UK / LONDON (IT BOLTWISE) – OnlyFans hat laut einzureichenden Jahresabschlüssen mehr als 700 Millionen US-Dollar an Dividenden an seinen Eigentümer ausgeschüttet, bevor er im Frühjahr verstarb. Für Fenix International, die britische Plattform hinter dem Abo-Modell, stiegen die Erlöse im Jahr bis November 2025 auf 1,6 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig kletterte der Gewinn vor Steuern um 5 Prozent auf 715 Millionen US-Dollar. Die Unterlagen zeigen außerdem, dass das Geschäft weiter stark von Cashflows getragen wird und die Strategie deutlich auf die Auszahlung an Anteilseigner setzt.

Die Dividendenströme rund um OnlyFans wirken auf den ersten Blick wie eine Bilanz-Kurznotiz. In den von Fenix International erwarteten Jahresabschlüssen, die in dieser Woche im britischen Handelsregister hinterlegt werden sollen, wird daraus jedoch ein konkretes Bild: Mehr als 700 Millionen US-Dollar wurden dem Eigentümer als Dividenden ausgezahlt, bevor er im Frühjahr verstarb. Für viele ist das vor allem deshalb bemerkenswert, weil das Geschäftsmodell der Plattform öffentlich häufig unter dem Gesichtspunkt des veränderten Content-Konsum-Verhaltens diskutiert wird – und weniger als Finanzierungs- und Cashflow-Maschine.
Operativ liefert Fenix International die Grundlage für diese Ausschüttungen. Die Erlöse stiegen im Geschäftsjahr bis November 2025 um einen Zehntel auf 1,6 Milliarden US-Dollar, während der Gewinn vor Steuern um 5 Prozent auf 715 Millionen US-Dollar zulegte. In den Angaben wird das Unternehmen zudem als „hochgradig cash-generierend“ beschrieben und weist eine vergleichsweise schlanke Personaldecke aus: 47 Beschäftigte. Für Anleger und Steuerungsfragen ist das eine zentrale Kennzahlengruppe, weil sich so die Kapitalbindung im Tagesgeschäft reduziert und Überschüsse schneller in Form von Dividenden in die Eigentümerstruktur wandern können.
Finanziell wird das Muster besonders deutlich in der Dividendendynamik rund um Leonid Radvinsky. Für das Geschäftsjahr 2025 werden 535 Millionen US-Dollar an Dividenden an Radvinsky ausgewiesen, im Vergleich zu 497 Millionen US-Dollar im Vorjahr. Zusätzlich nennt die Bilanz weitere 174 Millionen US-Dollar, die in mehreren Tranchen nach dem Ende des Finanzjahres ausgezahlt wurden. Der Zeitpunkt liegt damit zeitlich eng mit dem beschriebenen Eigentümerwechsel zusammen: In April soll eine 16-prozentige Beteiligung im Volumen von 535 Millionen US-Dollar an die Private-Equity-Gesellschaft Architect Capital verkauft worden sein, was dem Unternehmen nach Angaben eine Bewertung von 3,2 Milliarden US-Dollar zuweist.
Warum diese Bewertung in der Wahrnehmung mancher Marktteilnehmer dennoch als eher niedrig galt, hängt weniger an den Umsatz- oder Ergebniszahlen als an dem Marktprofil der Plattform. In der Berichterstattung wird auf die Zurückhaltung einiger Investoren verwiesen, sich an einem Geschäftsmodell zu beteiligen, das in der Öffentlichkeit vor allem wegen der direkten Verknüpfung von Performer-Profilen mit zahlenden Fans bekannt ist. Gleichzeitig zeigen die Account-Zahlen, dass die Plattform weiterhin skaliert: Im Jahr 2025 stieg die Zahl der Creator-Accounts um 9 Prozent auf 5 Millionen, die Fan-Accounts wuchsen um 16 Prozent auf 437 Millionen weltweit. Von den Creator-Accounts galten 2,5 Millionen als „active“, also während des Finanzjahres bis zum 30. November 2025 genutzt, während 132 Millionen Fan-Accounts als aktiv eingestuft waren.
Damit wird auch die Bedeutung der Ausschüttungen an Creator verständlich. Laut den Angaben flossen im Vorjahr rund 6,2 Milliarden US-Dollar an Creator, nachdem OnlyFans 20 Prozent der Einnahmen einbehielt. Insgesamt summiert sich die Auszahlung an Creator seit dem Start 2016 auf 30 Milliarden US-Dollar. Neben der Kernzielgruppe hostet die Plattform auch andere Creators wie Schauspieler, Musiker oder Sportstars, die ihre Erlöse direkt von Fans beziehen – häufig gegen die Annahme von Content-Anfragen in bestimmten Formaten. Für die Marktlogik heißt das: Das System verbindet Reichweite und Zahlungsbereitschaft in einer einzigen Produktoberfläche und macht den Plattformbetreiber zur zentralen Abwicklungsinstanz.
Die Control-Frage verlagert sich parallel weiter in Richtung Familienstruktur. Die Unterlagen sollen zudem belegen, dass die Gruppe nun durch einen Familien-Trust gesteuert wird, der von Katie Chudnovsky, der Witwe von Radvinsky, geführt wird. OnlyFans markiert gleichzeitig das zehnjährige Bestehen: 2016 gegründet von Tim Stokely und seinem Vater Guy, später 2018 an Radvinsky verkauft und bis heute in Großbritannien ansässig. Die CEO Keily Blair betont in den vorliegenden Angaben den Umfang der Creator-Auszahlungen und verweist außerdem auf den Steuerbeitrag eines UK-basierten Unternehmens, der von 2016 bis heute mit über 360 Millionen US-Dollar an Unternehmenssteuern beziffert wird. Auch geografisch zeigt sich eine klare Gewichtung: Der größte Markt sei demnach die USA, gefolgt von UK und Europa sowie dem Rest der Welt.
Für die Technologie- und Produktseite stellt sich aus diesen Finanzdaten vor allem eine Frage: Wie nachhaltig bleibt die Cashflow-Stärke, wenn die Plattform noch stärker um Creator-Services, Moderation und Sicherheitsmechanismen ergänzt werden muss? Gerade bei Systemen, die eine hohe Interaktionsfrequenz zwischen Accounts auslösen, ist die technische Basis entscheidend – von Betrugserkennung und Zahlungsabwicklung bis zur Skalierung von Content-Zustellung. Mit Blick auf KI könnten zudem automatisierte Prozesse in der Analyse von Nutzungsverhalten, bei der Personalisierung von Angebotspaketen oder in der Moderationsunterstützung an Bedeutung gewinnen; bei der regulatorischen und reputationsbezogenen Sensibilität des Produkts dürfte jedoch die Qualität der Umsetzung wichtiger sein als jede pure Automatisierung.
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