LONDON (IT BOLTWISE) – Die Zahl der von Wölfen gerissenen Nutztiere ist seit 2015 stark gestiegen. Für 2025 nennt das Bundeszentrum für Landwirtschaft (BZL) in Auswertungen der Dokumentations- und Beratungsstelle zum Wolf (DBBW) insgesamt 3.783 gerissene Tiere nach 737 im Jahr 2015. Gleichzeitig sank die Zahl der Wolfsübergriffe auf Nutztiere 2025 gegenüber 2024 um 11 Prozent. Bei den geschädigten Nutztiere liegt der Rückgang sogar bei 13 Prozent – das Schadensniveau soll damit unter dem von 2022 gelegen haben.

Die aktuellen Daten zu Nutztierrissen zeichnen ein widersprüchlich wirkendes Bild: Auf der einen Seite liegt die Zahl der gerissenen Tiere deutlich über dem Niveau von 2015. Auf der anderen Seite zeigt der Blick auf das laufende Jahr, dass sich 2025 im Vergleich zu 2024 ein klarer Rückgang bei Wolfsübergriffen auf Nutztiere abzeichnet. Das Bundeszentrum für Landwirtschaft (BZL) ordnet die Entwicklung in Auswertungen ein, die auf den Erfassungen der Dokumentations- und Beratungsstelle zum Thema Wolf (DBBW) basieren. Laut den genannten Zahlen wurden im vergangenen Jahr 3.783 Tiere gerissen, während es 2015 noch 737 waren. Damit hat sich die Größenordnung innerhalb von rund einem Jahrzehnt mehr als verfünffacht, was vor allem für Tierhalter relevant ist, die langfristige Risikopläne für ihre Bestände erstellen müssen.
Besonders aufschlussreich ist die Verteilung nach Tierarten, weil sie Rückschlüsse darauf zulässt, welche Schutzmaßnahmen in der Praxis derzeit am stärksten gefragt sind. Überwiegend fielen Schafe den Wölfen zum Opfer: Insgesamt werden 3.167 gerissene Schafe genannt. Daneben tauchen weitere Nutz- und gehaltene Tiergruppen in den Daten auf, darunter Gehegewild (303), Rinder (166) und Ziegen (110). Auch Pferde und Alpakas werden mit jeweils 37 betroffenen Tieren erwähnt. Für die Umsetzung in Betrieben bedeutet das: Schutzkonzepte lassen sich selten als „one size fits all“ denken, sondern müssen an Haltungssysteme angepasst werden – von der Umzäunung im Offenstall bis hin zum Management von Herden und Tagesabläufen.
Geografisch wird die Entwicklung ebenfalls nicht gleichmäßig dargestellt. In Niedersachsen gab es mit 970 Nutztierrissen im vergangenen Jahr die meisten Vorfälle; laut BZL sind dort zugleich auch die meisten Wölfe in Deutschland ansässig. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag die Zahl der Nutztierrisse durch Wölfe in Niedersachsen bei 237. Das deutet auf zwei Faktoren hin, die sich oft gegenseitig verstärken: eine höhere Zahl an Wölfen in einem Gebiet und eine entsprechend größere Wahrscheinlichkeit für Begegnungen mit Weidetierhaltungen. Gleichzeitig ist die regionale Konzentration nicht automatisch identisch mit einer „linearen“ Zunahme pro Jahr, denn die Daten zeigen auch, dass sich die Lage innerhalb eines Bundeslandes stark unterscheiden kann.
Der Jahresvergleich für 2025 liefert dafür einen wichtigen Kontrapunkt. Denn obwohl die langfristige Entwicklung seit 2015 deutlich nach oben zeigt, gingen die Wolfsübergriffe auf Nutztiere 2025 im Vergleich zu 2024 deutschlandweit um 11 Prozent zurück; die Zahl der geschädigten Nutztiere sank sogar um 13 Prozent. Im Bericht wird außerdem betont, dass damit das Schadensniveau unter jenem des Jahres 2022 gelegen habe. Zugleich weist das DBBW-Erfassungskonzept darauf hin, dass die Entwicklung der Schadenszahlen je Bundesland teils sehr unterschiedlich verläuft und regional innerhalb eines Landes variieren kann. Der Hintergrund liegt in der Bildung von sogenannten Schadens-Hotspots: In vielen Wolfsterritorien gebe es nur wenige oder keine Übergriffe, während in anderen Gebieten eine deutliche Häufung auftreten könne.
Für die technische und organisatorische Einordnung ist deshalb entscheidend, wie die Zahlen interpretiert werden. Die Statistik liefert Informationen darüber, wie viele Nutztiere gerissen oder geschädigt wurden, aber sie beantwortet nicht automatisch die Frage, wie gut die Tiere zum Zeitpunkt des Wolfsangriffs geschützt waren. Genau an dieser Stelle prallen zwei Blickwinkel aufeinander: Die reine Häufigkeit von Vorfällen kann sich verringern, obwohl sich Schutzstandards noch nicht flächendeckend verbessert haben, oder umgekehrt steigen, obwohl Prävention regional wirksamer wurde. Für Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette – von landwirtschaftlichen Dienstleistern bis zu Anbietern von Weidetier-Schutztechnik – entsteht daraus ein Bedarf an granulareren Informationen, etwa zur Qualität von Einzäunung, zum Einsatz von Herdenschutzmaßnahmen und zum Timing von Schutzinterventionen.
Aus Marktsicht verschiebt sich damit der Fokus von pauschalen Aussagen hin zu datengetriebener Prävention. Wenn Hotspots innerhalb eines Bundeslandes auftreten, lohnt sich für Betriebe vor Ort eher eine gezielte Risikobewertung als eine flächendeckende „Überreaktion“. Gleichzeitig bleibt das langfristige Signal aus dem Vergleich 2015 zu 2025 bestehen: Die Größenordnung der gerissenen Tiere ist strukturell hoch, auch wenn einzelne Jahresvergleiche kurzfristige Entlastungen zeigen. Für Verwaltungen und Tierhalter heißt das, Schutzkonzepte dauerhaft zu professionalisieren und gleichzeitig laufend nachzusteuern, weil sich lokale Bedingungen ändern können – etwa durch Wanderbewegungen, Veränderungen in der Siedlungs- und Nutzungsstruktur oder die Dynamik einzelner Wolfsterritorien. In der praktischen Umsetzung wird damit nicht nur die Frage „ob“ beantwortet, sondern vor allem „wo“ und „wann“ Maßnahmen den größten Effekt entfalten.
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