LONDON (IT BOLTWISE) – MSI positioniert die Claw als leistungsstärkere Alternative zur Steam Deck OLED und nutzt dafür Intels neuen Arc G3 Extreme. In einem ersten Praxischeck steigen Auflösung, Schärfe und Bildraten in mehreren Spielen spürbar an – teils deutlich über 60 FPS. Gleichzeitig bleibt das Windows-Handheld-Erlebnis für viele Nutzer weiterhin komplizierter als SteamOS. Entscheidend wird daher, ob die Mehrleistung den deutlichen Aufpreis und die Software-Reibung im Alltag rechtfertigt.

MSI Claw mit Intel Arc G3 im Kurztest: Mehr FPS, doch Windows bremst
MSI Claw mit Intel Arc G3 im Kurztest: Mehr FPS, doch Windows bremst (Foto: IT BOLTWISE)
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MSI will mit der Claw nicht nur mehr Rechenleistung auf die Handfläche bringen, sondern auch das Fahrgefühl gegen die etablierte Referenz im Markt – die Steam Deck OLED – neu vermessen. Im Kern geht es um den ersten großen Schritt: Mit der Claw kommt ein Gaming-Handheld auf den Markt, der Intels Arc G3 Extreme als Basis nutzt. In einem ersten, eher alltagsnahen Eindruck zeigt sich: In mehreren getesteten Titeln wirkt die Hardware tatsächlich stärker. Doch der Flaschenhals liegt weniger im Display oder in der GPU-Rohleistung, sondern im Zusammenspiel aus Windows-Setup, Bedienlogik und der generellen Software-Erfahrung, die viele Deck-Fans gewohnt sind, aber beim Claw in der Praxis als deutlich hakeliger empfinden.

Technisch betrachtet profitiert die Claw vor allem von einem anderen Leistungskorridor als die Steam Deck OLED. Im Test blieben die Systeme zunächst in einer “ohne Anpassungen”-Einstellung, wodurch der Zugewinn direkt sichtbar wurde: In Final Fantasy VII Remake Intergrade ließ sich etwa eine deutlich geringere Unschärfe in feinen Kanten erkennen, und Gesichtsdetails wurden bei Blickrichtungen mit Kamera- und Charakterwechsel spürbarer. Auch in 007 First Light wurde die Lesbarkeit von Gegnern verbessert, insbesondere dort, wo sich das Spiel stark über Trefferwinkel und Projektilherkunft definiert. Das klingt simpel, ist aber relevant: Wer handheld spielt, braucht stabile Bildklarheit, um in dynamischen Szenen Entscheidungen zu treffen.

Die größere Story steckt aber in den Bildraten. Während FFVII auf beiden Geräten zunächst auf 30 FPS “standardmäßig” startete, lässt sich auf der Claw nach Feintuning deutlich mehr Reserve aktivieren. Im Test pendelte das Spiel je nach Szene zwischen etwa 70 und 100 FPS, selbst im Boss-Fight gegen den Scorpion Sentinel. Auf der Steam Deck OLED blieb die Bildrate hingegen öfter unter den Zielen und schaffte nicht zuverlässig den gleichen Durchsatz. In First Light zeigte sich ebenfalls der Vorteil: In dichten Bereichen wurden Werte von grob 80 bis 90 FPS beobachtet, während die Deck im Test eher bei rund 35 FPS lag. Interessant ist dabei auch: Die Out-of-the-box-Settings auf beiden Handhelds wirken in manchen Fällen so “konservativ”, dass visuelle Verbesserungen ohne Tuning weniger dramatisch sind.

Exacts wird es bei Expedition 33: Hier fiel die Verbesserung weniger eindeutig aus als bei FFVII und First Light. Zwar wird das Bild auf der Claw als von Beginn an “schärfer” beschrieben, insbesondere dort, wo die Deck im Detail eher weich wirkt. Gleichzeitig blieb die Bildrate in der Startphase eher im Bereich von etwa 30 bis 40 FPS, bis Intels XeSS-Upscaling und Frame-Generation zugeschaltet wurden. Mit diesen aktivierten KI-gestützten Beschleunigern stieg die wahrgenommene Flüssigkeit auf Werte im Bereich von ungefähr 70 bis 90 FPS. Allerdings tauchte ein störender Grafikartefakt auf: In Nahansichten gab es teils leuchtende oder schwarze Randartefakte um Figuren und Objekte in Kämpfen sowie Zwischensequenzen. Solche Randfehler sind für Nutzer besonders spürbar, weil sie direkt mit dem “Immersionseindruck” zusammenhängen.

Auch beim Stromverbrauch spielt die Claw ihre Stärken – aber nicht in dem Maße, das den Gesamtvorteil automatisch garantiert. Im Test lag der Batterieverbrauch in First Light grob bei 35 Watt auf der Claw, während die Steam Deck OLED bei etwa 22 bis 23 Watt blieb. Der Unterschied ist logisch, da die Claw offenbar mehr Grafikaufwand pro Zeiteinheit liefert. Gleichzeitig verfügt die Claw über einen größeren Akku (80 Wh) als die Deck (50 Wh). Daraus ergibt sich eine rechnerische Perspektive: Trotz höherer Leistungsaufnahme könnten beide Handhelds theoretisch ähnlich lange durchhalten – im Test wird für beide “ungefähr zwei Stunden” als Orientierung genannt. Bei einem leichteren Titel wie Balatro werden dann erneut Effizienzunterschiede sichtbar: um 14 Watt auf der Claw gegenüber etwa 9 Watt auf der Deck.

Spannend ist der Vergleich nicht nur beim “Maximalgefühl”, sondern auch in der strategischen Taktik der Einstellung: Wer auf beiden Geräten den TDP-Wert so weit absenkt, bis 60 FPS stabil bleiben, nähert die Laufzeit an. Im Test führte das dazu, dass beide Handhelds OLED-orientiert grob über sechs Stunden Laufzeit erreichen konnten – also keine echte “Upgrade-Klasse” nur durch Effizienz. Der größere Unterschied wird in der Alltagshürde sichtbar: Die Windows-Ersteinrichtung auf der Claw erforderte im Test mehrere Setup-Bildschirme, Downloads und Updates, bis Steam überhaupt nutzbar war. Zudem empfand der Tester die Navigation zwischen mehreren Ebenen als anstrengend: Windows, ein Xbox-artiges Interface, MSI-spezifische Software und schließlich Steam. Genau diese Fragmentierung fehlt vielen Deck-Nutzern unter SteamOS, das sich eher wie ein geschlossenes Ökosystem anfühlt.

Marktseitig stellt MSI damit einen klassischen Trade-off in den Raum: Mehr Hardware-Potenzial versus ein ausgereifteres Betriebssystem. Die Steam Deck OLED ist für viele Käufer vor allem deshalb attraktiv, weil sie “einfach läuft”, während Windows-Handhelds oft mit Treiberständen, Launcher-Verhalten, Game-Settings und teils komplizierteren Workflows kämpfen müssen. Als direkte Konkurrenz taucht in diesem Segment häufig die ROG Ally von ASUS auf – ebenfalls ein Windows-orientierter Ansatz mit ähnlichem Versprechen. Branchenexperten berichten laut einschlägigen Branchenanalysen wiederholt, dass sich der Vorteil solcher Geräte besonders dann auszahlt, wenn Nutzer wirklich aktiv optimieren oder auf Windows-spezifische Titel angewiesen sind. Dazu zählt etwa Multiplayer-Software, bei der Anti-Cheat-Mechanismen Linux-Umgebungen stärker einschränken können.

Am Ende bleibt die Kernfrage: Ist die Claw ein sinnvoller Upgrade-Kauf gegenüber der Steam Deck OLED – und kann sie den Preis von rund 1.700 bis 1.800 US-Dollar gegenüber dem deutlich niedrigeren Deck-Preis rechtfertigen? Im Test entsteht kein klarer “Ja”-Moment. Zwar liefert die Claw bei mehreren anspruchsvollen Spielen spürbar bessere Bildraten und oft auch sichtbare Schärfegewinne. Aber dafür bezahlt man mit Gewicht (im Test 785 g gegenüber 640 g), einem weniger lebendigen IPS-LCD-Panel statt OLED und ohne Deck-Touchpads, die viele als zusätzliche Eingabeoption schätzen. Dazu kommen ergonomische Details wie schwer erreichbare Menüs sowie RGB-Elemente an den Sticks. Wer wirklich zögert, fährt laut Tester am besten, bis weitere Software-Feinschliffe und Stabilitätsverbesserungen greifen. Für Entwickler und IT-nahe Teams ist die Konsequenz trotzdem klar: Sobald Windows-Handhelds reifer werden, steigen die Chancen auf leistungsfähigere GPU-Features wie XeSS in produktionsnahen Szenarien – allerdings nur, wenn Grafikartefakte und Setup-Reibung verschwinden.


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