BRÜSSEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die EU verschärft ihre Datenschutzrichtlinien mit neuen Leitlinien des Europäischen Datenschutzausschusses und einem wegweisenden Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Diese Entwicklungen haben weitreichende Auswirkungen auf die Datenverarbeitung in der Forschung und die Speicherung personenbezogener Daten.

Die jüngsten Entwicklungen im Bereich des Datenschutzes in der Europäischen Union haben weitreichende Auswirkungen auf Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Der Europäische Datenschutzausschuss (EDPB) hat im April 2026 neue Leitlinien veröffentlicht, die die Langzeitspeicherung von Daten erheblich einschränken. Diese Leitlinien beinhalten einen strengen Sechs-Faktoren-Test für die Verarbeitung von Forschungsdaten, der die unbegrenzte Speicherung personenbezogener Daten explizit verbietet. Sobald das konkrete Verarbeitungsziel erreicht ist, müssen die Daten entweder gelöscht oder anonymisiert werden.
Parallel dazu hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) ein bedeutendes Urteil gefällt, das Unternehmen ein neues Werkzeug zur Abwehr missbräuchlicher Auskunftsersuchen an die Hand gibt. Im Fall Brillen Rottler entschied der EuGH, dass Auskunftsersuchen nach der DSGVO unter bestimmten Umständen als Rechtsmissbrauch eingestuft werden können. Zudem muss für Schadensersatzansprüche ein tatsächlicher, materieller Schaden nachgewiesen werden, was Unternehmen eine potenzielle Verteidigung gegen taktisch motivierte Anfragen bietet.
Die geplante „Digital Omnibus“-Reform der EU-Kommission zielt darauf ab, die digitale Regulierung zu entwirren und gleichzeitig die Meldefrist für Datenpannen von 72 auf 96 Stunden zu verlängern. Diese Reform könnte den Verwaltungsaufwand für Unternehmen erheblich reduzieren, indem sie ein Opt-out-System für Cookies einführt, das über Browsereinstellungen gesteuert wird. Trotz dieser Fortschritte bleibt die Einigung über den AI-Act-Omnibus in intensiven Trilog-Verhandlungen aus, insbesondere in Bezug auf die Regulierung von Hochrisiko-KI-Systemen.
Die Industrie reagiert auf den wachsenden Regulierungsdruck mit neuen technischen Lösungen. Unternehmen wie Kiteworks und Dataiku haben spezialisierte Plattformen zur Automatisierung von DSGVO- und AI-Act-Compliance auf den Markt gebracht. Diese Tools nutzen fortschrittliche Technologien wie attributbasierte Zugriffskontrollen und manipulationssichere Audit-Logs, um den Compliance-Druck zu mindern. Eine Bitkom-Studie zeigt jedoch, dass trotz dieser Bemühungen rund 12 Prozent der Mitarbeiter auf nicht autorisierte Tools zurückgreifen, was die Kluft zwischen Unternehmenspolitik und Mitarbeiterverhalten vergrößert.
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