CHICAGO / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Chicago Public Library hat „Orbital“ von Samantha Harvey als One Book, One Chicago-Auswahl 2026 bekanntgegeben. Das Programm verbindet Leseveranstaltungen mit Science Talks, Filmen, kreativen Workshops und kulturellen Erlebnissen. Neu ist eine eigene Ansprache für Kinder und Teens sowie eine digitale Teilnahme über einen virtuellen Keynote-Stream mit Watch Parties in der Stadt. Im Zentrum steht der Roman über sechs Astronautinnen und Astronauten auf einer der letzten Missionen dieser Art.

Die Chicago Public Library zieht für One Book, One Chicago 2026 „Orbital“ von Samantha Harvey ins Zentrum der Stadtöffentlichkeit. Damit wird aus einem einzelnen Buchprojekt eine über mehrere Monate laufende Veranstaltungsreihe, die laut Ankündigung ab diesem Monat bis in den November hinein sowohl Lesegespräche als auch naturwissenschaftlich geprägte Formate abdeckt. Der Auswahlgrund lässt sich dabei recht konkret festmachen: Der Roman nimmt „einen Tag“ im Leben von sechs Astronautinnen und Astronauten aus unterschiedlichen Ländern in den Blick, während sie auf eine der letzten Missionen zu einer Raumstation dieser Bauart vorbereitet sind. Gleichzeitig beschreibt die Bibliothek „Orbital“ als Reflexion über Zugehörigkeit, Verantwortung und jene Bindungen, die Menschen – im Roman wie in der realen Stadt – zusammenhalten.
Technisch betrachtet sind solche Programme längst mehr als gedruckte Inhalte: Schon die organisatorische Klammer zeigt, wie klassische Bibliotheksarbeit mit digitalen Distributionswegen zusammenspielt. Für den virtuellen Teil am 19. November ist eine Autor-Keynote vorgesehen, die gestreamt wird und laut Programm zusätzlich über 15 Watch Parties in Bibliotheken in der Stadt begleitet werden kann. Der geplante Livestream über die eigenen YouTube- und Facebook-Kanäle der Bibliothek verschiebt die Reichweite spürbar, weil Teilnehmende nicht mehr zwingend physisch vor Ort sein müssen. Gleichzeitig bleibt das analoge Element erhalten: Der Auftakt mit einem „silent reading soiree“ am 23. September und mehreren Präsenzformaten im Verlauf des Herbstes sorgt dafür, dass der digitale Zugang nicht einfach die Vor-Ort-Kultur ersetzt, sondern sie ergänzt.
Inhaltlich setzt die Veranstaltungsdramaturgie auf die Verbindung von Erzählung und MINT-naher Neugier. Die Bibliothek kündigt für dieses Jahr explizit begleitende Science Talks, Filmvorführungen, kreative Workshops und kulturelle Erlebnisse an, wobei der Programmplan außerdem Partnerschaften mit Institutionen wie dem Adler Planetarium und der Chicago Society for Space Studies vorsieht. Das ist vor allem für Bildungseinrichtungen und Multiplikatoren interessant, weil sich damit ein gemeinsamer Wissens- und Diskussionsraum öffnet: Ein Roman über Raumstationseinsätze bietet eine narrative Klammer, während die Partner aus dem Umfeld von Astronomie und Raumfahrt die wissenschaftliche Perspektive liefern. Für Kinder und Familien kommen zusätzlich Story-time-Formate mit „Here We Are: Notes for Living on Planet Earth“ von Oliver Jeffers hinzu, sowie ein junger Leser-Book-Club mit „The Lion of Mars“ von Jennifer L. Holm; dazu kommen STEAM-bezogene Aktivitäten. Teen-Programme umfassen space-inspirierte kreative Workshops und eine „teen lit night“ – also Angebote, die stark auf Beteiligung und eigene Produktionen statt reiner Konsumhaltung setzen.
Der Markt- und Medienkontext dahinter ist ebenfalls bemerkenswert, weil „Orbital“ nicht als unbekannter Titel in die Stadtreihe geht. Der Roman hat laut Ankündigung den Booker Prize im Jahr 2024 gewonnen und wurde zudem in die Liste von Lieblingsbüchern eines früheren US-Präsidenten aufgenommen. Für eine Stadt-Lesereihe ist das ein doppelter Vorteil: Zum einen lassen sich über die Medienaufmerksamkeit schneller neue Teilnehmende erreichen, zum anderen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Diskussionen inhaltlich tiefer gehen, weil viele Menschen den Titel bereits irgendwo gehört haben. Gleichzeitig zeigt die Auswahl, dass die Bibliothek bei One Book, One Chicago bewusst Richtung „große Erzählungen mit realem Bezug“ steuert: Astronauten, Raumstationen und Missionen sind zwar literarisch aufbereitet, wirken aber als Einstieg in Fragen, die in technologieorientierten Communities stark nachgefragt sind – von Vorbereitung und Verantwortung bis zur Zusammenarbeit über Grenzen hinweg.
Die angekündigten Programmpunkte lassen sich dabei als Taktung lesen, die unterschiedliche Lerntypen adressiert. Am 23. September steht das „silent reading soiree“ im Harold Washington Library im Vordergrund, bei dem die ersten 100 Teilnehmenden eine kostenlose Kopie von „Orbital“ erhalten sollen. Am 8. Oktober ist eine Community Conversation geplant, in der ein Screening von „Operation Space Station“ mit einer Gruppen-Diskussion zu Raumfahrt, Wissenschaft und Zukunftsperspektiven verbunden wird. Am 20. Oktober folgt ein Book-Club-Treffen, das Leserinnen und Leser zusammenbringen und Aktivitäten sowie Diskussionen in den Rahmen der Chicago Book-Club-Community stellt. Der Jahresrhythmus gipfelt am 19. November in der virtuellen Keynote mit der Autorin; die Auffächerung über Watch Parties macht dabei aus dem Stream eine soziale Veranstaltung, statt ihn nur als „one-to-many“-Übertragung zu behandeln.
Auch für Entscheiderinnen und Entscheider in Unternehmen und Bildungseinrichtungen ist relevant, wie das Format „Buch als gemeinsame Referenz“ in die digitale Arbeits- und Lernwelt verlängert wird. Gerade weil One Book, One Chicago laut Bericht dieses Jahr sein 25-jähriges Jubiläum feiert, bekommt die Auswahl einen historischen Charakter: Die Bibliothek verortet das Programm als Mittel, Menschen in der Stadt durch eine gemeinsame Geschichte zusammenzubringen. In der aktuellen Ausspielung bleibt die technische Umsetzung dabei nicht im Hintergrund: Wer etwa eine Watch Party plant, muss Zugänge, Raumorganisation und Ablauf koordinieren – also genau jene praktischen Kompetenzen, die auch bei internen Wissens-Events in Firmen zählen. Unabhängig davon, ob die Themen dabei KI-gesteuert sind oder nicht, entsteht so ein realer Prozess, in dem sich digitale Teilnahme mit gemeinsamer Diskussion verbindet.
Für die Autorin Samantha Harvey selbst ist die Auswahl laut ihrer zitierten Aussage eine spürbare Anerkennung: Sie betont, dass es ihr eine besondere Ehre sei, und freut sich darauf, dass Menschen in dieser Stadt Zeit mit den sechs Astronautinnen und Astronauten in der Umlaufbahn verbringen. Aus Sicht der Programmstrategie passt das in den Kern der Bibliotheksbotschaft: Die Veranstaltung soll nicht nur „über Raumfahrt“ sprechen, sondern über das Menschliche dahinter. Damit wird „Orbital“ zum Vermittler zwischen literarischer Empathie und wissenschaftlicher Neugier. Dass die Programminhalte unter anderem mit Partnern aus dem akademischen Umfeld wie Northwestern University ergänzt werden, unterstreicht zusätzlich, dass die Veranstaltung nicht im reinen Kulturraum verbleibt.
Wie es nach der Auswahl in die Praxis mündet, hängt dann an der Beteiligung: Die Bibliothek verweist auf einen vollständigen Programmleitfaden und bietet zusätzliche Details über ihre Website an. Wer als Organisation oder Bildungsträger ein Format plant – sei es als externe Kooperation, als interne Community oder als lokales STEAM-Lernprojekt – kann den Titel damit als verständliche „Projekt-Anker“ nutzen. Besonders attraktiv ist die Mischung aus Präsenzterminen, Partner-Events und einer klaren digitalen Etappe mit Livestream und Watch Parties. So entsteht aus einem Buch ein wiederholbarer Ablauf, der auch über 2026 hinaus als Modell taugt: ein gemeinsamer Einstieg, eine wissenschaftlich orientierte Vertiefung und ein digitales Beteiligungsfenster, das den Kreis der Teilnehmenden vergrößert.
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