LONDON (IT BOLTWISE) – Die US-Raumfahrtbehörde NASA will neue Vorgehensweisen entwickeln, um Blutgerinnsel im All besser zu überwachen, zu verhindern und im Ernstfall zu behandeln. Im Fokus steht Venenthrombose, also Gerinnselbildung in Venen, die während Raumfahrt- und Explorationsmissionen auftreten kann. Das Human Research Program fordert dafür sowohl retrospektive als auch prospektive Studien mitsamt Budgetangaben. Die Einreichfrist für Projektpläne und Angebote liegt am 20. November 2026 um 13:00 Uhr CT.

Im Raumflug gelten für die Besatzung viele bekannte Risiken – aber bei Venenthrombose rückt nun ein Problem in den Mittelpunkt, das im Alltag zwar vorkommt, in der Schwerelosigkeit und unter Missionsbedingungen jedoch besonders anspruchsvoll zu managen sein kann. Die NASA sucht laut Ausschreibung nach neuartigen Praktiken, um Blutgerinnsel zu monitoren, ihr Risiko zu senken und im Bedarfsfall zu behandeln. Venenthrombose beschreibt die Entwicklung eines Blutgerinnsels in einer Vene und wird in der Medizin häufig mit tiefen Venenthrombosen im Beinbereich nach Operationen, Verletzungen oder langem Sitzen in Verbindung gebracht. Für den Raumflug relevant ist vor allem die Frage, wie sich solche Gerinnsel im Körper über Zeit aufbauen, wie früh sie sich erkennen lassen und welche Gegenmaßnahmen dann tatsächlich wirken.
Technisch und klinisch verknüpft die Anfrage mehrere Ansatzpunkte, die zusammen eine komplette Kette bilden: Erkennen, Risikominderung und Behandlung. In der Ausschreibung wird darauf hingewiesen, dass Blutgerinnsel im oberen Körper seltener sind, insbesondere in den Jugularvenen im Halsbereich – zugleich aber gerade bei Astronautinnen und Astronauten Symptome fehlen können. Das bedeutet: Eine rein symptomorientierte Überwachung kann im Flug zu spät greifen. Als Beispiel nennt die NASA die Möglichkeit, ein Gerinnsel in der inneren Jugularvene per Ultraschall zu detektieren. Für die Forschung heißt das konkret, dass Test- und Diagnosekonzepte nicht nur die biologische Wahrscheinlichkeit berücksichtigen, sondern auch die praktische Durchführbarkeit in einer bemannten Umgebung.
Das Human Research Program (HRP) adressiert daher eine Forschungs- und Validierungslücke: Gesucht werden Pläne samt Budgetangaben für retrospektive oder prospektive Untersuchungen zu aktuellen, verbesserten oder neuartigen Ansätzen. Der Text ist dabei bewusst breit formuliert: Die eingereichten Konzepte sollen Strategien zur Entwicklung und Validierung von Verfahren umfassen, die entweder darauf abzielen, das Auftreten von Venenthrombosen zu verhindern, oder zumindest das Risiko zu reduzieren. Alternativ oder ergänzend fordert die Ausschreibung auch Gegenmaßnahmen zur Behandlung, einschließlich prophylaktischer wie auch therapeutischer Interventionen. Aus Sicht der KI-Entwicklung im Gesundheitsbereich lässt sich das als Bedarf an auswertbaren Daten, wiederholbaren Protokollen und messbaren Endpunkten lesen – allerdings bleibt die Anfrage selbst offen für unterschiedliche Methoden, von klinischen Pfaden bis hin zu datengetriebenen Auswertungen, solange Validierung und Methodik überzeugend dargelegt werden.
Für potenzielle Antragstellende ist außerdem entscheidend, wie „spaceflight and exploration missions“ in der Methodik operationalisiert werden. Da die NASA sowohl prospektive Forschung als auch retrospektive Analysen zulässt, könnten Teams beispielsweise bestehende Datensätze aus bereits beobachteten Verläufen nach Mustern auswerten oder neue Studiendesigns entwerfen, die unter realistischen Einsatzbedingungen laufen. Wichtig ist dabei, dass die Ausschreibung nicht nur eine Idee erwartet, sondern eine strukturierte Herleitung: Antworten sollen eine nachvollziehbare Begründung (Rationale) und eine Methodik enthalten, wie die vorgeschlagenen Ansätze entwickelt, geprüft und letztlich in ihrer Wirksamkeit bewertet werden. In der Praxis bedeutet das: Die Konzepte müssen die typischen Randbedingungen des Raumflugs reflektieren, etwa Zeitfenster für Diagnostik, die Durchführung von Untersuchungen durch das Crew-Personal und die Frage, wie sich Risiken überwachen lassen, ohne den Betrieb zu stören.
Der Zeitplan der Ausschreibung setzt dabei klare Signale. Eingereicht werden müssen Projektpläne und Budgetangebote elektronisch über den NASA Procurement-Prozess. Als Frist nennt die NASA den 20. November 2026, 13:00 Uhr CT, wobei die Kontaktadresse für Einreichungen explizit angegeben ist: [email protected]. Bei Fragen können Interessierte zudem die im Text genannte E-Mail-Adresse des Human Research Program nutzen, erreichbar unter [email protected]. Für Organisationen mit Erfahrung in medizinischer Forschung, klinischer Diagnostik oder Validierungsstudien ist das eine klare Gelegenheit, ihre Kompetenz in die Raumfahrt zu übertragen – und zwar nicht als isolierter Laboransatz, sondern als Beitrag zu belastbaren Gegenmaßnahmen während Missionen.
Markt- und Branchenwirkung entsteht hier vor allem dadurch, dass sich das Problemfeld Venenthrombose an der Schnittstelle von Medizin, Diagnostik und Einsatzrealität bewegt. Für Entwicklerinnen und Entwickler bedeutet das: Selbst wenn ein Ansatz technologisch neu wirkt, wird er nur dann überzeugend, wenn er in der Flugumgebung prüfbar gemacht wird. Gleichzeitig entsteht ein Anschlussfähigkeitspotenzial über den Raumflug hinaus, denn die Grundlogik der Ausschreibung – früh erkennen, Risiko senken, im Ernstfall wirksam behandeln – ist auch in anderen Settings relevant, in denen Mobilität reduziert ist oder klinische Kontrollintervalle eingeschränkt sind. Ob und wie KI dabei konkret eingesetzt wird, bleibt offen; entscheidend ist, dass Ergebnisse und Validierung in der Sprache der Methodik beschrieben werden, die die NASA in der Ausschreibung ausdrücklich einfordert.
Damit wird aus einer medizinischen Detailfrage ein operatives Forschungsprogramm. Wenn die geplanten Arbeiten die Lücke bei Überwachung und Gegenmaßnahmen schließen, könnte das die Einsatzfähigkeit bemannter Missionen in mehreren Zeitdimensionen stärken: bei kurzfristigen Symptomen ebenso wie bei gerinnselbedingten Ereignissen ohne deutliche Warnzeichen. Die NASA formuliert dafür einen Auftrag, der inhaltlich anspruchsvoll ist, weil er nicht nur Diagnosemethoden oder Therapieoptionen fordert, sondern auch einen Belegpfad, der retrospektiv oder prospektiv funktioniert. Für die nächste Projektphase im Human Research Program ist die Einreichung am 20. November 2026 der entscheidende Schritt – danach wird sich zeigen, welche Ansätze das Zeug dazu haben, in einer Umgebung mit hohen Anforderungen an Sicherheit, Durchführbarkeit und Evidenz zu bestehen.
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