LONDON (IT BOLTWISE) – Occidental Petroleum meldet für 2024 einen deutlichen Gewinnsprung und senkt die Nettofinanzverschuldung spürbar. Gleichzeitig erhöhen sich Dividende und Aktienrückkäufe, was die Renditeerwartungen für Aktionäre stützt. Der Kurs bleibt aber weiterhin stark vom Ölpreisumfeld abhängig. Zusätzlich rückt die Beteiligung von Berkshire Hathaway zusammen mit den Low-Carbon-Aktivitäten in den Fokus.

Der Kurs von Occidental Petroleum (OXY) steht nach den Zahlen für 2024 erneut unter Strom – nicht nur wegen des Ölpreisumfelds, sondern vor allem wegen der Kombination aus Ergebnisverbesserung und gezieltem Schuldenabbau. Für das Geschäftsjahr 2024 nennt das Unternehmen einen bereinigten Gewinn von rund 5,8 Milliarden US-Dollar nach etwa 4,1 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Diese Steigerung um knapp 1,7 Milliarden US-Dollar wirkt wie ein doppelter Hebel: höhere Erlöse aus dem Upstream-Geschäft und zugleich messbare Effizienzgewinne in der Produktion.
Auch die Umsatzseite trägt die Story, denn Occidental Petroleum beziffert den Umsatz 2024 auf rund 29 Milliarden US-Dollar, während 2023 etwa 27 Milliarden US-Dollar erreicht wurden. Damit wird klar, warum der Markt den Fortschritt nicht als rein „finanztechnisches“ Signal liest: Das Plus liegt in der Größenordnung von 2 Milliarden US-Dollar und zeigt, dass der Konzern seine Marktposition trotz schwankender Rohstoffpreise zumindest stabilisieren konnte. Parallel dazu läuft die Bilanzsanierung weiter, ein Punkt, der bei zyklischen Energieunternehmen häufig mehr zählt als einzelne operative Kennzahlen. Per Ende 2024 sinkt die Nettofinanzverschuldung auf rund 16 Milliarden US-Dollar nach etwa 19 Milliarden US-Dollar zum Jahresende 2023 – also ungefähr 3 Milliarden US-Dollar weniger innerhalb eines Jahres.
Für Aktionäre wird die Kapitalrückführung konkret, weil sich Dividende und Rückkäufe gegenseitig verstärken. Occidental Petroleum zahlt für 2024 insgesamt rund 0,72 US-Dollar je Aktie nach etwa 0,52 US-Dollar im Vorjahr. Das entspricht einem Anstieg um rund 0,20 US-Dollar je Anteil beziehungsweise knapp 38 Prozent. Hinzu kommt ein Aktienrückkaufprogramm, das 2024 eigene Aktien im Wert von mehr als 3 Milliarden US-Dollar einzieht – gegenüber rund 2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023. Solche Programme wirken auf zwei Ebenen: kurzfristig stützen sie das Ergebnis je Aktie, weil weniger Aktien im Umlauf sind; längerfristig signalisieren sie, dass das Management den Cashflow für robust genug hält, um nicht nur Ausschüttungen, sondern auch Bilanzziele zu bedienen.
Der Blick auf die Kurs- und Marktkennzahlen passt dazu. Die Marktkapitalisierung lag Ende 2024 bei rund 55 Milliarden US-Dollar, nach etwa 48 Milliarden US-Dollar ein Jahr zuvor – ein Plus von ca. 7 Milliarden US-Dollar, das sich aus Kursbewegungen und Ergebnisverbesserung speist. Gleichzeitig bleibt die Aktie spürbar „ölgetrieben“: In der 52-Wochen-Spanne schwankt der Kurs zwischen rund 52 US-Dollar Tief und etwa 72 US-Dollar Hoch, eine Differenz von etwa 20 US-Dollar. Zum Jahresende 2024 notiert die Aktie bei rund 66 US-Dollar, nach ungefähr 60 US-Dollar Ende 2023; das entspricht in der Darstellung einer Jahresperformance von etwa 10 Prozent. Für Anleger bedeutet das: Selbst wenn Fundamentalwerte sich verbessern, entscheidet das Zusammenspiel aus Rohstoffpreisen, Erwartungen an Cashflows und risikobewusster Bewertung weiterhin über die kurzfristige Kursrichtung.
Ein zusätzlicher Faktor für die Marktbeobachtung ist die Beteiligung von Berkshire Hathaway. Laut öffentlich zugänglichen Angaben hält der von Warren Buffett geführte Investmentkonzern Ende 2024 mehr als 250 Millionen Occidental-Petroleum-Stammaktien direkt; das stellt einen großen Block im Streubesitz dar. Diese Konstellation nährt wiederkehrende Übernahme- und Kooperationsspekulationen, auch wenn aus dem vorliegenden Zahlenmaterial keine verbindliche Ankündigung hervorgeht. Unabhängig von konkreten Plänen wird die Rolle eines langfristig orientierten Ankerinvestors häufig als Stabilitätsanker interpretiert, weil er die Dynamik einzelner Stimmungswechsel dämpfen kann. Parallel bleibt die Aktie dadurch im Fokus internationaler Analysten, die Dividendenpfade und Gewinnannahmen oft unter dem Blickwinkel bewerten, ob die Kapitalallokation eher auf nachhaltige Wertsteigerung als auf kurzfristige Ausschüttungsmaximierung ausgerichtet ist.
Neben dem klassischen Öl- und Gasprofil schiebt Occidental Petroleum außerdem Low-Carbon-Themen in den Vordergrund, vor allem über CO2-Abscheidung und -Speicherung. Über die Tochter Oxy Low Carbon Ventures betreibt der Konzern Direct-Air-Capture-Anlagen, die CO2 direkt aus der Umgebungsluft herausfiltern und anschließend dauerhaft speichern oder für industrielle Prozesse einsetzen. Die Investitionen in diese Technologie beziffert die Quelle auf einen mittleren einstelligen Milliardenbetrag, verteilt über mehrere Jahre. Für die Unternehmenslogik ist das relevant, weil hier potenziell eine zusätzliche Erlösquelle entsteht, etwa durch die Vermarktung von Emissionsgutschriften oder durch Liefer- und Kooperationsmodelle mit Industrieunternehmen, die ihre CO2-Bilanz verbessern wollen. Für die Bewertung am Kapitalmarkt bleibt jedoch entscheidend, wie regulatorische Rahmenbedingungen in den USA und Europa sowie die Nachfrage nach Zertifikaten die Wirtschaftlichkeit solcher Projekte tatsächlich beeinflussen.
Operativ konzentriert sich Occidental Petroleum vor allem auf die USA, insbesondere auf das Permian Basin. Dort verfügt das Unternehmen über umfangreiche Förderrechte und Infrastruktur, was die Produktion vergleichsweise kosteneffizient machen soll. Ergänzend nennt die Quelle Engagements in Regionen wie dem Nahen Osten und in Lateinamerika, wo langfristige Förderverträge bestehen – eine Diversifikation, die geopolitische Risiken zwar abfedern kann, aber die Komplexität im Betrieb erhöht. Als Größenordnung nennt das Unternehmen für 2024 eine tägliche Fördermenge von deutlich über einer Million Barrel Öläquivalent, womit Occidental Petroleum zu den größeren unabhängigen Öl- und Gasproduzenten zählt. In der Praxis bleibt die Aktie dennoch anfällig für Volatilität: Ein Rückgang des Ölpreises kann die Profitabilität kurzfristig drücken, selbst wenn das Unternehmen gegensteuert, etwa durch Kostensenkungen und Portfoliooptimierung.
Risikoseitig greifen mehrere Ebenen ineinander: verschärfte Klima- und Umweltpolitik, strengere Emissionsvorgaben oder höhere Abgaben auf fossile Energieträger könnten bestimmte Projekte wirtschaftlich erschweren oder zusätzliche Investitionen in Emissionsminderung erzwingen. Dazu kommt politischer Druck auf große Investoren, Engagements in fossilen Werten zu reduzieren, was perspektivisch die Bewertung von Öl- und Gasunternehmen beeinflussen kann. Gleichzeitig ist das Bewertungsbild aus Zahlenperspektive eher „zyklus-kompatibel“: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt auf Basis des bereinigten Gewinns 2024 im niedrigen zweistelligen Bereich. Bei einem Kurs von rund 66 US-Dollar und einem bereinigten Gewinn je Aktie von ungefähr 6 ergibt sich ein KGV von etwa 11. Die Dividendenrendite liegt bei gut einem Prozent, ausgehend von 0,72 US-Dollar je Aktie. Berücksichtigt man zusätzlich das Volumen der Rückkäufe, verschiebt sich die effektive Ausschüttungswirkung deutlich – und für langfristig orientierte Anleger wird damit weniger die Tagesrendite, sondern der kombinierte Effekt aus Gewinnwachstum, Schuldenabbau und Aktienrückkäufen entscheidend.
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