SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – NVIDIA legt nach Börsenschluss die Ergebnisse für das zweite Fiskalquartal vor. Im Fokus stehen Schätzwerte zu Umsatz und Ergebnis je Aktie ebenso wie die Frage, wie schnell sich die neuen Vera-Rubin-Systeme bei ersten Kunden wie Microsoft und OpenAI hochskalieren. Parallel verschärfen sich die Diskussionen rund um stark gestiegene Speicherpreise für HBM und DRAM und deren Einfluss auf Nachfrage und GPU-Kosten. An der Wall Street wird außerdem darauf geachtet, welche Wachstums- und Margenführung das Management für die kommenden Quartale signalisiert.

Mit Spannung wird erwartet, wie NVIDIA sein zweites Fiskalquartal „nach Börsenschluss“ bilanziert und welche Leitplanken das Unternehmen für das nächste Quartal setzt. Laut Analystenschätzungen, wie sie über LSEG zusammengetragen werden, liegt das erwartete Ergebnis je Aktie bei 2,10 USD und der Umsatz bei 92,17 Mrd. USD. Entscheidend ist dabei weniger die Zahl an sich als die Kombination aus Wachstumstempo und Lieferfähigkeit, denn NVIDIA steuert derzeit nicht nur die GPU-Entwicklung, sondern zunehmend auch die Finanzierungsketten, mit denen neue KI-Rechenzentren überhaupt gebaut werden können.
Technisch betrachtet sitzt NVIDIA mitten in der Logistik des KI-Workloads: Die Chips werden genutzt, um „die fortgeschrittensten“ KI-Modelle zu betreiben, während das Unternehmen in den Aufbau von Rechenkapazitäten hineinwirkt, etwa über finanzielle Backstops und andere Vereinbarungen. Der Effekt spiegelt sich auch in den Erwartungswerten für das Wachstum wider: Für das aktuelle Quartal wird erwartet, dass der Umsatz fast doppelt so hoch ausfällt wie im Vorjahreszeitraum mit 46,7 Mrd. USD. Genau hier wollen Investoren hören, ob die Kundennachfrage aus den Hyperscalern und KI-Plattformen nachhaltig bleibt – oder ob der Markt nach einer starken Rally der vergangenen Jahre nun selektiver wird.
Die wirtschaftliche Lage ist zugleich zweigeteilt. Einerseits zeigt die Kursentwicklung bis zum Dienstag in den vorliegenden Daten, dass der Aktienmarkt dieses Jahr „etwas abgekühlt“ ist; genannt wird ein Plus von 14% bis zum Handelsschluss, während der Nasdaq leicht outperformt wurde. Andererseits steigen die Kosten in der Lieferkette spürbar, was an den Speicherpreisen deutlich wird. DRAM-Preise für Server werden im zweiten Halbjahr des Vorjahres bereits mit einem Anstieg von 64% beziffert; für 2026 erwartet Trendforce dem Bericht zufolge eine weitere Steigerung um 260%. Für NVIDIA heißt das: HBM für High-Performance-GPU-Komponenten und zusätzlich große Mengen an DRAM für komplette Systeme müssen gleichzeitig beschafft werden.
In den letzten Monaten war deshalb auch die Kommunikation zur Materiallage ein zentrales Thema. NVIDIA hat im ersten Quartal 145 Mrd. USD aufgewendet, um die benötigten Bauteile abzusichern; gleichzeitig wurde erwähnt, dass höhere Gerätpreise aufgrund der Speicherverteuerung die Nachfrage nach einigen Consumer-GPUs gedämpft haben. Das Unternehmen erwartet offenbar dennoch, die Wachstumschance „vor sich“ bedienen zu können, auch wenn es laut Aussagen aus dem Management nicht vollständig immun gegen Versorgungsengpässe ist. Hinzu kommt: Für das zweite Quartal wird eine Bruttomarge von 75% erwartet – ein Wert, der im Bereich des Niveaus liegt, das bereits im ersten Quartal erreicht wurde, obwohl NVIDIA stark im Voraus investiert hat, um Bestände für die breitere Auslieferung der Vera-Rubin-Systeme aufzubauen.
Der nächste technische Schritt dreht sich dann um Vera Rubin und die Frage, wie schnell aus Labor- und Pilotphasen echte Serienumsätze werden. Laut dem Bericht sind die neuen Systeme bereits angelaufen und werden bei Kunden wie Microsoft und OpenAI ausgeliefert, während Anleger wissen wollen, wie sich der Ramp-up bei der Nachfrage konkret gestaltet und ob es irgendwo Engpässe in Supply oder Integration gibt. Besonders relevant ist dabei, dass das Unternehmen im Kontext seiner Produktzyklen neue Systeme als Teil einer größeren Roadmap positioniert und Jensen Huang auf der GTC-Veranstaltung eine Größenordnung von 1 Bio. USD an Verkäufen bis 2027 in Aussicht gestellt hat – sowohl für Blackwell-Generationen als auch für Vera Rubin.
Marktseitig verdichtet sich parallel die Konkurrenzdebatte: Neben NVIDIA werden auch Advanced Micro Devices sowie große Plattformanbieter wie Google als mögliche Herausforderer genannt. Gleichzeitig bleibt der Kapital- und Risiko-Aspekt ein dominanter Treiber, weil die Kundenseite hoch investiert: Amazon und Alphabet meldeten für das zweite Quartal negativen Free Cash Flow, ebenso wie die öffentlich bilanzierten Unternehmen von Elon Musk, Tesla und SpaceX; bei Meta soll die Cash-Generierung um rund 90% gesunken sein. Die Hyperscaler stecken laut den Angaben „hundert Milliarden“ in KI-Infrastruktur, und Goldman Sachs erwartet, dass diese Summe 2027 bei 1,2 Bio. USD liegt – dabei nehmen Unternehmen historisch viel Eigen- und Fremdkapital auf und versuchen zugleich, Teile des Risikos über Partnerschaften mit Finanzinstituten auszulagern.
Für NVIDIA selbst wird daraus auch eine Kredit- und Finanzierungsstrategie sichtbar. Huang hat ein Programm mit sechs führenden Finanzfirmen vorgestellt, das bis zu 500 Mrd. USD an Finanzierung umfassen soll, mit der Chips als investierbares Asset behandelt werden. Morgan Stanley hat laut Bericht die Kreditabdeckung aufgenommen und dabei betont, dass es nachvollziehbar ist, teure KI-Chips zu finanzieren, weil die Cashflows und die Bilanzstärke das Modell stützen; zugleich wird aber angeführt, dass das Langzeitrisiko schwer quantifizierbar bleibe. Genau diese Spannung zwischen operativer Skalierung (Vera Rubin, Speicher, Margen) und der Finanzarchitektur dahinter dürfte die Investorendiskussion prägen – ebenso wie die Frage, ob NVIDIA seine starke Position in der Wertschöpfungskette auch dann behauptet, wenn Speicherpreise hoch bleiben und Kundenseite die Investitionswellen künftig bewusster timen muss.
Ergänzend kommt ein Blick in die „Ökosystem“-Dimension: NVIDIA hat einen Anteil an SpaceX offengelegt – der Bericht nennt eine Beteiligung von 21 Mrd. USD, die auf einer früheren Investition von 10 Mrd. USD in xAI basiert, im Zusammenhang mit einer späteren Verschmelzung. Auf der Grundlage der Gespräche soll SpaceX die KI-Rechenzentren exklusiv mit NVIDIA-Chips bauen und außerdem Fortschritte bei orbitalen Datacenter-Technologien machen, die als SpaceX Starmind AI bezeichnet werden. Selbst wenn Details zur Stückzahl noch offen bleiben, zeigt die Richtung, wie stark NVIDIA nicht nur an der Hardwaredrehscheibe, sondern auch an neuen Betriebsmodellen mitarbeitet.
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