LONDON (IT BOLTWISE) – Während die Euphorie um Space-Aktien nach dem IPO von Space Exploration Technologies nachlässt, bleiben die mittel- bis langfristigen Chancen aus Anwendungsfällen wie KI-Infrastruktur und Satelliten-gestützten Datencentern hoch. Als vergleichsweise etabliertes Investment wird MDA Space hervorgehoben, dessen Kennzahlen bis zum 30. Juni 2026 einen Anstieg des adjusted net income auf 102,5 Mio. kanadische Dollar zeigen. SpaceX dagegen steht für eine KI-zentrierte Infrastrukturstrategie, die laut Einreichungen ein enormes Marktpotenzial adressiert und über mehrere Umsatzhebel skaliert. Entscheidend für Anleger bleibt dabei die anhaltend hohe Volatilität und die Frage, wann sich die hohen Investitionen in den Orbit in nachhaltige Einnahmen übersetzen.

Die Begeisterung um Space-Aktien hat nach einem markanten Kursschub seit dem 12. Juni zwar spürbar nachgelassen, doch der Blick nach vorn bleibt für viele Investoren klar auf Wachstum im All gerichtet. Der World Economic Forum wird dabei eine Größe im Raum gestellt: Der globale Raumfahrtsektor könne bis 2035 auf 1,8 Billionen US-Dollar kommen. Genau vor diesem Hintergrund werden zwei sehr unterschiedliche Kandidaten gegenübergestellt: MDA Space als etablierter Zulieferer mit mehr Planbarkeit und Space Exploration Technologies als KI-getriebener Aufbau von Rechen- und Datensinfrastruktur in der Umlaufbahn.
Bei MDA Space liegt der Reiz vor allem in der Historie und im Geschäftsprofil. Das 1969 gegründete Unternehmen sitzt in Kanada und hat sich über Jahrzehnte von der Raumfahrt-Industrie her entwickelt: 1981 baute MDA eine Roboterarm-Technologie für das Space-Shuttle-Programm der NASA, die Satelliten-Nutzlasten platzieren, bergen und reparieren half. 1995 brachte MDA zudem den ersten kommerziell ausgerichteten Radarsatelliten auf den Weg. Heute verschiebt sich der Fokus weiter in Richtung fortgeschrittener Herstellung von Satelliten sowie in Richtung robotergestützter Lösungen für Reparatur und Wartung im Weltraum. Für weniger risikobereite Anleger ist dabei vor allem die Beobachtung relevant, dass es sich nicht um ein reines Start-up handelt, das erst Profitabilität herausfinden muss.
Finanziell untermauert die Quelle die These einer belastbaren Basis mit konkreten Zahlen: Zum 30. Juni 2026 weist MDA Space ein adjusted net income von 102,5 Mio. kanadischen Dollar aus, nach 84,4 Mio. kanadischen Dollar im Vorjahr. Gleichzeitig wird die Kursentwicklung 2026 als auffällig positiv beschrieben: Die Aktie legt bis dato um 48,6 % zu, während der S&P 500 im gleichen Zeitraum lediglich 13,2 % erreicht. Technisch und strategisch passt das zusammen: Wer als Hardware- und Systemlieferant „kritische Bausteine“ für Missionen und den Betrieb bereitstellt, folgt häufig einem Grundmuster aus langfristigen Entwicklungszyklen und wiederkehrenden Leistungsabrufen. Genau diese Logik soll MDA Space Anlegern weiterhin über die Notwendigkeit seines Angebots zugänglich machen.
SpaceX wird dagegen als deutlich volatiler, aber auch als opportunistischer dargestellt. Seit dem öffentlichen Handel am 12. Juni habe die Aktie eine Spanne von 225,64 US-Dollar nach oben und 104,83 US-Dollar nach unten durchlaufen; die Quelle ordnet das als frühe Vorschau auf langfristige Schwankungen ein. Der Kernunterschied im Investment-These liegt jedoch nicht nur in der Kurskurve, sondern im Operating Model: SpaceX stellt den Aufbau von KI-Infrastruktur in den Mittelpunkt. In einer Form-S-1-Einreichung wird ein total addressable market von 28,5 Billionen US-Dollar genannt, wovon 26,5 Billionen US-Dollar mit KI-Infrastruktur im Zusammenhang stehen sollen. Damit verknüpft das Unternehmen Raumfahrthardware unmittelbar mit dem wachsenden Bedarf an Rechenkapazität und Datenflüssen.
Konkreter werden die wirtschaftlichen Hebel, die aus dem Boden-Ökosystem kommen. Laut der Darstellung bestehen Verträge mit Anthropic und Alphabet, die Compute-Kapazität aus SpaceX-Datenzentren mieten. Aus diesen Deals ergibt sich der genannte Zielrahmen von zusammen 26 Mrd. US-Dollar jährlich; das läge um 39 % über den 18,7 Mrd. US-Dollar Umsatz aus 2025. Zusätzlich wird ein Deal mit Reflection AI genannt, der – falls er bis 2029 läuft – auf 6,3 Mrd. US-Dollar bewertet werden könne. Auch wenn Anleger diese Summen nicht als garantierte Zukunft sehen sollten, wird hier ein klares Bild gezeichnet: SpaceX versucht, Einnahmen sowohl durch bestehende Infrastruktur als auch durch den späteren Ausbau orbitaler Datenzentren abzusichern.
Der strategische Engpass sitzt dabei im Timing und in den Kosten. Die Quelle verweist darauf, dass der Aufbau einer Infrastruktur für „Orbital Data Centers“ nicht über Nacht gelingt. Im Januar habe SpaceX eingereicht, bis zu 1 Mio. Satelliten ins All zu bringen, um als Datacenter zu dienen; die Quelle nennt Startfenster ab 2028. Gleichzeitig wird die finanzielle Belastung sichtbar gemacht: Capex im Jahr 2025 für die KI-Sparte liege bei 12,7 Mrd. US-Dollar, deutlich höher als die 3,8 Mrd. US-Dollar für den Space-Segment-Anteil und die 4,1 Mrd. US-Dollar für die Connectivity-Division. Genau diese Diskrepanz erklärt, warum das Risiko-/Ertragsprofil bei SpaceX besonders aggressiv ausfällt: Die Wertschöpfung hängt davon ab, wie schnell aus Infrastruktur Investitions- in operative Erlöse werden.
Trotzdem wird der nächste Bewertungsanker aus Analystensicht geliefert, ohne die Quelle namentlich zu machen. Laut der Darstellung bewerten 40 Analysten die Aktie überwiegend positiv: 75 % sehen „buy“, 18 % „hold“ und 8 % „sell“. Als Median-Ziel wird ein Kurs von 217 US-Dollar für einen Zeitraum von einem Jahr genannt; ausgehend von einem Schlusskurs von 143,69 US-Dollar am 31. August entspräche das einem Plus von 51 %. Um das Risiko zu veranschaulichen, rechnet die Quelle eine Beispielrechnung durch: Ein Investment von 1.000 US-Dollar bei rund 143 US-Dollar würde knapp sieben Anteile ermöglichen; bei 217 US-Dollar wären daraus etwa 1.508 US-Dollar geworden. Für die lange Frist werden außerdem Kursziele bis zu 900 US-Dollar erwähnt, jedoch ohne Garantie. Für Unternehmen und strategische Investoren bedeutet das: Wer SpaceX hält oder auf Rücksetzer wartet, setzt auf eine KI-zentrierte Infrastruktur-Story – und muss gleichzeitig das Risiko aushalten, dass die Projektlogik Kapitalbindung und Verzögerungen mit sich bringt.
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