FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Zwei neue UCITS-ETFs erweitern das Anlageuniversum um einen wertorientierten Ansatz auf Basis der Shiller-CAPE-Ratio sowie um währungsgesicherte Schwellenländer-Anleihen in US-Dollar. Der „OSSIAM SHILLER BARCLAYS CAPE US Market Neutral“ ETF sucht gezielt unterbewertete US-Sektoren und passt die Gewichtung monatlich an. Der „iShares USD EM Bond“ ETF reduziert Wechselkursrisiken zwischen Euro und US-Dollar, indem die USD-Anleihepositionen entsprechend abgesichert werden. Für Anleger bedeutet das: mehr Systematik bei der Aktiensektor-Auswahl und mehr Planbarkeit bei der Währungsseite im Rentenbereich.

Die neuen Produkte greifen zwei Themen auf, die in der ETF-Welt seit Jahren für unterschiedliche Renditeprofile sorgen: auf der einen Seite eine regelbasierte Aktienselektion über Bewertungskennzahlen, auf der anderen Seite eine Rentenkomponente, die das Wechselkursrisiko bewusst adressiert. Konkret geht es um den „OSSIAM SHILLER BARCLAYS CAPE US Market Neutral – UCITS ETF“, der den bekannten Shiller-CAPE-Ansatz nutzt, und um den „iShares USD EM Bond UCITS ETF“, der Schwellenländeranleihen in US-Dollar hält und die Anteilsklasse gegenüber dem Euro währungsgesichert ausgestaltet. Während der US-Aktienteil nicht den gesamten Markt abbildet, sondern die relative Bewertung einzelner Sektoren in den Fokus stellt, konzentriert sich der Renten-ETF auf die Zinswirkung in USD und reduziert das Währungsrisiko über die Absicherung.
Der „OSSIAM SHILLER BARCLAYS CAPE US Market Neutral – UCITS ETF“ setzt laut Produktbeschreibung auf einen wertorientierten, quantitativen Investmentansatz. Ausgangspunkt ist die Shiller-CAPE-Ratio, eine Bewertungskennzahl, die auf langfristig geglätteten Gewinnen basiert. Anders als ein klassischer Ansatz, der den US-Markt nach Marktkapitalisierung nachbildet, sucht der ETF gezielt nach Sektoren, die im Verhältnis zu ihren langfristig geglätteten Ertragsniveaus als günstig eingestuft werden. Die Logik dahinter ist vor allem relativ: Nicht die absolute Marktrichtung entscheidet, sondern wie einzelne Sektoren im Bewertungsranking im Vergleich zueinander dastehen.
Damit diese relative Über- und Unterbewertung nicht nur eine Momentaufnahme bleibt, passt der ETF die Gewichtung monatlich dynamisch an. Das bedeutet praktisch: In jedem Monat fließt eine neue Bewertungsbasis ein, aus der sich ergibt, welche Sektoren aktuell stärker bzw. schwächer gewichtet werden. Die Produktbeschreibung betont dabei, dass die Rotation zwischen unterschiedlich bewerteten US-Sektoren langfristig auf Überrenditen ausgerichtet ist. Für das Risikoprofil ist zudem zentral, dass der Ansatz als „Market Neutral“ beschrieben wird: In solchen Konstrukten zielt man typischerweise darauf ab, Marktschwankungen und systematische Faktoren zu dämpfen, während selektive Ideen über die Sektorrotation im Vordergrund stehen.
Der zweite neue ETF richtet den Blick dagegen auf den Rentenmarkt in Schwellenländern – und zwar in US-Dollar. Der „iShares USD EM Bond UCITS ETF“ investiert in festverzinsliche Anleihen von staatlichen und quasi-staatlichen Emittenten aus Schwellenländern, wobei die Währungsebene explizit eine Rolle spielt: Die Anteilsklasse ist gegenüber dem Euro währungsgesichert, sodass das Wechselkursrisiko zwischen Euro und US-Dollar reduziert wird. Technisch betrachtet geht es dabei nicht um eine zusätzliche Renditequelle durch Währung, sondern um Stabilisierung der Ergebnisse aus Sicht eines Euro-Anlegers. Gerade in Phasen, in denen sich USD-Notierungen gegenüber dem Euro deutlich bewegen, kann diese Struktur helfen, die Performance stärker an der Zins- und Spread-Komponente des Rentenportfolios zu koppeln.
Aus Anlegersicht sind solche USD-gesicherten Schwellenländer-Anleihen häufig ein Gegenentwurf zu ungesicherten EM-Dollar-Bonds. Der Unterschied liegt nicht nur im beobachtbaren Ergebnis, sondern auch in der Erwartung an die „Treiber“ der Rendite: Bei ungesicherten Produkten trägt der Anleger die Währungsvolatilität direkt mit, bei gesicherten Produkten tritt sie in den Hintergrund. Gleichzeitig bleiben die fundamentalen Risiken bestehen, die zum EM-Staats- und quasi-staatlichen Segment gehören, etwa Liquiditäts- und Bonitätsfragen sowie die Sensitivität gegenüber globalen Zinsbewegungen. Genau deshalb ist die Währungsabsicherung für viele Portfolios nicht „Risiko weg“, sondern „Risiko umsortiert“ – vom Devisenpfad hin zur Zins- und Kreditlandschaft.
Dass beide ETFs gleichzeitig in den Handel kommen, wirkt wie eine bewusste Ergänzung zweier unterschiedlicher Strategiedesigns. Der CAPE-basierte Ansatz adressiert die Frage „Welche Aktiensektoren wirken relativ günstig?“, und er beantwortet sie über einen regelbasierten Prozess mit monatlicher Umschichtung. Der USD-gesicherte Rentenansatz beantwortet dagegen „Wie kann man EM-Dollar-Zinsen vereinnahmen, ohne das Euro-Währungsrisiko vollständig zu übernehmen?“. In Kombination ergeben sie damit ein Portfolio-Bild, das nicht nur auf Renditechancen setzt, sondern auch auf die steuerbare Struktur der Risiken – also darauf, welche Faktoren stärker und welche schwächer in der Performance sichtbar werden.
Für die Praxis bedeutet das: Wer beide Bausteine nutzt, kann seine Allokation stärker entlang der gewünschten Ertragsquellen ausrichten. Das gilt insbesondere für institutionelle Anleger, die ihre Benchmarks und Faktorwetten sauber trennen wollen – etwa indem sie die Sektorrotation als eigenständigen Equity-Teil sehen und den gesicherten EM-Rentenblock als separate Liquiditäts- und Duration-Komponente. Gleichzeitig sollten Entscheider den Mechanismus der monatlichen Gewichtungsanpassung beim CAPE-ETF und die Kosten- und Wirkungslogik der Währungsabsicherung beim USD-ETF in ihren Annahmen berücksichtigen. Denn bei quantitativen Strategien entscheidet nicht nur „das Modell“, sondern auch, wie konsequent und reibungslos die Regelumsetzung im Markt erfolgt – und bei Währungsabsicherung zählt neben dem Effekt vor allem, wie sie über die Zeit ökonomisch abgebildet wird.
Insgesamt zeigen die beiden Neuerscheinungen einmal mehr, wie stark sich der ETF-Markt entlang spezialisierter Themen weiterentwickelt: nicht nur über neue Zielmärkte, sondern über präzisere Methodik. Der „Market Neutral“-Charakter beim CAPE-ETF und die explizite Euro-USD-Absicherung beim EM-Bond-ETF sind dabei weniger Marketing-Sprech als zentrale Stellhebel für das Rendite-Risiko-Profil. Für Anleger, die gezielt systematische Bewertungsansätze sowie planbarer abgesicherte Währungssegmente suchen, liefern die neuen UCITS-ETFs damit konkrete Bausteine – mit klarer Rollenverteilung zwischen Equity-Selektionslogik und Renten-Währungssteuerung.
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