritannien wird der Trend auch über Nutzungsdaten greifbar: Dem Bericht zufolge nutzen 39% der Verbraucher 2025 Hähnchenläden, gegenüber 37% in 2023; die Gen-Z-Nutzung liegt bei 52% und damit nahezu auf dem Niveau von Pizzaläden (56%), während weitere Alternativen – darunter auch asiatisch inspirierte Ketten wie Wagamama – Burger und Pizza Marktanteile abnehmen. Für McDonald’s bedeutet das: Die Hähnchenoffensive ist weniger ein „Add-on“ als eine Antwort auf den veränderten Alltagsmix bei jüngeren Kundengruppen. Backman verknüpft das direkt mit der Umsatzlogik, wenn er darauf hinweist, dass ein höherer Chicken-Fokus den Markt für Burger ausbremsen könnte: Er beschreibt Rindpreisanstiege als „drag on the market“ für Burger und sieht in zusätzlichen Chicken-Angeboten die Möglichkeit, „steal a bit of market share from other quick service operators“; gleichzeitig wirken höhere Getränkeeinnahmen attraktiv, weil Getränke häufig profitabler sind.
Neben dem Wettbewerbsdruck zeigt auch die Dynamik in angrenzenden Segmenten, wie volatil das Menü-Ökosystem sein kann. So kündigte Domino’s Pizza Group laut der Meldung an, der CEO eines seit zwei Jahren geführten Zeitraums trete mit sofortiger Wirkung zurück – weniger als zwei Wochen nachdem er angedeutet hatte, Großbritannien könne sich dem „peak pizza“-Szenario nähern und die Kette solle das Menü verbreitern, um mehr Chicken zu verkaufen. In dieser Gemengelage wird klar: Wenn sich Konsumgewohnheiten schneller drehen, als es klassische Produktzyklen abbilden, verschiebt sich der Wettbewerb hin zu „Portfolio-Flexibilität“ und zu der Fähigkeit, neue Kategorien ohne Qualitäts- oder Lieferkettenbruch hochzufahren.
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