WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Mehr als zwei Dutzend zentrale NASA-Vorhaben melden Auswirkungen durch den Abbau von zivilen Beschäftigten. In einer Bewertung von 36 Großprojekten berichtet die Untersuchung, dass 25 Programme Effekte der Abgänge im letzten Jahr spüren. Betroffen sind unter anderem Orion, das SLS-Programm und die Venusmission DAVINCI, teils mit Risiken für weitere Verzögerungen. Der Bericht warnt zudem, dass die volle Wirkung des Rückbaus organisatorisch erst in den kommenden Monaten vollständig sichtbar wird.

NASA-Rückbau bremst Projekte: 25 von 36 Vorhaben spüren Personalabbau
NASA-Rückbau bremst Projekte: 25 von 36 Vorhaben spüren Personalabbau (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Personalabbau bei der NASA trifft nicht nur die Organisation als Ganzes, sondern schlägt sich bereits heute spürbar in laufenden Projekten nieder. Laut einer Prüfung des Government Accountability Office (GAO) zu den wichtigsten Missionen und Programmen im Entwicklungsstadium berichten 25 der 36 untersuchten Vorhaben, sie hätten im vergangenen Jahr Effekte wahrgenommen. Ausgangspunkt ist der Abgang von 22% der zivilen Belegschaft über deferred retirement Programme, wodurch sich die Personalstruktur aus Sicht der Prüfer zunehmend von den programmspezifischen Bedarfen entfernt.

Die unmittelbare Folge: In mehreren Bereichen entsteht ein Ungleichgewicht zwischen verfügbaren Kapazitäten und dem, was die Missionen in der jeweiligen Phase benötigen. Das GAO beschreibt, die Abgänge hätten die Belegschaft derart aus dem Gleichgewicht gebracht, dass Personalplanung und -besetzung nicht mehr sauber mit den programmatic needs Schritt halten. Konkrete Beispiele zeigen dabei, wie unterschiedlich sich der Rückgang niederschlägt: So meldete Orion einen Verlust von rund 10% der zivilen Beschäftigten; trotzdem gingen betroffene Stellen nicht sofort reibungslos in die Besetzung über. Beim Space Launch System wird sogar von nahezu 20% weniger ziviler Workforce berichtet, und das Programm prüft inzwischen Workforce als formales Risiko.

Auch übergreifende Missions- und Projektketten bleiben nicht unberührt. Das GAO führt DAVINCI an, eine Venusmission, die vom Goddard Space Flight Center aus geführt wird. Dort habe der Verlust zentraler Mitarbeitender zusätzlich zu einer drohenden Streichung im Budgetantrag für das Fiskaljahr 2026 geführt, weshalb geplante Maßnahmen zur Risikoreduktion angepasst werden mussten. Zwar wurde DAVINCI später im finalen 2026er Appropriations-Beschluss finanziert und kann damit wieder Personal aufbauen, doch das Projekt steht weiterhin in einem größeren Set an Missionen, die im Budgetentwurf für 2027 zur Diskussion stehen.

Besonders stark wirkt der Rückbau am Standort Goddard. Laut Bericht verlor Goddard 34% seiner zivilen Belegschaft, während die NASA-Zentrale die geringsten Verluste verzeichnete (11%). Andere Zentren bewegen sich dazwischen: Die Spanne der gemeldeten Reduktionen reicht von 16% bis 28%. Für die operative Steuerung bedeutet das: Bestimmte Mission-Directorates können künftig vor Herausforderungen stehen, wenn die Personaldecke in einzelnen Zentren nicht ausreicht, um alle geplanten Arbeiten ausreichend zu staffeln. Bemerkenswert ist dabei, dass die Prüfer trotz der ersten Personalwirkungen bislang keine negativen Effekte auf Kosten- und Terminperformance in den betrachteten Programmen feststellen.

Das GAO hält fest, dass es im Vergleich zur vorangegangenen Bewertung vor einem Jahr bisher nur vereinzelte Terminverschiebungen gab: Lediglich zwei Programme erlitten jeweils Verzögerungen von einem Monat. Daneben gibt es sogar positive Ausreißer, etwa die IMAP-Mission im Bereich Space Science, die bereits drei Monate früher startete. Gleichzeitig weist der Bericht finanzielle Mehrkosten aus: Insgesamt summieren sich die net overruns auf 478,2 Millionen US-Dollar, mit einer Häufung in den Bereichen SLS Block 1B und Orion. In der Logik vieler Projektportfolios ist das zwar kein unmittelbarer Beleg für zukünftige Terminprobleme, liefert aber ein Signal, dass Puffer und Optimierungsreserven nicht unbegrenzt sind.

Gerade deshalb ist die eigentliche Warnung des Berichts weniger die aktuelle Lage, sondern die potenziell größere Wirkung in der Zukunft. Die NASA geht demnach zwar schrittweise über die Zeit bis Januar 2026 mit den Workforce-Reduktionen vor, und die Prüfer sehen: Bislang ist die volle Tragweite noch nicht über die gesamte Organisation hinweg realisiert. Das wird an Psyche verdeutlicht, einer Asteroidenmission: Dort hätten Personalengpässe eine Verzögerung des Starts um ein Jahr und zusätzliche Kosten von 132 Millionen US-Dollar ausgelöst. Außerdem habe die Verzögerung eine weitere Mission im Entwicklungszustand am Jet Propulsion Laboratory, VERITAS (Venus-Orbiter), nachgelagert beeinflusst.

Als besonders kritisch identifiziert das GAO sogenannte skill gaps in mission-critical Bereichen. Dazu zählen laut Bericht unter anderem Aerospace Engineering, Mechanical Engineering, Electrical Engineering, Computer Engineering sowie Information Technology und Cybersecurity. Interessant ist dabei die Art der Gegenmaßnahmen: Im Februar kündigte der NASA-Administrator Jared Isaacson an, neue zivile Beschäftigte gewinnen zu wollen, wobei der Schwerpunkt zunächst vor allem auf der Umwandlung bestehender Contractor-Rollen liegen soll. Zusätzlich wurde die Initiative „NASA Force“ beschrieben, eine Partnerschaft mit dem Office of Personnel Management, um „high-impact technical talent“ temporär in die NASA zu holen. Offen bleibt, wann genau sich diese Personalmaßnahmen messbar in den Projekten niederschlagen, denn das GAO verweist darauf, dass mehr Klarheit zu den Workforce-Plänen erst nach dem Abschluss der genannten Schritte erwartet wird.

Im Hintergrund verschärft sich die Lage außerdem durch Unsicherheit bei den Budgets. Der Bericht stellt klar, dass der Finanzierungspfad für das Fiskaljahr 2027 weiterhin nicht stabil ist: Zwar würde ein House Bill die geplanten Kürzungen weitgehend übersteuern, während sich im Senat die eigenen Ausgaberegelungen noch nicht weiterentwickelt haben. Sollte die NASA auf dem Niveau der angefragten Finanzierung nicht stabilisiert werden, könnte das laut GAO zu weiteren Workforce-Reduktionen führen oder geplantes Hiring zumindest ausbremsen. Für Unternehmen im Umfeld der Raumfahrt ist das vor allem ein Signal für längerfristige Planungsrisiken: Lieferketten, Dienstleisterrollen und Engineering-Kapazitäten hängen in solchen Programmen häufig direkt an der Frage, ob die internen Schlüsselrollen rechtzeitig wieder besetzt werden können.


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