LONDON (IT BOLTWISE) – Nach einem Angriff auf cloud-gehostete Konten meldet der US-Pharmagroßhändler McKesson einen bestätigten Datenabfluss. Die betroffenen Informationen sollen aus Umgebungen bei Snowflake und Salesforce stammen und auch geschützte Gesundheitsdaten umfassen. Für die kommenden Tage erwartet das Unternehmen eine zeitweise Beeinträchtigung des Betriebs. Unklar bleibt, wie viele Personen am Ende tatsächlich betroffen sind, während eine Hackergruppe öffentlich Verantwortung übernimmt.

McKesson meldet Datenabfluss nach Hackerangriff: Millionen Zeilen aus Snowflake und Salesforce
McKesson meldet Datenabfluss nach Hackerangriff: Millionen Zeilen aus Snowflake und Salesforce (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Datenabfluss bei McKesson trifft einen besonders sensiblen Teil der US-Gesundheitswirtschaft: Der in Texas ansässige Distributions- und Logistikriese für Medikamente, Medizintechnik und Versorgungsleistungen bündelt große Mengen an Patienteninformationen. Vor diesem Hintergrund erklärt das Unternehmen, dass Angreifer in der vergangenen Woche in mehrere cloud-gehostete Konten eingedrungen sind und Daten exfiltriert haben. Zusätzlich weist McKesson in seinen Mitteilungen darauf hin, dass es im Zusammenhang mit dem Vorfall zu intermittierenden Leistungseinbußen kommen könne.

Technisch interessant ist vor allem die angesprochene Zielumgebung: Laut den Angaben aus den Erklärungen und den begleitenden Informationen beziehen sich die gestohlenen Daten auf Einspeicherungen, die in Snowflake- und Salesforce-Umgebungen des Unternehmens liegen. Damit rückt weniger der klassische „Perimeter“ in den Fokus, sondern die Datenebene in der Cloud. Gerade bei Unternehmen, die Patientendaten über mehrere Systeme hinweg verwalten, entsteht schnell ein Problem-Muster: Selbst wenn die produktiven Anwendungen nach außen stabil wirken, kann der Zugriff auf Datenplattformen reichen, um einen späteren Abfluss in großem Umfang zu ermöglichen.

Als betroffen nennt McKesson insbesondere die Bereiche Oncology & Multispecialty sowie Medical-Surgical. Die inhaltliche Spannbreite wird durch die Beschreibung des vermeintlich gestohlenen Datenbestands noch deutlicher: In den Berichten zur Tatbehauptung ist von persönlichen Basisdaten wie Namen, Adressen und Social-Security-Nummern die Rede. Ergänzend sollen geschützte Gesundheitsinformationen enthalten sein, etwa Diagnosen, verordnete Medikamente, Allergien sowie Patientennotizen. Außerdem sollen nach diesen Angaben auch Informationen von McKesson-Mitarbeitern abgeflossen sein, darunter offenbar private Kontakt- und Wohnadressen.

Die Verantwortung wird von einer Hackergruppe namens ShinyHunters übernommen. In diesem Zusammenhang sind Details zur Vorgehensweise und zur konkreten Menge der betroffenen Personen jedoch mit Vorsicht zu betrachten, weil weder für die endgültige Erfassung der kompromittierten Datensätze noch für den exakten Zugriffspfad eine vollständige, einheitliche technische Bestätigung im Material vorliegt. Die Gruppe macht laut den vorliegenden Angaben geltend, sie habe sich Zugang verschafft, indem sie mehrere Mitarbeitende über Phishing- und Social-Engineering-Tricks zu Berechtigungen veranlasst habe. Unklar bleibt zudem, wie viele Individuen am Ende betroffen sind, obwohl die Gruppe von „Millionen“ Zeilen in den Cloud-Umgebungen spricht und dafür einzelne Datenauszüge beziehungsweise Screenshots veröffentlicht haben soll.

Auch die Ransomware-Komponente wird thematisiert: Nach den Angaben aus der Tatbehauptung soll ein Lösegeld von 55 Millionen US-Dollar gefordert worden sein, verbunden mit der Drohung, gestohlene Dateien öffentlich zu machen. McKesson selbst hat hierzu keine weitergehenden Aussagen im bereitgestellten Material gemacht; zugleich verweist das Unternehmen auf erwartbare kurzzeitige Einschränkungen im Servicebetrieb. Wichtig für IT- und Security-Verantwortliche ist daran weniger der maximale Zahlenwert als die typische Folgearchitektur solcher Vorfälle: Sobald Angreifer Datensätze aus auslagerbaren Cloud-Plattformen exfiltrieren, entstehen Risiken durch Datenveröffentlichung, Identitätsmissbrauch und anwendungsübergreifende Sekundärschäden, etwa durch spätere Angriffe auf Nutzerkonten oder Wiederverwendung geleakter Daten.

Der Vorfall reiht sich in eine Serie ein, die im Gesundheitsumfeld besonders aufmerksam beobachtet wird. In den vergangenen Monaten waren laut dem bereitgestellten Kontext mehrere Unternehmen aus dem Bereich Medizintechnik und Gesundheitstechnologie Ziel größerer Cyberangriffe. Genannt werden unter anderem ein Angriff, der den Netzwerkbetrieb bei Boston Scientific stark beeinträchtigt haben soll, sowie frühere Vorfälle bei anderen Herstellern, bei denen Angreifer interne Werkzeuge missbraucht haben sollen, um Geräte aus der Ferne zu löschen. Ebenso wird auf Datenschutz- und Datenabflüsse bei weiteren Anbietern wie CareCloud und TriZetto verwiesen, die jeweils große Patientenzahlen betroffen haben sollen.

Für Unternehmen bedeutet diese Entwicklung vor allem eins: Sicherheitsmaßnahmen dürfen sich nicht auf die Absicherung einzelner Endpunkte oder „klassischer“ Netzgrenzen beschränken. Wenn Angreifer über Mitarbeitenden-Zugänge in die Cloud gelangen und dort Datenplattformen wie Snowflake oder CRM-Umgebungen wie Salesforce erreichen, braucht es eine durchgängige Kontrolle von Identitäten, Berechtigungen, Datenzugriffen und Ausleitungspfaden. In der Praxis heißt das auch: Logging und Monitoring müssen so konzipiert sein, dass ungewöhnliche Muster im Datenexport oder in der Datenabfrage nicht erst bei „spürbaren“ Serviceausfällen auffallen. Zusätzlich wird aus dem Vorfall deutlich, wie wichtig eine belastbare Incident-Response-Kette ist, die sowohl die Cloud-Infrastruktur als auch die Datenhaltung selbst als potenzielles Schadensziel behandelt.


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