KÖLN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Kölner Eismarke Nomoo will mit einer geänderten Kommunikationsstrategie aus der Nische herauswachsen und an große Marken heranrücken. Laut Unternehmensangaben steigert Nomoo den Absatz bis Ende Juli 2026 um etwa 35 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Wechsel: Nomoo rückt wieder Geschmack und Milchfreiheit in den Mittelpunkt statt ausschließlich das Nachhaltigkeits- oder Vegan-Label. Damit testet die Gründerin Rebecca Gӧckel, wie stark sich eine breitere Zielgruppe über den Handel abholen lässt.

Nomoo macht veganes Eis zum Genussprodukt: Wachstum und neue Kommunikationslinie
Nomoo macht veganes Eis zum Genussprodukt: Wachstum und neue Kommunikationslinie (Foto: IT BOLTWISE)
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Nomoo steht gerade sinnbildlich für einen Richtungswechsel im deutschen Speiseeisregal: Nicht nur neue Zutaten, sondern vor allem die Ansprache entscheidet darüber, ob eine Marke in einer Sättigungsphase durchstartet. Während der Absatz mit Speiseeis in den vergangenen zwölf Monaten laut den Angaben im Bericht stagniert und auch die Extremhitze Ende Juni keinen dauerhaften Schub gebracht hat, verweist die Kölner Marke auf eine deutlich andere Entwicklung. Bis Ende Juli 2026 soll der Absatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um etwa 35 % gestiegen sein. Diese Dynamik will Firmenchefin Rebecca Gӧckel nun nutzen, um den Abstand zu den globalen Marktführern zu verkürzen und die Marke im Mainstream sichtbar zu machen.

Der Kern der Veränderung liegt in der Kommunikationsstrategie. Nomoo war zuvor klar als vegane Marke positioniert; genau diese „Nische“ habe sich dem Bericht zufolge schlechter entwickelt als der Gesamtmarkt. Jetzt adressiert das Unternehmen stärker „die Breite der Konsumenten“ und arbeitet das Thema Milchfreiheit anders heraus: „Ich nenne Nomoo nicht vegan“, sagt Business Angel Ian Maskell. Technisch bedeutet das in der Praxis weniger eine Anpassung der Produktionslinie als ein anderes Packaging- und Messaging-Setup, das im Handel in Sekunden funktionieren muss. Auch der Produktionspartner Paradies-Eis wird indirekt Teil der Wachstumsgeschichte: Laut Aussagen aus dem Umfeld des Auftragsfertigers muss Nomoo das Sommerhoch offenbar „schnell nachliefern“ und „einfach auf absolut Vollgas“ laufen, weil die Nachfrage in kurzer Zeit anzieht.

Gӧckels Ausgangslage zeigt, warum diese Umstellung mehr als Marketingdebatte ist. Nomoo stellt seit 2018 veganes Eis her, als Basis dient eine Kokos-Cashew-Mischung statt Kuhmilch; der Markenname setzt sich aus „no“ und „moo“ zusammen. Im vergangenen Jahr setzte Nomoo im veganen Segment noch zwischen 40 und 50 % weniger um als große Marken wie Magnum, Cremissimo und Ben & Jerry’s. Im ersten Halbjahr 2026 soll sich der Abstand auf durchschnittlich 18 % reduziert haben. Der Unterschied zwischen „Vegan“ und „Milchfrei“ ist dabei für den Kaufprozess entscheidend, weil das Verkaufsargument psychologisch greifbarer wird: Im Bericht wird auf eine Konsumentenumfrage von PwC verwiesen, wonach für Dreiviertel der Deutschen Klimaschutz zwar relevant ist, aber nur 31 % bereit seien, dafür mehr Geld zu bezahlen. Nachhaltigkeit wird damit nicht abgesagt, aber als Budgettreiber schwächer.

Dass diese Verschiebung auf Resonanz stößt, hängt auch mit der Marktkonsolidierung zusammen. Aus den Angaben im Bericht wird sichtbar, wie viele Anbieter beim Übergang zu pflanzlichem Eis nicht mithalten konnten: In Deutschland meldeten Marken wie Veganz, Prolupin oder Lycka Insolvenz an; auch Alpro habe sein Eisangebot wieder gestrichen, Swedish Glace sei vom deutschen Markt verschwunden. Selbst global agierende Marken hätten ihre veganen Sortimente reduziert. Für die Herstellerseite wirkt das wie ein Warnsignal: Wenn „Milchfrei“ als Geschmacksvorteil verkauft wird, braucht es weniger die dauerhafte Loyalität zu einem Werteversprechen, das im Alltag häufig von Preis und Konsumerlebnis überlagert wird. Analyst Malte Treiber betont in diesem Kontext, dass sich das vegane Eisgeschäft konsolidiert habe und die Zahl der dauerhaft tragfähigen Produkte begrenzt sei.

Nomoo steuert dagegen über konkrete Sensorik-Argumente. Statt nur „pflanzlich“ zu nennen, hebt das Unternehmen laut Bericht Zutaten sichtbar hervor: Auf den Packungen stehen etwa Informationen dazu, wie viele Kakaobohnen im Schokoeis stecken oder welche Mangosorte für die Fruchtvariante verwendet wird. Parallel dreht Nomoo die Zielgruppenlogik um: Kuhmilch schließe Menschen aus, pflanzliches Eis sei „für alle da“. Der Bericht verknüpft das zudem mit Marktrealitäten wie Laktoseintoleranz: Schätzungsweise bis zu 20 % der Menschen in Deutschland gelten als laktoseintolerant, weltweit seien es bis zu 75 %. Auch Menschen, die aus anderen gesundheitlichen Gründen weniger Milch konsumieren wollen, gehören zur neuen Zielgruppe; sogar das „kleine grüne Herz“, das zuvor auf Nachhaltigkeit hinwies, soll verschwinden. So wird aus einem Ethos-Claim ein Produkt-Attribut, das im Kühlschrank weniger diskutiert wird.

Die Wirkung zeigt sich auch über Handelszugänge und Preisdynamik. Laut dem Bericht habe sich die neue Kommunikationsstrategie für Kaufland gelohnt: Der Umsatz mit Nomoo-Produkten habe sich seit 2023 vervierfacht. Nomoo ist den Angaben zufolge heute in mehreren Filialen präsent, darunter Edeka, Rewe und Hit, und zusätzlich in Österreich bei Billa sowie in der Schweiz bei Coop. Ergänzend spielt die Preisschere im veganen Segment eine Rolle: Im Vergleich zu 2025 sei der Preis pro Liter im veganen Eis um über 40 % gestiegen, bei milchbasiertem Eis nur um etwa drei Prozent; ein Teil lasse sich laut Bericht durch höhere Kosten erklären, gleichzeitig sei die Marge gewachsen. In den Daten von NIQ wird zudem ein Wachstum des veganen Eisumsatzes in Deutschland genannt: von rund 79 Millionen Euro zwischen Anfang Juli 2022 und Ende Juni 2026 auf 123 Millionen Euro.

Für das nächste Kapitel kündigt Nomoo weiteres Wachstum an und nennt ein klares Zielbild: 2026 will das Unternehmen erstmals eine „schwarze Null“ erreichen. Dazu will Gӧckel die Strategie offensiver vorantreiben und Gespräche mit weiteren Supermarktketten sowie auch in weiteren Ländern führen. Gleichzeitig bleibt die Zeitachse ambitioniert, denn sowohl der pflanzliche Eis-Markt als auch der gesamte Eismarkt wachsen laut Prognosen langsamer als die Marken-Dynamik, die Nomoo gerade aus dem Sommer zieht. Straits Research wird im Bericht mit der Einschätzung zitiert, der globale Markt für pflanzliches Eis könne bis 2034 jährlich um über fünf Prozent zulegen; der gesamte Eismarkt soll im selben Zeitraum um etwa vier Prozent wachsen. Dass das „zu früh zu viel“ eine typische Gründerfalle sein kann, bringt Business Angel Maskell mit einem warnenden Satz auf den Punkt: „Der größte Fehler ist, zu früh zu viel zu wollen.“ Für andere Startups im Food-Bereich ist die Lehre ähnlich: Nicht jedes Produkt scheitert am Produkt, sondern häufig an dem Versprechen, das im Wettbewerb um Aufmerksamkeit am Regalrand zu lange erklärt werden muss.


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