GARBSEN / LONDON (IT BOLTWISE) – In Garbsen ist ein wichtiger Meilenstein für den ONE TechCampus gefallen: Die techfactory der Technologiepark Region Hannover GmbH hat einen Beteiligungsvertrag unterzeichnet. Damit sichert sich der Ankermieter frühzeitige Steuerbarkeit über den ersten Bauabschnitt und die Möglichkeit, sich an weiteren Phasen zu beteiligen. Die ersten Gebäude sollen noch 2025 entstehen, während die techfactory ihren Einzug für Mitte 2028 plant. Für Startup-Gründungen und Spin-offs aus der Wissenschaft soll der Campus als dauerhaftes Ökosystem wirken.

Der ONE TechCampus Garbsen rückt spürbar in die Umsetzungsphase: Im Rahmen der Immobilienmesse Real Estate Arena in Hannover haben Vertreter der techfactory sowie Gesellschafter von asto den Beteiligungsvertrag für die ONE TechCampus Garbsen GmbH & Co. KG unterzeichnet. Für den Projektkern bedeutet das nicht nur formale Zustimmung, sondern vor allem Investitions- und Entwicklungsverbindlichkeit. Während in vielen Regionen Technologieflächen oft lange in der Vorplanung stecken, schafft die frühe Beteiligung eines Ankermieters eine verlässliche Grundlage für die Vermietungsstrategie und für die Anschlussfähigkeit an Wissenschaftskooperationen. Genau an dieser Stelle wird der Nutzen des Campus als Ökosystem konkret.
Technisch betrachtet ist ein solcher Campus weniger „ein einzelnes Gebäude“, sondern eine Infrastruktur-Logik aus Flächen, Betriebskonzepten und Schnittstellen zwischen Labor, Werkstatt und Büro. Laut Angaben startet noch in diesem Jahr der Bau des ersten Gebäudes auf dem Maschinenbau-Campus in Garbsen, perspektivisch auf 62.000 Quadratmetern mit Büros, Laboren und Produktionsstätten für High-Tech-Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen. Der erste Bauabschnitt umfasst dabei rund 4.600 Quadratmeter Büro-, Werkstatt- und Veranstaltungsfläche, die die techfactory als Ankermieter anmietet. Diese Mischung ist entscheidend, weil sie neben der Forschung auch Prototyping, Transferaktivitäten und Qualifizierung in den Alltag des Standorts holt.
Hintergrund: Technologieparks gelten seit Jahren als bewährtes Bindeglied zwischen Hochschulen, Unternehmensgründungen und industriellen Wertschöpfungsketten. In Deutschland entstanden viele dieser Formate in Wellen – von frühen Gründerzentren über spezialisierte Cluster bis hin zu heutigen, stärker marktorientierten Campusmodellen. Der Unterschied zum klassischen Ansatz liegt heute häufig in der konsequenten Verzahnung von Akteursgruppen: Universitätsnahe Spin-offs brauchen Räume für Iterationen, aber auch Zugänge zu Netzwerken, Veranstaltungen und Finanzierungspfaden. Durch die Beteiligung der Region Hannover und die Gründung der Technologiepark Region Hannover GmbH („techfactory“) entsteht zudem eine klarere Rolle im Standortbetrieb, statt die Fläche lediglich als Immobilie zu verstehen.
Für den Marktkontext ist das timing relevant: Andere Regionen in Norddeutschland verfolgen ebenfalls aggressive Standortstrategien, um wachsenden Bedarf an Büro- und Laborflächen für forschungsintensive Startups zu decken. Gerade in der Phase, in der Fachkräfte, IP und Kooperationschancen gleichzeitig verfügbar gemacht werden müssen, kann ein Ankermieter als Stabilitätsanker wirken. Branchenexperten argumentieren in solchen Fällen meist, dass die Wahrscheinlichkeit für nachhaltige Auslastung steigt, wenn ein etablierter Partner früh Mietflächen belegt und damit Planbarkeit für weitere Investitionen liefert. Die Aussagen von techfactory-Geschäftsführern unterstreichen genau diese Stoßrichtung: Die Kooperationsqualität soll nicht im Papier enden, sondern „mit Leben gefüllt“ werden.
Personell und organisatorisch wird der nächste Schritt klar: Bei der Vertragsunterzeichnung standen asto-Gesellschafter Ekkehart Fabian und Unternehmensentwickler Thorben Fabian für die ONE TechCampus Garbsen GmbH & Co. KG sowie die Geschäftsführer der techfactory, Gordon Hünies. Eckkehart Fabian verknüpft die Unterzeichnung ausdrücklich mit dem bevorstehenden Baustart noch in diesem Jahr, was auf eine straffe Projekt- und Entscheidungslogik schließen lässt. Für die techfactory ist der Nutzen zweigeteilt: Einerseits wird die enge Begleitung des Projekts ermöglicht, andererseits soll die Beteiligung perspektivisch auch den Einstieg in weitere Bauabschnitte erleichtern. Der geplante Einzug Mitte 2028 markiert dabei einen realistischen Horizont, in dem Betriebskonzepte, Mietertreue und Standortmarketing aufeinander abgestimmt werden müssen.
Damit rückt auch die technische Vergleichsperspektive in den Fokus: Während rein digitale Inkubatoren primär auf Cloud-Infrastruktur und Beratungsangebote setzen, erfordert ein Campus wie dieser eine verlässliche physische Infrastruktur für Entwicklung und Produktion. Labore, Werkstätten und Veranstaltungsflächen verlangen nicht nur Bauqualität, sondern auch saubere Betriebsprozesse, Verfügbarkeit und Sicherheitsstandards. Gerade hier kann sich ein Standort gegenüber alternativen Gründer- und Maker-Umgebungen differenzieren, weil er Wege verkürzt: Teams können schneller testen, Prototypen überführen und in Workshops mit Fachleuten aus Industrie und Forschung abstimmen. Für Unternehmen bedeutet das, dass Entwicklungszyklen potenziell kürzer werden, solange der Betrieb von Beginn an gut orchestriert ist.
Aus Regulierungs- und Datenschutzsicht ist die Konstellation ebenfalls anspruchsvoll. Sobald Labore, Produktionsstätten und Veranstaltungsformate zusammenspielen, entstehen sensible Datenströme: Forschungsresultate, Mitarbeiter- und Besucherdaten, ggf. auch Dokumentationen zu Projekten und Kooperationspartnern. Selbst wenn das Projekt primär als Immobilien- und Standortentwicklung kommuniziert wird, müssen die späteren Abläufe im Betrieb früh gedacht werden, etwa hinsichtlich Zugriffsrechten, Auftragsverarbeitung, Datenschutzkonzepten und technischer Abtrennung von Nutzergruppen. In der Praxis wird das häufig durch klare Tenant-Regeln, Dokumentation der Datenflüsse sowie Sicherheitsanforderungen für IT- und OT-nahe Systeme unterstützt. So wird aus dem Campus ein belastbarer Ort für Kooperationen, nicht nur ein Bauprojekt.
Der Ausblick bis Mitte 2028 ist damit mehr als eine Einzugsdatum-Ansage: Er ist ein Indikator dafür, dass der Standort in Bauabschnitten gedacht wird und die Beteiligten bereits jetzt die betriebliche Skalierung vorbereiten. Der erste Bauabschnitt schafft kurzfristig relevante Flächen für Büro, Werkstatt und Veranstaltungen, während die Gesamtentwicklung den langfristigen Bedarf nach Labor- und Produktionskapazitäten adressiert. Für die Zielgruppen – Startups und Spin-offs, darunter auch Akteure aus der Leibniz Universität – entsteht damit die Chance, schneller von der Idee zur validierbaren Umsetzung zu kommen. Wenn der Campus die Kooperationsarbeit konsequent operationalisiert, könnten sich in Garbsen über mehrere Jahre hinweg neue Netzwerke für Forschungstransfer und industrienahe Produktentwicklung verdichten.
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