LONDON (IT BOLTWISE) – NGINX hat mit den Versionen 1.30.6 und 1.31.7 fünf Sicherheitslücken geschlossen, darunter drei Speicherfehler mit Absturz- oder Code-Ausführungsrisiko. Zusätzlich beschreibt F5 eine TLS-Sitzungs-Fälschung, die clientseitige Zertifikatsprüfungen offenbar umgehen könnte, wenn auch nur nicht-deterministisch. Kritisch ist außerdem ein HTTP/3-Parsing-Fehler, der im Zusammenspiel mit aktivem Request Buffering zusätzliche Bytes in eine Anfrageeinspeisen kann. Für Betreiber zählt jetzt vor allem: Upgrade statt Workarounds, aber Konfigurationen lassen sich über nginx -T gezielt verifizieren.

NGINX hat am 14. Oktober Versionen 1.30.6 und 1.31.7 veröffentlicht, um fünf Sicherheitslücken zu beheben. F5 ordnet dabei insbesondere die drei Speicherfehler als potenziell kritisch ein: Sie betreffen einen Worker-Prozess und können diesen zum Absturz bringen oder laut Bewertung sogar eine Code-Ausführung ermöglichen. NGINX selbst stuft alle fünf Lücken als „medium“ ein – im Betrieb macht das jedoch weniger den Unterschied, als die konkrete Exponierung in der jeweiligen NGINX-Konfiguration. Laut Hinweistext waren die beschriebenen Schwachstellen in diesem Umfang zuvor in jeder NGINX-Version seit Mai 2005 vorhanden, wobei jeweils bestimmte Direktiven und Ausweichpfade erfüllt sein müssen, damit ein Angriff ausnutzbar wird.
Technisch interessant ist vor allem, wie eng die Angriffsoberflächen an spezielle Konfigurationskombinationen gekoppelt sind. Eine Heap-Overflow-Lücke (CVE-2026-15176) setzt eine Konstellation voraus, in der ein alias mit rewrite eingesetzt wird und zusätzlich irgendwo Werte verarbeitet werden, die aus $request_filename abgeleitet sind – etwa über return, set, if, add_header oder bestimmte Varianten von access_log. F5 nennt dafür als betroffene Range „0.1.29 bis 1.31.6“ und empfiehlt als Gegenmaßnahme ausdrücklich, in der betroffenen Location kein alias zu verwenden und $request_filename dort zu vermeiden. Ähnlich spezifisch ist die zweite Heap-Overflow-Lücke (CVE-2026-93479), die bei einem Regex-map greift, wenn dessen Capture-Gruppen so weiterverwendet werden, dass die Variablen bereits vor dem eigentlichen Map-Output ausgewertet werden – F5 rät hier zu named captures und zur Nutzung nur innerhalb des Blocks, in dem der Match stattfindet.
Die dritte Speicherschwachstelle (CVE-2026-97205) ist ein Use-after-free im Worker-Prozess und hängt an aio zusammen mit einer SSI-Seite (Server-Side Includes) mit „include virtual“-Kommandos. Auslöser ist hier der Parallelismus, den NGINX bei SSI-Einschüben ermöglicht: Bestimmte enthaltene Requests können damit gleichzeitig laufen, während asynchrone Operationen Speicher freigeben können, den andere noch referenzieren. Als Range nennt F5 „0.8.11 bis 1.31.6“; als Workaround empfiehlt der Text, entweder aio abzuschalten oder keine SSI-Seiten auszuliefern. Ergänzend dazu kommt eine HTTP/3-Lücke (CVE-2026-95101) hinzu, die in einem Parsing-Feld gleichzeitig zwei Aufgaben übernimmt: einmal den Rest eines Frames, der übersprungen werden soll, und dann die Anzahl der DATA-Bytes, die als Request-Body weitergereicht werden. Besonders kritisch ist das Zusammenspiel mit aktivem proxy_request_buffering in HTTP/3-Setups; der Workaround lautet daher konsequent: proxy_request_buffering ausstellen, bis das Upgrade erfolgt ist. Die betroffene Range wird mit „1.25.0 bis 1.31.6“ angegeben, was für viele Umgebungen relevant ist, weil HTTP/3 in den letzten Releases stärker in den Produktionsbetrieb gewandert ist.
Neben den Speicherfehlern hebt F5 eine TLS-Problematik hervor, die auf Sitzungstickets und deren automatischer Schlüsselrotation beruht. Laut Beschreibung lässt ein Client eine TLS-Session wiederaufnehmen, ohne die volle Handshake-Sequenz durchlaufen zu müssen; dazu dienen session tickets. Seit NGINX-Version 1.23.2 übernimmt ein Shared Session Cache die Generierung und Rotation der Ticket-Keys automatisch, sofern die Keys nicht aus einer Datei geladen werden. Dabei führt die Rotation in jedem Worker zu einer Kopie in nur zwei von drei Key-Slots; der dritte Slot soll uninitialisierte Werte enthalten, sodass ein Ticket, das diesen Slot referenziert, mit nicht vorgesehenem Schlüsselmaterial verifiziert und entschlüsselt werden könnte. Der entscheidende Punkt ist: F5 betont, dass die resultierende Sitzungsfälschung „nicht-deterministisch“ und damit „außerhalb der Kontrolle des Angreifers“ sei. Trotzdem beschreibt F5 einen möglichen Effekt: Das könnte zur Umgehung der Überprüfung von Client-Zertifikaten führen. Als betroffener Zeitraum wird „1.23.2 bis 1.31.6“ genannt; die Exposition hängt am Beispiel der Direktive ssl_session_cache shared: SSL: 10m ohne die passende Absicherung per ssl_session_ticket_key. NGINX verweist gleichzeitig darauf, dass Server mit deaktivierten Sitzungs-Tickets nicht betroffen sind. Ergänzend wird im Text eine vorherige TLS-Schwäche erwähnt, die ähnliche Konsequenzen hatte (CVE-2025-23419), was die Bedeutung des Themas „session resumption sicher umsetzen“ unterstreicht.
Für Betreiber ist die wichtigste Handlung derzeit klar: Upgrade. NGINX empfiehlt, auf der Stable-Branch auf 1.30.6 zu gehen und auf der Mainline 1.31.7 einzusetzen; die Stable-Variante enthält dabei laut Hinweis nur Fixes. Parallel macht der Text deutlich, dass ältere Branches – etwa 1.28 – weiterhin in den genannten betroffenen Bereichen liegen, falls ein Distributor die Patches nicht zurückportiert hat. Für NGINX Plus sowie für Nutzer von F5-Komponenten wie Ingress Controller, Gateway Fabric, Instance Manager und WAF gilt zusätzlich: Es kommt auf die jeweiligen Produktbuilds an, weil im Hinweistext für einige Produkte bis zum 15. Oktober noch keine feste Update-Version genannt wurde. Wer dennoch nicht sofort upgraden kann, bekommt in der Meldung pragmatische, aber enge Workarounds: Für jeden Fehler wird die Konfiguration so beschrieben, dass die jeweilige Trigger-Bedingung deaktiviert oder isoliert wird – etwa indem man alias plus rewrite ohne $request_filename in den betroffenen Locations betreibt, Regex-Captures restriktiv nur im passenden Block verwendet, aio und SSI-Parallelpfade trennt, in HTTP/3 proxy_request_buffering deaktiviert und den Shared Session Cache nur mit explizitem ssl_session_ticket_key nutzt.
Die Meldung liefert auch einen Blick darauf, wie schnell solche Lücken im Feld problematisch werden können. NGINX beschreibt beispielsweise, dass die Map-bezogene Schwachstelle (CVE-2026-93479) in demselben String-Handling-Code liegt, der am 15. Juli im Zusammenhang mit CVE-2026-42533 gepatcht wurde. Ein Commit habe zwar Schutzmechanismen hinzugefügt, aber erst nachgelagert sei eine weitere Änderung nötig geworden, bevor der String am Ende wieder sicher begrenzt war. Im aktuellen Text wird zudem erwähnt, dass die Juli-Workaround-Strategie bereits öffentlich hinterfragt wurde, und dass ein vollständiges Fixieren nur durch Upgrade erreichbar sei. Ergänzend nennt die Meldung ein weiteres Detail aus dem May-Patch: Eine Overflowschwäche, die bereits kurze Zeit nach Disclosure ausgenutzt worden sei. Für die IT-Security bedeutet das letztlich: Selbst wenn einzelne Lücken „nur“ als medium eingestuft sind, können die Kombinationen aus Direktiven und Datenpfaden in der Praxis schnell zu realen Angriffspfaden führen – gerade in Reverse-Proxy-Setups, in denen NGINX unmittelbar am Edge steht und damit besonders oft öffentlich erreichbar ist.
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