LONDON (IT BOLTWISE) – Pollen Robotics hat mit dem Microduck den zweiten KI-Roboter der Micro-Reihe vorgestellt. Der rund 10 Zoll große, einäugige Biped kommt mit Mini-Rollschuhen, kann auf Demos Socken, Marker und einen Ball bewegen und reagiert auf seine Umgebung. Zusätzlich ist eine eigene, generierte „Audio-Identität“ pro Gerät vorgesehen, die bei jedem Microduck dauerhaft bestehen bleiben soll. Vorbestellungen laufen bereits, ausgeliefert werden soll der Roboter laut Anbieter vor Weihnachten 2026.

Pollen Robotics bringt den Microduck als zweiten „niedlichen“ KI-Roboter aus eigener Entwicklung auf den Markt und setzt dabei konsequent auf eine Kombination aus leichter Hardware, schneller Interaktion und frei anpassbarer Software. Der Microduck ist als einäugiger Biped ausgelegt und misst laut Anbieter knapp unter 10 Zoll Höhe. In den Demo-Videos zeigt sich vor allem, wie stark das Zusammenspiel aus Mobilität und Wahrnehmung wirken soll: Der Roboter greift Gegenstände auf, stößt Marker an, spielt Ball und bewegt sich dabei auf kleinen Rollschuhen durch den Raum.
Technisch entscheidet sich das Konzept nicht nur für „Bewegung um der Bewegung willen“, sondern nutzt eine Sensorik, die auch in kleinen Formfaktoren eine robuste Umgebungserkennung ermöglichen soll. Der Microduck läuft auf einem Rockchip RK3566-Prozessor und kombiniert Kamera, Motion-Sensoren sowie LiDAR. Dazu kommen mechanische Aktoren in Form artikulierter Beine, eines beweglichen Kopfes und einer ebenfalls beweglichen Nackenpartie. Genau diese Mischung ist der Kern dafür, warum der Roboter in den Demos zielgerichtet wirkt: Er kann nicht nur laufen oder rollen, sondern auch Ausrichtung und Gestik verändern, während er Objekte verfolgt und seine Bewegung an das Umfeld anpasst.
Für die Interaktion setzt Pollen Robotics laut eigenen Angaben gleich auf mehrere Eingabekanäle. Der Roboter soll auf seine Umgebung „reagieren“ und einem Laserpointer folgen können; alternativ lassen sich Steuerkommandos über einen Gamecontroller ausführen. Diese Dualität ist für Produktentwicklungen in der Heimanwendung wichtig, weil Nutzer dadurch nicht zwingend ein komplett neues Steuerungsparadigma lernen müssen. Gleichzeitig bleibt Raum für Automatisierung: Wo das System mit einem Laser zielgeführt arbeitet, können andere Aufgaben später ebenfalls über vergleichbare Signale oder Steuerinputs modelliert werden.
Besonders auffällig ist neben den Bewegungs- und Reaktionsdemos die Audiospur des Microduck. Pollen Robotics sagt, dass jedes Gerät singen kann und dabei eine eigene generierte Stimme beziehungsweise Klangidentität erhält. Statt eines neutralen „Assistenten“-Sounds soll der Microduck über „seltsame kleine Geräusche“ kommunizieren, eher wie ein Tier als wie ein sprachlich perfekter Chatbot. Entscheidend ist dabei der Lifelock-Effekt: Die Audio-Identität soll beim ersten Aufwachen erzeugt und an dieses einzelne Gerät gekoppelt sein, damit der Roboter „sein“ Klangprofil für das Leben beibehält.
Ein weiterer strategischer Punkt liegt im Software-Ansatz. Wie beim zuvor angekündigten Reachy Mini will Pollen Robotics auch beim Microduck die Software als Open Source bereitstellen. Damit verlagert der Anbieter den Hebel für die Weiterentwicklung teilweise von der Hersteller-Roadmap in die Hände der Community: Nutzer können nicht nur die ab Werk erwarteten Tricks laufen lassen, sondern auch das Verhalten umlernen bzw. neu trainieren, um zusätzliche Bewegungen und Interaktionsroutinen zu definieren. Für Technikteams in Unternehmen oder Hochschulen ist das relevant, weil sich solche Roboter oft weniger über das „Out-of-the-box“-Demo verkaufen lassen als über die Möglichkeit, Sensorfusion, Aktionsplaner und Lernlogik an eigene Versuchsanordnungen anzupassen.
Auch der Markt-Timing-Aspekt passt in die aktuelle Welle kleiner, entwicklerfreundlicher Roboterplattformen. Der Microduck ist ab sofort zur Vorbestellung verfügbar und kostet $399, wobei der Anbieter mehrere Farbausführungen nennt: cream, graphite, lavender und sky blue. Als angepeilter Lieferstart nennt Pollen Robotics den Zeitraum „vor Weihnachten 2026“. Diese Planung ist bemerkenswert, weil sie den Abstand zwischen Community-Interesse und Hardwareauslieferung bewusst groß genug hält, um dasselbe System bis dahin aus Nutzerfeedback heraus zu stabilisieren.
Für Anwender stellt sich damit weniger die Frage „Kann der Roboter Dinge?“, sondern stärker „Wie lässt sich die Kombination aus Sensorik, Steuerung und Open-Source-Software in neue Anwendungen übersetzen?“. Ein Roboter, der auf Kamera-, Bewegungs- und LiDAR-Daten basiert und gleichzeitig über Controller oder Laserpointer steuerbar ist, bietet konkrete Anschlussstellen für Prototypen: vom spielerischen Interaktionstest bis zu neuen Greif- und Navigationsaufgaben. Gleichzeitig zeigt der Microduck, dass KI-Robotik aktuell auch dort Fuß fasst, wo Nutzer eher auf Charme und unmittelbares Feedback reagieren – und genau deshalb dürfte die Community-Umsetzung mit neuen Tricks der wichtigste Teil der nächsten Entwicklungsphase sein.
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