GRAND RAPIDS / LONDON (IT BOLTWISE) – Die fünfte Klasse profitiert in diesem Sommer von einem Programm, das Raumfahrt als Lernmotor nutzt. Die Lehrerin Joline Andrews nahm am „LiftOff Summer Institute“ am Johnson Space Center in Houston teil. In der einwöchigen Fortbildung lernten rund 50 Pädagoginnen und Pädagogen aus 24 Bundesstaaten, wie sie STEM-Themen mit praktischen Aktivitäten und Feldaufgaben vermitteln. Andrews will die neuen Ideen aus dem Mars-Schwerpunkt und aus dem Austausch mit Astronauten in ihre eigene Unterrichtspraxis übertragen.

NASA-Programm „LiftOff“: Lehrerin bringt Mars, STEM und Raumfahrt in den Unterricht
NASA-Programm „LiftOff“: Lehrerin bringt Mars, STEM und Raumfahrt in den Unterricht (Foto: IT BOLTWISE)
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Viele STEM-Initiativen starten mit Technikfokus, enden aber im Klassenzimmer häufig bei Arbeitsblättern. Genau an dieser Lücke setzt ein Sommerprogramm an, das in diesem Jahr am Johnson Space Center in Houston rund 50 Lehrkräfte zusammengebracht hat. Die fünfte‑Klasse‑Lehrerin Joline Andrews aus Southwest Elementary in Grand Rapids hat dort am „LiftOff Summer Institute“ teilgenommen – angeboten vom University of Texas Center for Space Research gemeinsam mit NASA. Für Andrews war der Einstieg in Naturwissenschaften nicht aus einer Laufbahn heraus geplant: Als sie damals kurzfristig Science‑Unterricht übernehmen musste, stieg sie ohne Vorerfahrung ein und entwickelte dabei schnell eine Motivation, die sie heute bewusst in ihrem Unterricht verstärken will.

Inhaltlich wurde die Woche klar strukturiert, ohne dass der Lerneffekt nur aus Vorträgen entsteht. Das Programm nutzte Raumfahrt-Settings, um Wissen über Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik über mehrere Formate zu vertiefen: Workshops, praktische Aktivitäten, Feldrecherchen und weitere Lernbausteine. Entscheidend ist dabei die Perspektive, die Andrews mitnimmt: Nicht nur „Astronomie“ oder „Raketen“, sondern die dahinterliegenden Denkprozesse sollen Schülerinnen und Schülern zugänglich werden. Sie erhielt in Houston mehrere Impulse, wie Lehrkräfte Lernbarrieren bei Kindern abbauen können, die sich selbst nicht als „naturwissenschaftlich veranlagt“ einordnen.

Dass Raumfahrtunterricht mehr als Begeisterung braucht, bekam Andrews während der Besuche und Präsentationen im Umfeld des Johnson Space Center besonders greifbar. Neben Netzwerkgelegenheiten standen auch Gespräche mit erfahrenen Raumfahrtakteuren auf dem Programm. Laut Andrews war unter anderem Fred Haise zu Gast, der von der Apollo‑13‑Mission berichtete, und auch Daniel Tani, der als Astronaut die Internationale Raumstation kennengelernt hat. Solche Begegnungen sind pädagogisch mehr als eine Biografie‑Story: Sie übersetzen Raumfahrtkarrieren in konkrete Kompetenzen. Andrews betonte in dem Zusammenhang, dass bei NASA nicht nur Astronauten zählen, sondern viele Rollen, darunter Grafikdesign, Fotografie und Mathematik – ein wichtiger Hebel, um verschiedene Begabungen sichtbar zu machen.

Der thematische Schwerpunkt des Instituts lag in diesem Sommer auf Mars. In der Fortbildung lernten die Teilnehmenden, was es praktisch bedeuten würde, auf dem Roten Planeten Vegetation wachsen zu lassen – nicht als ferne Science‑Fiction, sondern als Aufgabenpaket, das mehrere Disziplinen zusammenführt. Dazu gehörte, die Fragestellung so zu zerlegen, dass daraus Unterrichtsideen entstehen: Welche Rahmenbedingungen braucht Pflanzenwachstum? Wie lässt sich das in messbare Parameter übersetzen? Und wie kann man diese Parameter so präsentieren, dass Kinder nicht sofort an „Mathe ist nicht mein Ding“ hängen bleiben? Andrews nahm genau dieses Bild mit: Rauminteresse kann ein Einstieg in andere Kompetenzen sein, selbst wenn Mathematik nicht die Lieblingsschiene ist. „It’s very space-heavy“, sagte sie im Interview sinngemäß über den Charakter der Woche, aber auch über den Umstand, dass das Thema ohnehin im fünften Schuljahr behandelt wird.

Parallel zur inhaltlichen Arbeit standen Zugänge zu realen technischen und organisatorischen Umgebungen auf dem Plan. Die Lehrkräfte besichtigten unter anderem Bereiche für die Apollo‑ und Artemis‑Missionen sowie Stationen rund um die Internationale Raumstation. Ergänzend tauchte die Gruppe in die Ausbildungsumgebung ein: Andrews nannte NASA’s Building 9, in dem die Space Vehicle Mockup Facility für die Astronauten‑Schulung untergebracht ist. Solche Besichtigungen liefern mehr als „Wow‑Effekte“. Sie helfen Lehrkräften, technische Abstraktionen in reale Gegenstände zu übersetzen – beispielsweise in Hardware‑Modelle, Trainingsszenarien oder in die Art, wie Teams Aufgaben dokumentieren und testen. Genau diese Übersetzungsarbeit macht das Programm anschlussfähig für den Unterricht, der im Alltag selten Zugang zu solchen Originalumgebungen hat.

Besonders interessant für Andrews ist, dass das Institut den Transfer in den eigenen Stundenplan nicht nur als Idee verkauft, sondern über konkrete Lernmethoden anbahnt. In der Gruppe tauschten sich die Teilnehmenden darüber aus, wie man Kinder dazu bringt, „wie Wissenschaftler“ zu denken. Ein Beispiel, das Andrews als zukünftige Unterrichtseinheit erwägt, klingt auf den ersten Blick ungewöhnlich: eine Aufgabe, bei der Schülerinnen und Schüler den „schlechtesten Bleistift“ entwerfen sollen. Das ist keine Provokation um der Provokation willen, sondern ein konzeptioneller Einstieg in STEM‑Kritikfähigkeit. Wenn etwas nicht funktioniert, wird sichtbar, welche Annahmen vorher plausibel wirkten – und warum. Andrews sagte dazu, man könne kreative Leistungen ermöglichen, ohne dass Kinder dauerhaft Angst haben müssen, „die richtige Antwort“ liefern zu müssen oder „die Besten“ zu sein.

Ob und wie sie die Mars‑Impulse und die Methoden aus dem Institut konkret einsetzt, ist bei Andrews aktuell noch offen. Aber die Richtung ist deutlich: Sie will in den kommenden Wochen mit ihren Schülerinnen und Schülern neue Möglichkeiten ausprobieren, die sich aus Raumfahrt ableiten lassen. Gleichzeitig klingt in ihrer Rückschau vor allem die Motivation durch, die sie aus der Fortbildung gezogen hat. „I’m just so jazzed about space“, brachte Andrews die Stimmung auf den Punkt – und verknüpfte sie mit einem praktisch beobachtbaren Moment: Raumfahrtunterricht sei besonders gut, weil man das Thema draußen am Nachthimmel sehen kann. So wird aus einer Fortbildungswoche am Johnson Space Center ein Unterrichtsansatz, der Begeisterung in strukturierte Lerngelegenheiten übersetzt.


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