BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Microsoft schließt den Support für InfoPath 2013 am 14. Juli 2026 endgültig. Parallel stuft die US-Behörde CISA die Sicherheitslücke CVE-2026-45659 (CVSS 8,8) als aktiv ausnutzbare RCE ein. Admins sollen den Patch bis spätestens 4. Juli einspielen und gleichzeitig die verbleibenden InfoPath-Formulare modernisieren. Ohne schnelles Handeln drohen Backdoors und Manipulationen von DLL-Dateien auf betroffenen SharePoint-Servern.

Microsoft zieht die rote Linie an gleich zwei Stellen durch: Zum einen endet der erweiterte Support für den InfoPath 2013 Client am 14. Juli 2026 nach mehr als zehn Jahren Übergangsphase. Zum anderen warnen Sicherheits- und Behördenkreise, dass parallel eine kritische RCE-Schwachstelle mit der Kennung CVE-2026-45659 bereits von Angreifern ausgenutzt wird. Damit trifft das Thema nicht nur Entwicklerteams, die Formulare pflegen, sondern auch die gesamte SharePoint- und Security-Administration. In der Praxis geraten viele Unternehmen in Zeitdruck, weil das Migrationstempo für Legacy-Formen meist langsamer geplant ist als ein Patch-Zyklus für eine aktiv ausgenutzte Schwachstelle.
Technisch ist die InfoPath-Seite des Problems klar strukturiert: Der InfoPath Forms Service in SharePoint Online wird ebenfalls eingestellt, sodass die Cloud-basierte Nutzung ab Mitte Juli nicht mehr möglich ist. Bereits ab dem 18. Mai hatte Microsoft den Funktionsumfang eingeschränkt, indem keine neuen InfoPath-Formulare mehr veröffentlicht und bestehende Updates nicht mehr vorgenommen werden konnten. Vorhandene Formulare liefen zwar zunächst weiter, aber ohne offizielles Migrationstool bleibt die Umstellung ein eigenes Projekt. Microsofts Empfehlungen zielen auf Power Apps, Power Automate und Microsoft Forms, flankiert durch das Microsoft 365 Assessment Tool, das Abhängigkeiten im Tenant sichtbar machen soll.
Die Sicherheitsseite folgt einem anderen Rhythmus: CISA hat CVE-2026-45659 in den Katalog bekannter, ausgenutzter Schwachstellen aufgenommen und fordert Behörden zur zügigen Schließung bis zum 4. Juli 2026 auf. Die Schwachstelle basiert laut Meldung auf dem Problem der Deserialisierung nicht vertrauenswürdiger Daten und erreicht einen CVSS-Score von 8,8. Betroffen sind SharePoint Enterprise Server 2016, Server 2019 sowie die Subscription Edition. Entscheidend ist das Angriffsszenario: Ein authentifizierter Angreifer mit Site-Member-Rechten kann demnach beliebigen Code auf dem Server ausführen. Das macht die Lücke besonders gefährlich für Umgebungen, in denen Berechtigungen über Jahre gewachsen sind.
Aus Markt- und Wettbewerbs-Sicht ist das Zusammenspiel aus Legacy-Ablösung und Security-Modernisierung ein Muster, das viele Unternehmen zuletzt im gleichen Atemzug erlebt haben. Bei Plattformen wie SharePoint, die über Jahrzehnte Formulare, Workflows und Integrationen miteinander verketteten, wird der Wechsel zur KI-gestützten Entwicklungs- und Automatisierungswelt oft nicht als „Neustart“ gekauft, sondern als schrittweise Konsolidierung: Microsoft drängt deshalb auf Power-Plattformen und auf die Weiterentwicklung im SharePoint-Ökosystem. Wettbewerber wie Google setzen mit Lösungen um Apps/Workflows und Automatisierungen ebenfalls stark auf schnelle Build-Zyklen, allerdings ist die Migration in bestehende SharePoint-Landschaften selten 1:1 portierbar. Genau deshalb wird die reale Herausforderung selten nur die Oberfläche sein, sondern die Prozesse hinter den Formularen.
Historisch betrachtet war InfoPath ein zentraler Baustein für organisationsinterne Dokumenten- und Formularlogik. Viele Unternehmen nutzten die Möglichkeit, clientseitige Regeln und Server-Workflows zu verbinden, um Datenströme abzusichern und gleichzeitig Fachbereichen ohne Programmieraufwand Änderungen zu ermöglichen. Diese Architektur passt heute jedoch schlechter zu modernen Deployment-Ansätzen, insbesondere weil Formulare, Berechtigungen und Abhängigkeiten über Jahre verteilte Details enthalten. Zugleich zeigen die aktuellen Ereignisse, wie schnell Sicherheitsprobleme in der Praxis „entkoppeln“: Selbst wenn die InfoPath-Nutzung bereits eingeschränkt ist, bleiben betroffene SharePoint-Komponenten möglicherweise noch länger im Betrieb. Dass Microsoft den Patch bereits im Mai 2026 veröffentlicht hatte, unterstreicht zudem, dass die Ausnutzung nicht auf das Support-Ende warten wird.
Damit sich die Teams nicht gegenseitig blockieren, lohnt eine integrierte Vorgehensweise aus Patch-Management und Migrationsplanung. Für die CVE-2026-45659-Priorisierung spricht, dass mehrere unabhängige Angreifer die Lücke aktiv ausnutzen sollen, inklusive dem Installieren von Backdoors und dem Manipulieren von DLL-Dateien. Das bedeutet für den Betrieb: Man sollte nicht nur „Patch vorhanden?“ prüfen, sondern auch das Ergebnis überwachen, etwa über Logs, Integritätschecks und eine saubere Abnahme in QA-ähnlichen Betriebsbereichen. Genau parallel dazu müssen InfoPath-Umstellungen in Angriff genommen werden, denn im Cloud-Betrieb endet die Nutzung der entsprechenden Dienste ab Mitte Juli. Hier greift das Microsoft 365 Assessment Tool als pragmatischer Einstieg.
Ein weiterer Modernisierungspfad läuft über Entwickler-Workflows, insbesondere das SharePoint Framework (SPFx) und den Aufbau von Copilot-Erweiterungen. Microsoft nennt für Juli 2026 den Start der öffentlichen Vorschau für SharePoint Copilot Apps mit SPFx-Version 1.24, während die allgemeine Verfügbarkeit für September 2026 geplant ist. Für Teams mit bestehendem SPFx-Code ist das relevant, weil sie Anwendungen für Copilot-Anwendungsfälle wiederverwenden können, statt alles neu zu bauen. Auch bei den Remote Event Receivers gibt es Unebenheiten: Über Azure ACS registrierte Empfänger wurden bereits am 2. April 2026 eingestellt, während jene über Microsoft Entra ID noch bis zum 1. Juli 2027 aktiv bleiben. Diese Zeitfenster zeigen, wie wichtig Architekturentscheidungen im Voraus sind.
Regulatorisch und datenschutzseitig verschiebt sich mit jeder Migration auch das Risiko-Profil. Wenn Formulare von InfoPath in Power Apps und Microsoft Forms übergehen, ändern sich oft Datenflüsse, Authentifizierungsmuster und Speicherorte. Gleichzeitig wird der Zugriff auf Unternehmensdaten durch Auth- und Rollenmodelle stärker als bisher über Entra ID abgesichert. Das ist grundsätzlich positiv, verlangt aber klare Dokumentation: Welche Daten werden in welchem Verarbeitungskontext verarbeitet, wie werden Berechtigungen umgesetzt und wie wird Logging für Security-Forensik vorbereitet? Für die akute CVE-Lage gilt zusätzlich: Selbst nach dem Patch sollte man prüfen, ob sich bereits persistente Artefakte oder geänderte DLLs in der Umgebung befinden. So lässt sich das Compliance-Thema mit der IT-Sicherheit verbinden.
Der Ausblick wirkt damit zweigeteilt: InfoPath verschwindet als bekannte Bedienoberfläche, doch die Plattform darunter wird modernisiert. Microsoft verbindet die Abschaltung alter Bausteine mit KI-Integration und einer stärker frameworkbasierten Entwicklung. Für Unternehmen bedeutet das: Wer jetzt nur „formulare ersetzen“ plant, riskiert, dass sich technische Schulden aus dem alten SharePoint-Umfeld in neue Workflows übertragen. Wer dagegen Patch und Migration als zusammenhängendes Programm behandelt, kann Abhängigkeiten bereinigen, Sicherheitskontrollen verbessern und Entwicklungszyklen verkürzen. In den nächsten Quartalen dürfte besonders die Frage im Vordergrund stehen, wie schnell Teams KI-Features in ihre Fachprozesse integrieren, ohne Compliance und Security aus dem Blick zu verlieren.
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